Activision kündigt Ego-Shooter mit 007 auf Basis der Call-of-Duty-Engine an. Der britische Superspion lässt es in Film und Computerspiel krachen. Dasselbe Studio, das Call of Duty 5 produziert, will im Spiel zum Film Quantum of Solace für heiße Gefechte und spannende Spionschleichereien sorgen. Golem.de hat sich den Titel bei den Entwicklern angeschaut und mit ihnen über die kommenden 007-Abenteuer gesprochen.
"Wir sind die ersten mit der Möglichkeit, ein Spiel mit diesem härteren, schlaueren und gefährlicheren James Bond zu entwickeln" , freute sich Garrett Young, der als Producer beim Entwicklerstudio Treyarch für Quantum of Solace zuständig ist. Das Entwicklerteam arbeitet derzeit ebenfalls für Activision auch an Call of Duty 5. Quantom of Solace versetzt Spieler in die Rolle von James Bond. Die Handlung setzt sich zusammen aus Casino Royale, dem ersten Spielfilm mit Daniel Craig als 007, und seinem zweiten Bond-Kinoabenteuer Quantum of Solace, der nach aktuellem Stand am 6. November 2008 in die deutschen Kinos kommt. Dabei kommen allerdings nicht alle Szenen vor. So spielt etwa die lange Casino-Episode kaum eine Rolle – was genau im Spiel auftaucht, wollte Young noch nicht verraten. Der neue Spiele-Bond basiert ebenfalls auf dessen Engine und erscheint auch für Windows-PC sowie für Xbox 360, Playstation 3 und Nintendo Wii.
Nachdem sich Activision die Bond-Lizenz gesichert hatte, gab es laut Young eine längere Phase, in der sich die Entwickler auf das erste Spiel vorbereiteten. Eine der Möglichkeiten sei gewesen, ein Spiel im Stil von GTA zu produzieren, also eine weitgehend offene Welt mit Mini-Spielen, die zu 007 passen, etwa Poker. "Das war eine echte Option, wir hätten sogar eine Engine dafür gehabt, nämlich die Spider-Man-Spieleengine, die große Umgebungen gut darstellt" , so Young. Die Marktforschung habe dann aber festgestellt, dass sich die meisten Spieler eher ein Actionspiel wünschen, so wie es nun erscheint. "Rund ein Viertel der Spieler hat außerdem gesagt, dass sie Bond im Spiel sehen wollen." Deshalb ist der Craig-007 nun immer dann im Bild, wenn er sich etwa hinter einer Wand oder einem Vorsprung in Deckung begibt. Die meiste Zeit allerdings treten Spieler in der Ich-Perspektive gegen schwer bewaffnete Widerstreiter an.
Je nach Umgebung und Mission kämpft sich Bond auf eher brachiale Art durch die weitgehend linearen Levels – aber gelegentlich ist auch Schleichen und eher taktisches Vorgehen gefragt. So konnten wir einen Auftrag live miterleben, in dem sich Bond in ein Luxushotel schleicht, um den Bösewicht Le Chiffe (der mit der Augenverletzung aus Casino Royale) zu finden. Auf einer stets eingeblendeten Mini-Übersichtskarte am Bildschirmrand sieht der Spieler auch die Gegner, kann sich an ihnen vorbeischleichen oder sie per schallgeschützte Pistole aus der Distanz eliminieren. Wahlweise greift er sie auf leise Art von hinten an und schaltet sie im Nahkampf aus. Letzteres erledigt Bond auf Knopfdruck, sobald er sich in Feindesreichweite befindet.
An vielen Stellen im Spiel kann Bond sich außerdem ganz an den Gegnern vorbeischleichen – im vorgeführten Hotel-Level etwa, indem er durch ein Fenster auf den Außensims klettert und sich dort bis zum Ziel bewegt; per Mini-Kopfhörer erhielt er Hilfe und Tipps aus seiner Einsatzzentrale. Nur wenige Augenblicke später kam es im Schwimmbad der Herberge zu einer imposanten Schießerei, bei der zwischen Marmorwänden und Pool einiges an Feinden herbeistürmte. Dabei musste übrigens ein gewisser Teil der Umgebung – Gipsstatuen, Fenster, dünne Zwischenwände – im Kugelhagel dran glauben. Die Gegner bewegen sich, so Young, weitgehend ohne vorgefertigte Skripts, sondern reagieren mit dynamischer Eigenintelligenz auf Bond und gehen beispielsweise selbstständig in Deckung – wenn das noch möglich ist.
Auf die Hightech-Spielzeuge früherer Filme und Spiele muss 007 verzichten: "Der neue Bond ist keiner, der irgendwo reinstürmt, mit seiner Armbanduhr ein Dutzend Bomben zündet, das Gebäude dann grinsend wieder verlässt und noch einen Witz über Frauen reißt" , sagt Young. Stattdessen schießt der britische Meisterspion mit seiner Walther P99, außerdem mit diversen Maschinengewehren. Nähere Angaben über den Erscheinungstermin von Quantum of Solace durfte Garrett Young noch nicht machen, weil das erst mit der Filmfirma abgesprochen werden muss. Wir rechnen damit, dass der Titel zeitgleich mit dem Film erscheint, oder nur wenig später. Für Activision ist das Spiel wichtig – "für uns ist es die Basis für künftige Titel, die wir dann wohl ähnlich anlegen werden" , so Young.