Test: Aldis Medion Akoya Mini E1210 - nahe am Subnotebook

Wenn selbst die Tageszeitung Welt die Überschrift wählt " Aldi plant genialen Notebook-Coup(öffnet im neuen Fenster) " , ist das viel strapazierte Wort "Hype" wohl angebracht. Dabei ist die von Intel so getaufte Gerätekategorie "Netbook" in Deutschland noch nicht einmal sechs Monate auf dem Markt. Asus liefert seinen " Eee-PC 701 " erst seit Januar 2008 aus, und schon vor kurzem kam der Nachfolger Eee-PC 900 auf den Markt.
Die Netbooks sind also auch bei den großen Anbietern und Analysten als neues Marktsegment anerkannt. Sie sollen ausgewachsene Notebooks nicht ersetzen und sind vor allem für Privatanwender gedacht – und genau auf diese Zielgruppe sind Aldi-PCs in der Regel zugeschnitten. Zudem gab es bei Aldi noch nie ein Notebook für 399 Euro – auch wenn Standardmobilrechner mit 15,4-Zoll-Display inzwischen von vielen Herstellern zu diesem Preis angeboten werden.
Diese Rechner, die mit größeren Festplatten, schnelleren Prozessoren und DVD-Brennern zwar besser ausgestattet sind, wiegen jedoch mindestens das Doppelte der 1.135 Gramm des "Medion Akoya Mini E1210" und sind deutlich größer. Mit "Klein, leicht, stylisch" bewirbt Aldi-Süd folglich auch sein erstes Mini-Notebook. Dieser Slogan findet sich jedoch nicht im Flyer von Aldi-Nord.
Wir testen ein von Medion zur Verfügung gestelltes Gerät in weißer Farbe. Bei Aldi werden ab 3. Juli 2008 nur die Farben Schwarz und Silber angeboten, MSI will das bauähnliche " MSI Wind U100 " im August auch in Weiß und Pink verkaufen.
- Konstruktion
- Multimedia-Komponenten
- Hardwareausstattung
- Netzwerk und Display
- Windows-Installation und Benchmarks
- Schnelle Festplatte und Schnittstellen
- Akkulaufzeit und Fazit
Konstruktion
Bei den meisten Notebooks bestimmt die Größe des Displays den Formfaktor – beim Medion-Mini ist es jedoch die Tastatur. Sie nutzt bis auf einen 1,5 Millimeter breiten Rahmen die gesamte Gehäusebreite. MSI hat sich beim Design des Gerätes für Tasten mit 17,5 Millimetern Breite entschieden. Das entspricht den meisten Subnotebooks, von diesen hat das Akoya aber auch die Eigenheit geerbt, dass die Tasten für Satzzeichen mit 9 Millimetern sehr schmal gehalten sind. Bis auf diesen Umstand kommen Zehn-Finger-Schreiber mit der Tastatur aber auf Anhieb sehr gut zurecht.
Multimedia-Komponenten
Gut gelöst ist die Position des Mikrofons oben rechts im Displayrahmen, es nimmt ausreichend laut, aber bassfrei und leicht rauschend auf. Auch die VGA-Webcam rauscht und ist obendrein recht lichtschwach, was jedoch auch bei vielen anderen Notebookkameras der Fall ist. Für den gelegentlichen Videochat reicht das jedoch aus. Auf den ersten Blick wirkt auch die Position der Stereolautsprecher an den vorderen Ecken der abgeschrägten Unterseite clever. Tatsächlich sind sie recht laut, aufgrund der Größe einer 1-Euro-Münze klingen sie aber blechern und kennen keine tiefen Töne. Sie neigen bei vollem Pegel zu leichtem Verzerren, bei mittlerer Lautstärke ist beispielsweise der Dialog eines Filmes aber klar verständlich.
An den dicksten Stellen misst das keilförmige Medion-Netbook selbst 26 x 18 x 3,6 Zentimeter. In der Breite entspricht es damit fast dem Formfaktor von Subnotebooks mit einem 12-Zoll-Display im 5:4-Format.
Hardwareausstattung
Als Unterbau für den Atom dient Intels aus der vorletzten Centrino-Generation umgewidmeter Chipsatz 945GME, er steuert auch die Grafikeinheit GMA950 bei. Diese eignet sich nur für anspruchslose 3D-Spiele mit eingeschränkten DirectX-9-Funktionen, wie wir bereits berichteten . 1 GByte DDR2-667-Speicher von Hyundai stecken unter der Rückseite des Gehäuses – eine eigene Klappe für den Zugang zum Modul gibt es nicht. Für den Hauptspeicher ist nur ein Slot vorhanden, so dass das alte Modul beim Aufrüsten anderweitig verwendet werden muss.
Netzwerk und Display
Der Fast-Ethernet-Baustein und der Soundchip nach Intels HDA-Standard stammen von Realtek, beim WLAN-Modul – es steckt in einem MiniCard-Slot – hat sich Medion bei Ralink bedient. Das Bauteil beherrscht 802.11 a/b/g und Draft-N, also maximal 300 MBit/s brutto. Es ist nach dem Öffnen des Gehäuses leicht zugänglich und damit wechselbar. Dabei fällt jedoch auf, dass statt der bei 802.11 N-Draft üblichen drei Antennen nur zwei vorhanden sind. Das reduziert in diesem Modus nicht nur die Reichweite, sondern auch den Durchsatz. Mit dem verbreiteten 802.11 g konnten wir jedoch keine Einschränkungen feststellen.
Ein Bluetooth-Modul hat sich Medion gespart, beim MSI-Gegenstück Wind U100 soll es verbaut werden. Dafür beherrscht dieses Netbook, das Medion als Basis diente, kein Draft-N, sondern funkt maximal mit 54 MBit/s nach 802.11 g. Damit sind die wesentlichen Unterschiede zwischen dem MSI- und dem Medion-Modell bereits beschrieben: Medion bietet 802.11 Draft-N, aber kein Bluetooth, MSI zwar Bluetooth, aber kein 802.11 Draft-N.
Windows-Installation und Benchmarks
Medion stattet das E1210 mit Windows XP Home aus, das von Microsoft für eine längere Lieferzeit für Netbooks vorgesehen ist. Das Betriebssystem kommt mit vorinstalliertem Service Pack 3 und muss folglich nach dem ersten Start nur wenige Updates herunterladen.
Besonders interessant ist bei diesem ersten Atom-Netbook der Prozessor selbst. Da uns das Medion-Testgerät erst kurz vor Verkaufsstart erreichte, blieb keine Zeit für ausführliche Prozessorbenchmarks. Als erste Anhaltspunkte zur Rechenleistung sollen daher das Single-Thread-Programm SuperPi, 3DMark2001 sowie PCMark05 dienen. In letzterem Test erreichte der Rechner 1.487 Punkte im CPU-Score, für eine Million Iterationen der Pi-Berechnung benötigte er 93 Sekunden und kam auf 2.953 Punkte im 3DMark2001 Overall.
Schnelle Festplatte und Schnittstellen
Im üblichen Rahmen von günstigen Mini-Notebooks mit einfachen Bauteilen liegen die Netzwerktests: 8,8 MByte per Ethernet und 2,2 MByte pro Sekunde per WLAN (802.11 g) Durchsatz erreichte das Gerät. Besonders fix für diese Klasse arbeitet der USB-Port mit 28 MByte/s von einem Stick, der nur auf Intels Desktopchipsätzen seine vollen 32 MByte/s erreicht. 12 MByte/s erreichte noch der Card-Reader von einer SanDisk Extreme III, die sonst über 20 MByte/s erreicht. Doch in manchen Notebooks gibt es weit langsamere Lesegeräte.
Aber selten schnellere Massenspeicher: In den Außenbereichen erreicht die WD-Platte 45 MByte pro Sekunde. Daher bootet das Notebook auch in 25 Sekunden nach Drücken des Einschaltknopfes, braucht aber auch zum Aufwachen aus dem Ruhezustand (Supend-to-Disk) ebenso lange.
Akkulaufzeit und Fazit
Einen 6-Zellen Akku will Medion für rund 100 Euro über seinen Onlineshop anbieten – und dann wäre das Netbook auch eine überlegenswerte Alternative zu manchem Subnotebook, das in dieser Gewichtsklasse unter 1,5 Kilogramm rund dreimal so teuer ist. Dafür sprechen vor allem die gute Tastatur und das große und helle Display. Benutzt man den Rechner – wie bei einem Netbook gedacht – vor allem fürs Surfen und Mailen, reicht die Rechenleistung voll aus.
Als Lifestyle-Zubehör mag der Medion-Mini gerade noch durchgehen. Vom Aha-Faktor wesentlich kleinerer Netbooks ist er jedoch vor allem durch die Breite des Gehäuses etwas entfernt. Dafür stellt sich mit diesem Gerät nicht so schnell Ernüchterung ein, wenn man das Display genauer betrachtet.
Spannend bleibt die Frage, ob sich mit dem nun durch Aldi einer breiten Öffentlichkeit vorgestellten Konzept des Netbooks auch die bisherigen zwei Formfaktoren auf Dauer halten können: die ultrakompakten Geräte mit maximal 8,9-Zoll-Displays und die Allrounder unter den Minis mit 10-Zoll-Bildschirmen. Der Erfolg des Aldi-Netbooks wird maßgeblich darüber entscheiden.
Nachtrag vom 3. Juli 2008, um 15:20 Uhr:
Wie MSI inzwischen erklärte, wiegt auch das Netbook Wind U100 mit 3-Zellen-Akku 1,1 Kilogramm. Das Medion E1210 bringt ohne Akku 935 Gramm auf die Waage, MSI gab bisher 940 Gramm für sein Gerät an. Offenbar bezog sich dieses Gewicht also auf eine Messung ohne den Stromspender. Die entsprechende Passage im Artikel wurde aktualisiert.
Nachtrag vom 4. Juli 2008, um 11:50 Uhr:
Der 6-Zellen-Akku für das E1210 ist nun im Online-Shop von Medion gelistet, er soll aber frühestens Ende Juli 2008 ausgeliefert werden. Details finden sich in einer aktuellen Meldung .



