Interview: Assistenzsystem für Blinde wandert ins Internet

Golem.de: Sie erwähnten schon, dass viele Webdesigner nicht sehr sorgfältig bei der Seitengestaltung sind. Wo liegen die Grenzen von WebAnywhere?

Bigham: Das ist ein schwieriges Problem. Man muss viel beachten, damit eine Website wirklich gut mit einem Screen Reader genutzt werden kann. Das gilt für WebAnywhere ebenso wie für die anderen Screen Reader. Das tun Webentwickler aber oft nicht. Sie nutzen beispielsweise selten Tags für Überschriften. Dabei sind die sehr praktisch für Nutzer, die einen Screen Reader brauchen. Webdesigner denken einfach nicht daran, die Seiten so zu gestalten, dass sie mit einem Screen Reader genutzt werden können.

Das setzt unserem System einige Grenzen. Das bekannteste Beispiel ist sicher die fehlenden "Alt"-Texte für ein Bild, so dass das System nicht erkennt, was das Bild darstellt. Und es gibt noch viele andere Beispiele. Wenn Tabellen nicht für Daten, sondern wegen des Layouts eingesetzt werden, kann das System sie dem Nutzer nicht richtig darstellen.

Golem.de: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine solche Anwendung zu entwickeln?

Bigham: Wie haben festgestellt, dass immer mehr Anwendungen vom Desktoprechner ins Internet wandern. Man kann heute praktisch alles, was früher auf dem heimischen Computer war, online abrufen. Das ist eine tolle Entwicklung, weil man so seine Daten von praktisch jedem Computer aus abrufen kann. Wir haben jedoch festgestellt, dass Nutzer, die ein spezielles Interface für ihren Computer brauchen, von dieser Entwicklung nicht profitieren. Das gilt ganz besonders für die, die blind sind und einen Screen Reader nutzen.

Wenn all die anderen Anwendungen vom Desktop ins Internet wandern, warum sollen das die Assistenzsysteme nicht auch tun? So können Nutzer, die spezielle Interfaces brauchen, auch von jedem Computer aus Zugang haben.

Golem.de: Wie lange haben Sie an dem System gearbeitet?

Bigham: Das kommt auf die Sichtweise an. Einen laufenden Prototyp zu entwickeln, hat nur ein paar Wochen Arbeit gekostet. Aber danach wollten wir WebAnywhere der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, deshalb haben wir daran gearbeitet, das System stabil genug zu machen, so dass wir es freigeben konnten. Insgesamt haben wir etwa ein Jahr daran gearbeitet.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Interview: Assistenzsystem für Blinde wandert ins InternetInterview: Assistenzsystem für Blinde wandert ins Internet 
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3
  5. 4
  6.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Energiewende
Deutsche Stromnetze im Dornröschenschlaf

IT ist der Game Changer der Energiewende - nur nicht in Deutschland.
Eine Analyse von Gerd Mischler

Energiewende: Deutsche Stromnetze im Dornröschenschlaf
Artikel
  1. Disney+, Netflix und Prime Video: Das goldene Streamingzeitalter wird zum silbernen
    Disney+, Netflix und Prime Video
    Das goldene Streamingzeitalter wird zum silbernen

    Das aktuelle Jahr hat viele Umbrüche im Streamingmarkt erlebt - und nächstes Jahr geht es weiter. Das wird negative Auswirkungen für Anbieter und Kunden haben.
    Eine Analyse von Ingo Pakalski

  2. Zu einfach: Sony patentiert dynamisch angepasste Schwierigkeitsgrade
    Zu einfach
    Sony patentiert dynamisch angepasste Schwierigkeitsgrade

    Geschwindigkeit, Spawn-Rate und mehr: Sony hat eine besonders komplexe Anpassung von Schwierigkeitsgraden patentiert.

  3. Aufkauf der Restaktien: Silver Lake will die Software AG vollends übernehmen
    Aufkauf der Restaktien
    Silver Lake will die Software AG vollends übernehmen

    Das Angebot des Investors für die restlichen Anteile liegt vor. Die Software AG trennt sich derweil von zwei Produkten.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • Last-Minute-Angebote bei Amazon • Avatar & The Crew Motorfest bis -50% • Xbox Series X 399€ • Cherry MX Board 3.0 S 49,95€ • Crucial MX500 2 TB 110,90€ • AVM FRITZ!Box 7590 AX + FRITZ!DECT 500 219€ [Werbung]
    •  /