Gegenklage von Barracuda im Patentstreit mit Trend Micro

Trend Micro wird Verletzung von Barracuda-Patenten vorgeworfen

Der Streit zwischen Trend Micro und Barracuda Networks, dem Unternehmen hinter dem freien Virenscanner ClamAV, geht in eine neue Runde. Der von Trend Micro mit einer Patentverletzungsklage überzogene Hersteller von Security-Appliances, Barracuda Networks, hat vor einem kalifornischen Gericht Gegenklage eingereicht.

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Barracuda wirft Trend Micro die Verletzung von drei Barracuda-Patenten vor, die das Unternehmen "im Bemühen um den Aufbau eines eigenen Patentportfolios für Verteidigungszwecke" von IBM gekauft hat. Barracuda fordert in der Klage Schadensersatz und ein Vertriebsverbot für Trend-Micro-Produkte.

In dem Streit zwischen Trend Micro und Barracuda Networks geht es um den Einsatz der Open-Source-Antiviren-Software ClamAV in Barracuda-Produkten. Trend Micro besitzt das US-Patent Nr. 5,623,600 für ein "Gerät zur Erkennung und Beseitigung von Viren in Computer-Netzwerken". Das Patent war am 26. September 1995 angemeldet und am 22. April 1997 erteilt worden. Im Patent wird beschrieben, wie zwischen Client und Server übertragene Dateien auf dem Transportweg auf Viren untersucht und gegebenenfalls desinfiziert oder gelöscht werden. Mit seinen Security Appliances liefert Barracuda Lösungen aus, die ein solches Verfahren implementieren. Da Barracuda sich bisher weigert, eine Patentlizenz zu erwerben, hat Trend Micro gegen Barracuda sowohl vor einem Bundesgericht als auch vor der U.S. International Trade Commission (ITC) Klage eingereicht.

Die Besonderheit bei Barracuda-Appliances ist der Einsatz der Open-Source-Lösung ClamAV. Barracuda stellte die Klage von Trend Micro denn auch als Angriff auf die Open-Source-Community dar. "Das Vorgehen von Trend Micro zeigt deutlich, wie angreifbar ClamAV und andere Open-Source-Projekte gegenüber kommerziellen Patentinhabern sind, die der freien und Open-Source-Community ungerechtfertigterweise Steine in den Weg legen wollen", sagte Dean Drako, Präsident und CEO von Barracuda Networks, zu der Trend-Micro-Klage. Unterstützung fand Barracuda unter anderem bei Richard Stallman: "Dieser Angriff ist ein Beispiel dafür, welche Bedrohung Software-Patente für alle Software-Entwickler darstellen. [...] Heute ist ClamAV das Opfer, schon morgen könnte es jedes andere Programm treffen."

Trend Micro hat stets bestritten, mit der Klage gegen Barracuda auf ClamAV abzuzielen und den Fall als eine ganz normale Patentstreitigkeit dargestellt. Barracuda hingegen hat sich selbst zum weißen Ritter der Open-Source-Community ernannt.

In der jetzt erhobenen Gegenklage wirft Barracuda Trend Micro laut redOrbit die Verletzung der Patente 7,093,287, 7,093,294 und 7,103,913 vor, in denen es um verschiedene Sicherheitstechnologien wie Virenschutz, Spam- und Web-Filter sowie Intrusion Detection geht. Die drei Patente wurden von 2000 bis 2002 angemeldet und zwischen August und September 2006 erteilt. Dean Drako erklärte anlässlich der Klageerhebung: "Barracuda Networks würde sich lieber auf Innovation statt auf Klagen konzentrieren. Unglücklicherweise müssen wir uns mit einer Klage verteidigen. Innovation wird das Internet sicherer machen, nicht Klagen."

Vermutlich werden sich Trend Micro und Barracuda am Ende außergerichtlich einigen und Patentlizenzen austauschen. Ob dadurch auch Rechtssicherheit für ClamAV geschaffen werden wird, ist derzeit nicht absehbar. Immerhin hat Barracuda versprochen, die so genannten Nettoeinnahmen der Open-Source-Community zu spenden. [von Robert A. Gehring]

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