Tennissimulation mit überarbeiteter Steuerung. Virtua Tennis und Top Spin sind seit Jahren Referenz, wenn es um virtuelles Tennis geht. Ersteres erfuhr im einsteigerfreundlichen Sega Superstars Tennis kürzlich eine Neuauflage, Letzteres kommt jetzt in der dritten Version in die Läden und dürfte für Diskussionen sorgen. Top Spin 3 ist nämlich erheblich realistischer, frustriert aber zu Beginn mit einem neuen Bedienkonzept.
Bisher veröffentlichte Tenniscomputerspiele unterscheiden sich zwar in Sachen Tempo, Schwierigkeitsgrad und Realismus, aber die Steuerung funktioniert immer ähnlich. Top Spin 3 geht einen neuen Weg, so dass wohl jeder die ersten Matches verständnislos verfolgen und deutlich verlieren wird. So kommt dem Stellungsspiel diesmal eine wesentlich größere Bedeutung zu: Es gilt, schon vorab die Ballrichtung des gegnerischen Schlages zu erahnen und sich folgerichtig zu positionieren. Wer nicht gut zum Ball steht, hat arge Schwierigkeiten, gekonnt zu retournieren.
Noch ungewöhnlicher ist die Schlagtechnik: Es gilt, den Schlagknopf vor der eigentlichen Aktion loszulassen – erst, wenn der Spieler den Finger vom Knopf nimmt, holt das weiß gekleidete Alter Ego aus. Der richtige Zeitpunkt zum Loslassen wandert also nach vorne, und das Zeitfenster für gekonnte Aktionen wird dementsprechend kürzer. Die Folge sind – neben einer zeitaufwendigen und frustrierenden Umgewöhnung – auf Grund hektischer und nur noch schwer zu erreichender Bälle deutlich mehr Schläge ins Netz oder ins Aus.
Hat man sich allerdings an die veränderte Bedienung gewöhnt, offenbart das neue Konzept seine Stärken. So wird zwar Tempo aus den Ballwechseln genommen, dadurch wirken sie aber jetzt deutlich wirklichkeitsgetreuer. Das Geschehen ähnelte wohl noch nie dem, was auf echten Tennisplätzen zu sehen ist. Gleichzeitig war Taktik in einem Tennisspiel auf der Konsole noch nie so wichtig.
Ansonsten bietet Top Spin 3 gewohnte Kost: Neben einem schnellen Match alleine und im Off- oder Onlinemehrspielermodus steht wieder einmal der Karrieremodus im Zentrum. Der ist umfangreich wie immer, lässt den Spieler Schritt für Schritt von Turnier zu Turnier eilen, neue Herausforderungen freischalten und in berühmten Stadien wie in Paris oder Melbourne antreten. Bekannte Spieler wie Roger Federer oder Rafel Nadal sind ebenso dabei wie die Tennislegenden Boris Becker, Björn Borg und Monica Seles. Alle drei wurden von den Entwicklern hinsichtlich Optik und Verhalten recht gekonnt eingefangen. Die Möglichkeiten zur Gestaltung des eigenen Akteurs sind umfangreich, selbst Tattoos können den Sportlern verpasst werden – da freut sich das feine Publikum.
Technisch hingegen gibt es Licht und Schatten: Positiv fallen ein paar Details wie sichtbare Schweißflecken und erhöhte Erschöpfung der Spieler auf, negativ dafür die eine oder andere abgehackte Animation. Nicht immer bewegen sich die Sportler so flüssig und gekonnt über den Court, wie man es erwarten würde. Ähnliches gilt für die Soundkulisse, die mangels Lebendigkeit die Atmosphäre nur eingeschränkt aufwerten kann.
Top Spin 3 ist für die Xbox 360 (hier getestet), die Playstation 3 und die Wii im Handel erhältlich und kostet etwa 60 Euro (Xbox 360 und PS3) beziehungsweise 40 Euro (Wii). Die USK hat das Programm ohne Altersbeschränkung freigegeben.
Fazit: Tennisfans können die Entwickler von Top Spin 3 für ihren Mut zur Veränderung loben, andererseits aber auch der Mischung aus leichter Zugänglichkeit und spielerischer Tiefe von Top Spin 2 hinterhertrauern. Freunde der weißen Sportart werden wohl eher ihr Pad frustriert an die Wand werfen und dem Vorgänger treu bleiben, statt sich an die neue Steuerung zu gewöhnen. Ist die anfängliche Lernphase erst überwunden, offenbart Top Spin 3 aber doch erfrischend viele neue Möglichkeiten und ein spürbar realistischeres Spieltempo. Simulationsanhänger sollten also durchaus ein bisschen Arbeit investieren.
Video: Top Spin 3 – Trailer in 720p – benötigt Flash 9 (0:57)