Wer schützt Englands Jugend vor Spielegewalt?
Kontroverse in Großbritannien über Zuständigkeit für Altersfreigaben
Politiker, Jugendschützer und Vertreter der Industrie diskutieren in Großbritannien derzeit über eine Reform des Jugendschutzes. Hauptstreitpunkt ist die Frage, wer die Alterseinstufungen vergibt - das europaweit etablierte PEGI-System oder die BBFC, die sich bislang vor allem um Filme kümmert.
Ausgelöst hat den Streit um die Zuständigkeit für Altersfreigaben bei Computerspielen Dr. Tanya Byron. Die Psychologin ist in England ein Star. Sie ist die Tochter eines Regisseurs, verheiratet mit einem Schauspieler und dank ihrer Teilnahme an Erziehungssendungen des englischen Fernsehens so etwas wie das britische Gegenstück zur deutschen "Supernanny" Katharina Saalfrank. Außerdem ist sie Mitherausgeberin einer Studie, die eigentlich den Titel Safer Children in a Digital World trägt, meist aber nur Byron Review genannt wird. Sie beschäftigt sich im Auftrag der britischen Regierung mit den Auswirkungen von Mediengewalt auf Kinder. Die Studie erschien im März 2008 und sorgt seitdem für Streit und Schlagzeilen in der britischen Computerspielebranche.
Die Ergebnisse des Byron Review sind differenziert und weit entfernt von dem, was in Deutschland im Rahmen der Debatte über sogenannte Killerspiele debattiert worden ist. Byron gab teilweise Entwarnung, so zum Beispiel in der Streitfrage um die Desensibilisierung der Jugendlichen durch Spiele. Die Studie geht selbstverständlicher als die meisten deutschen Jugendschützer davon aus, dass Spiele mit Gewaltinhalt nur für Erwachsene gedacht sind - und löste genau damit Streit aus.
Byron schlägt nämlich für den Prozess der Altersfreigaben ein zweigleisiges System vor. Künftig soll sich die BBFC (British Board Film Classification) um Spiele mit einer Alterseinstufung von zwölf und älter kümmern, während die PEGI (Pan European Game Information) nur noch für Programme für jüngere Zielgruppen zuständig sein soll. Bislang ist die Regelung in Großbritannien anders: Grundsätzlich ist die PEGI zuständig, nur bei Inhalten ab 18 Jahren die BBFC. Deren Entscheidungen können unter Umständen von einer dritten Einrichtung namens Video Games Committee ausgehebelt werden. Das geschah Anfang 2008 im Falle des extrem brutalen, in Deutschland erst gar nicht veröffentlichten Manhunt 2.
Obwohl die von Byron vorgeschlagene neue Regelung mehr Klarheit brächte, ist die englische Spielebranche nicht begeistert. Sie kämpft dafür, dass in Großbritannien ausschließlich das PEGI-System zum Einsatz kommt. Egal ob Nintendo, Ubisoft, Microsoft oder Sega - mittlerweile haben sich so gut wie alle großen Spielefirmen und der Branchenverband Elspa zu Wort gemeldet, um Druck auf die Regierung auszuüben.
Keith Ramsdale, Geschäftsführer der englischen Niederlassung von Electronic Arts, nennt die Gründe: "Die von der Regierung vorgeschlagenen Änderungen schaffen mehr Verwaltungsaufwand und sorgen dafür, dass Hitspiele mit Verspätung zu den englischen Konsumenten gelangen." Außerdem fürchtet er wie seine Kollegen in anderen Unternehmen, dass die Kosten für Altersfreigaben steigen.
Inzwischen ist der Streit eskaliert. Er dreht sich nun um die Frage, ob die BBFC überhaupt in der Lage ist, Computerspiele zu analysieren. Hier sieht die Industrie den großen Vorteil bei der PEGI. "PEGI ist ganz klar die einzige Stelle für Altersfreigaben, die stark genug ist, um die Publisher davon abzuhalten, ungeeignete Online- und Offlineinhalte für Kinder zu veröffentlichen", argumentiert Paul Jackson, Chef der Elspa. David Cooke von der BBFC sieht das anders: "Die BBFC hat es während der letzten fünf Jahre geschafft, ihre Tätigkeit auf den DVD-Markt auszuweiten. Wir sind bereit und im Stande, die zusätzliche Arbeit, die Dr. Byron vorschlägt, zu leisten".
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... welche in der Nachrkriegszeit Zeichentrick für "gefährlich" eingestuft hatten...
Die Eltern.
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