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Bill Gates' letzter Arbeitstag

Barmherzigkeit statt Bits und Bytes. Viele Jahre war er der reichste Mann der Welt, der auch das von ihm gegründete Unternehmen Microsoft reich gemacht hat. Am heutigen Freitag geht für Bill Gates sein langer Abschied vom Unternehmen zu Ende. Allerdings bleibt er Chairman von Microsofts Board of Directors und einer der größten Aktionäre von Microsoft.
/ Jens Ihlenfeld
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Bill Gates heißt eigentlich William Henry Gates III und wurde am 28. Oktober 1955 in Seattle geboren. 1973 begann er am Harvard College zu studieren, wo er auch den heutigen Microsoft-Chef Steve Ballmer kennenlernte. Sein Studium brach Gates bereits 1975 ab, um zusammen mit Paul Allen eine Basic-Implementierung für den MITS Altair 8800(öffnet im neuen Fenster) zu schreiben. Gates befürchtete, die Computerrevolution könnte ohne ihn stattfinden.

Ihr gemeinsames Unternehmen mit Sitz in Albuquerque im US-Staat New Mexico nannten Gates und Allen zunächst "Micro-soft", 1976 meldeten sie die Marke "Microsoft" an.

Schon damals hatte Gates große Pläne mit Microsoft. Gemeinsam mit Allen stellte er sich vor, im Erfolgsfall vielleicht einmal 30 Mitarbeiter zu haben. Ende 2007 beschäftigte Microsoft 78.656 Mitarbeiter. Es hat Niederlassungen in über 100 Ländern.

Microsoft verabschiedet sich von Bill Gates und feiert sich selbst
Microsoft verabschiedet sich von Bill Gates und feiert sich selbst (15:13)

Miriam Lubow, 1978 Rezeptionistin bei Microsoft in Albuquerque, die in Abwesenheit von Bill Gates eingestellt wurde, beschreibt ihre erste Begegnung mit Gates folgendermaßen: "Eines Morgen kam dieser Kerl herein, Turnschuhe, Jeans und zerzauste Haare, und ich dachte, dieser Kerl gehört nicht hierher, was tut der da?" Die Kerl lief durch ihr Büro und in den Computerraum, über den ihr Steve Wood, der sie eingestellt hatte, gesagt hatte: "Da darf niemand rein. Das ist privat. Lass niemanden da rein." Als sie Wood berichtete, dass da ein Kerl durch ihr Büro stapfe und nun im Computerraum sitze und sich aufführe, als gehöre ihm der Laden, erwiderte Wood: "Weißt du, das ist auch so. Er ist dein Boss. Er ist der Präsident."

Auch IBM-Manager Jack Sams, der die Zusammenarbeit zwischen IBM und Microsoft startete, hielt Gates zunächst für einen Laufburschen.

In den ersten fünf Jahren überprüfte Gates noch jede einzelne Zeile Code und schrieb diesen oft um - nicht immer zur Freude der Menschen um ihn herum. So kam es vor, dass Gates die ganze Nacht durcharbeitete, es ihm aber nicht in den Sinn kam, vor der Messe am kommenden Tag zu duschen oder die Kleidung zu wechseln: "Es erschien ihm einfach nicht wichtig, obwohl er dringend eine Dusche gebraucht hätte" , erzählte Microsofts ehemalige Kommunikationschefin Jean Richardson einst in einem Interview.

Die wohl wichtigste Entscheidung für den Erfolg von Microsoft traf 1980 IBM. Der aus Microsofts damaliger Perspektive übermächtige Konzern entschied sich bei der Einführung des PC für Microsofts zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierendes Betriebssystem MS-DOS, gestand Microsoft dabei aber weitgehende Rechte zu. So verdiente Microsoft nicht nur an jeder Kopie des Betriebssystems, sondern durfte es auch anderen Herstellern verkaufen. Das Betriebssystem kaufte Microsoft erst nach Abschluss des Geschäfts mit IBM für pauschal 50.000 US-Dollar ein. 1981 kam der PC mit MS-DOS 1.0 auf den Markt, einer Kopie von Digital Researchs CP/M, was IBM später noch einmal viel Geld kostete.

Apple führte schon 1983 mit dem Lisa eine grafische Benutzeroberfläche ein. Doch es dauerte noch sieben weitere Jahre, bis Microsoft 1990 mit Windows 3.0 eine grafische Benutzeroberfläche als Aufsatz zu MS-DOS mit akzeptabler Qualität anbieten konnte. Erst mit Windows 95 verschmolzen Microsofts Betriebssystem und grafische Benutzeroberfläche.

Das Internet allerdings war für Microsoft damals noch kein Thema, erst mit Windows 98 hielt der Internet Explorer Einzug in Microsofts Betriebssystem und bescherte Microsoft einen aufsehenerregenden Kartellprozess in den USA. Im Jahr 2000 drohte eine Spaltung in zwei Teile . Letztendlich kam Microsoft mit einer außergerichtlichen Einigung davon. Anders lief es für Microsoft in Europa: Hier war es die Verknüpfung von Betriebssystem und Media-Player, die Microsoft eine Rekordstrafe von insgesamt 899 Millionen Euro einbrachte.

Besonders beliebt hat sich Gates mit Microsofts Geschäftspraktiken nicht gemacht. Er selbst und manche Microsoft-Mitarbeiter sind aber zu einem gewissen Vermögen gekommen. Bei Gates wird dieses derzeit auf rund 58 Milliarden US-Dollar geschätzt, was mittlerweile nur noch für Platz 3 auf der Forbes-Liste der reichsten Männer der Welt reicht. Auch haftet Gates und Microsoft der Ruf an, die guten Ideen der Konkurrenz oft abgekupfert zu haben. Netscape wurde von Microsoft unter Leitung von Bill Gates aus dem Markt gedrängt und Microsoft macht mit seiner Interpretation von Webstandards und deren eingeschränkter Unterstützung bis heute vielen Webdesignern das Leben schwer. Auch die eigenen Office-Dateiformate hielt Microsoft lange verschlossen, um sich ernsthafte Konkurrenz im Office-Bereich vom Leib zu halten. Die Konkurrenz durch Linux hat Microsoft erst lange ignoriert und dann bekämpft.

Gates wird oft mit den Worten zitiert "640 KByte sollten für jeden genug sein". Diese Grenze machte so manchem Computerspieler zu Zeiten von MS-DOS das Leben schwer, da Spiele oft mehr Speicher benötigten und dieser High-Memory durch geschickte Anpassung von Autoexec.bat und Config.sys freigeschaufelt werden musste. Allerdings gibt es keine Belege(öffnet im neuen Fenster) für dieses wohl berühmteste Gates-Zitat. Er selbst hat klargestellt, er habe zwar viele dumme Dinge gesagt, das aber nicht.

Erst in den vergangenen Jahren hat sich Microsofts Geschäftspolitik langsam verändert, der Druck der Kartellverfahren hat dabei sicherlich eine Rolle gespielt.

Künftig will sich Gates vor allem um die gemeinsam mit seiner Frau gegründete Stiftung kümmern. Die "Bill und Melinda Gates"-Stiftung wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen und verwaltet mittlerweile 29,1 Milliarden US-Dollar, die hauptsächlich von Bill Gates stammen. Mit den Stiftungsmitteln sollen vor allem Probleme der Gesundheitsvorsorge in Entwicklungsländern gelöst werden, aber auch Bildungsprojekte werden bedacht.

Gates' Abschied von Microsoft hat acht Jahre gedauert: Den Chefsessel bei Microsoft überließ Gates schon im Jahr 2000 Steve Ballmer und blieb aber Chairman des Boards und übernahm die für ihn neu geschaffene Rolle des Chief Software Architect. Im Juni 2006 folgte dann die nächste Phase: Gates kündigte an, sich im Sommer 2008 aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen und stellte seine beiden Nachfolger offiziell vor: Craig Mundie und Ray Ozzie. Letzterer übernahm im Juni 2006 den Posten des Chief Software Architect und ist in dieser Rolle für die technische Strategie und Produktarchitektur bei Microsoft verantwortlich. Ozzie leitet zudem die Entwicklung von Microsofts Software-Service-Plattform der nächsten Generation, in der Microsofts Zukunft liegen soll.

Ozzie kam April 2005 durch die Übernahme des von ihm gegründeten Unternehmens Groove Networks zu Microsoft. Einen Namen hatte er sich schon früher als Gründer und Präsident von Iris Associates gemacht, wo er Lotus Notes aus der Taufe hob. Davor war er an der Entwicklung von Lotus Symphony sowie der Entwicklung der Software TK!Solver und VisiCalc von Software Arts beteiligt.

Der zweite Gates-Nachfolger, Mundie, leitet Microsofts Forschung und ist zugleich Strategiechef. Zusammen mit Ray Ozzie ist er für Microsofts technische Entwicklung verantwortlich.

Als Technikchef war Mundie zusammen mit Bill Gates für die Entwicklung Microsofts globaler Strategien verantwortlich und war Leiter des Geschäftsbereichs Consumer Platforms, zu dem die Nicht-PC-Plattformen Windows CE, Software für Handhelds und Auto-PCs gehörten. Auch Microsofts Anfänge im Bereich Spielekonsolen leitete Mundie.

Heute betont Microsoft seinen Willen zur Zusammenarbeit, der Mitwirkung und Unterstützung offener Standards und sieht die Zukunft in einer auf Diensten basierenden Infrastruktur. Die beiden Gates-Nachfolger sollen diesen Kurs umsetzen, wie dieser aber konkret aussehen soll, ist derzeit eher unklar.

Bill Gates selbst konnte sein abgebrochenes Studium 2007 doch noch mit einem Titel schmücken: Die Harvard-Universität verlieh Gates die Ehrendoktorwürde . Der Harvard-Präsident scherzte dazu gegenüber Gates: "Stellen Sie sich vor, was Sie hätten erreichen können, wenn Sie zwei weitere Jahre hier geblieben wären."


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