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Spieletest: Alone in the Dark - Gruseln im Grünen

Ataris Survival-Horror-Adventure im Test. Der Entwickler Eden Studios hat dem neuen Alone in the Dark, dem fünften Teil der Saga, eine große Portion Innovation verpasst. Zudem wurde durch mehrere Technikdemos und Trailer ein bemerkenswerter Hype geschürt. Kann das fertige Spiel den Erwartungen gerecht werden? Golem.de ging allein durch die Dunkelheit.
/ Michael Wieczorek
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Alone in the Dark ist nicht so bekannt und erfolgreich wie Metal Gear Solid. Deswegen kennen auch nur wenige den Helden der Serie, Edward Carnby. Dabei stiefelt der Professor für paranormale Aktivitäten seit 1992 über die Monitore. Der Grund für den geringen Bekanntheitsgrad des Protagonisten liegt in der schwankenden Güte der bisherigen Serienableger.

Da ist es praktisch - und gleichzeitig ein bekannter Designtrick -, dass der Held zu Beginn des Spiels unter Amnesie leidet. So kann sich die Story um Satan, heilige Steine, Gut und Böse, Licht und Dunkelheit für Serienkenner und Neueinsteiger auf stimmige Art und Weise entfalten.

Alone in the Dark - Spieletest
Alone in the Dark - Spieletest (03:59)

Ist man bei anderen Genrevertretern wie Silent Hill oder Resident Evil oft aus spieldesigntechnischen Gründen auf wenige Handlungen beschränkt, fühlt man sich in Alone in the Dark wie in einem Sandkasten. Die Objekte wie Erste-Hilfe-Sprays, Whisky-Flaschen, Klebeband, alte Taschentücher, Munition oder Blutproben lassen sich untereinander kombinieren und laden zum Experimentieren ein. Der Hauptschauplatz des Abenteuers, der New Yorker Central Park, dient dabei als weitläufige Spielwiese. Rätseln, Erkunden und Kämpfe gegen widerwärtige Monstrositäten sind die zentralen Elemente des Titels.

Leider hat Alone in the Dark aber Fehler, die die genialen Momente im Spiel zerstören können. Die Animationen sind abgehackt und die Kollisionsabfrage hat streckenweise Totalaussetzer, wodurch der Spieler im schlimmsten Fall in einer Wand stecken bleibt. Obwohl für die Berechnung der Physik die bewährte Havok-Engine zum Einsatz kommt, wirbeln massive Felsen wie Papier durch die Luft und armdicke Stromleitungen verheddern sich leichter als Schnürsenkel. Das Spiel setzt in vielen Passagen auf Rätsel, die die Physikengine beanspruchen, und sieht dadurch nicht gut, sondern gewollt aus.

Entwickler Eden Studios war bisher hauptsächlich für Rennspiele wie V-Rally 3 und Test Drive Unlimited verantwortlich. Da wundert es wenig, dass man im neuen Alone in the Dark auch auf vier Rädern unterwegs ist. Für große Verwunderung sorgt dagegen die mäßige Steuerung der Boliden, die weder realistisch noch eingängig ist. Auf zwei Beinen sieht es bei der Steuerung nicht viel besser aus. Unbeholfen stakst Edward Carnby wahlweise aus externer Perspektive oder aus Ego-Sicht durch die Levels.

Erst nach knappen vier Stunden haben erfahrene Spieler den Helden entweder via Maus und Tastatur oder Xbox-360-Gamepad im Griff. Dann gelingen imposante, dynamische Manöver wie: aus dem fahrenden Auto springen - Waffe zücken - auf den Tank zielen - abdrücken und staunen, wie sich die Gegner durch die Luft wirbelnd anderswo im Park wiederfinden. Die Eingaben mit Maus-Tastatur-Kombi sind naturgemäß beim Zielen genauer und das schnelle Umschauen in der Ego-Sicht sorgt für mehr Übersicht. Die Steuerung mit dem Xbox 360-Controller bietet Vorteile bei den Kletter- und Fahrpassagen.

Wie in unserer Vorschau ausführlicher beschrieben, ist Edwards effektive Waffe gegen die meisten Gegner das Feuer. Mit seiner Spektralsicht erkennt er durch Blinzeln auf Knopfdruck die Schwachstelle der Monster. Danach genügt schon eine gezielte, mit Alkohol getränkte Patrone aus dem Revolver, für ihre Rückkehr in die Unterwelt. Alternativ lassen sich auch Insektensprays mit dem Feuerzeug zu handlichen Flammenwerfern kombinieren oder man bastelt den klassischen Molotow-Cocktail aus einem alten Taschentuch und Whisky.

Grafisch ist Alone in the Dark gehobenes Mittelmaß. Die triste Farbgebung und niedrig aufgelösten Texturen sorgen für wenig Begeisterung und die erwähnten Patzer bei der Physikengine wirken unnatürlich. Die gescripteten Zerstörungseffekte, die Feuerdarstellung und die Weitsicht sind hingegen technische Highlights. Während der Flucht in den Park stürzen zum Beispiel Häuserblöcke am Horizont auf die Straße und Rauch- und Feuereffekte platzen bildschirmfüllend ins Geschehen. Auch die Charaktere werden plastisch dargestellt und ordentliche Mimik erzeugt eine dichte Atmosphäre bei den Dialogen der Storysequenzen. Die musikalische Untermalung ist gut.

Das Spiel ist in anwählbare Kapitel unterteilt, die jeweils einen Storyfetzen behandeln. Es speichert automatisch und setzt den Spieler beim Bildschirmtod an den letzten sicheren Punkt zurück. Gescriptete Kameraschwenks und Sequenzen lassen sich nicht abbrechen, was beim wiederholten Spielen einer Szene gehörig nervt.

Die von uns getestete PC-Version von Alone in the Dark ist seit dem 20. Juni für etwa 50 Euro in den Läden. Das Spiel verwendet wie Mass Effect den SecuRom-Kopierschutz, der eine Online-Aktivierung der Lizenz beim Hersteller vorsieht. Will man Alone in the Dark auf mehreren PCs installieren, sollte zuvor die Lizenz bei einer Deinstallation abgemeldet werden. Wer keine DVD haben möchte, bekommt es von Atari für den gleichen Preis als Downloadvariante(öffnet im neuen Fenster) . Die PC-Version ist mit der ebenfalls erschienenen Xbox-360-Version vergleichbar. Eine Portierung für die Playstation 3 folgt diesen Herbst. Das Spiel ist mäßig synchronisiert aber auch auf Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch spielbar. Die USK hat dem Spiel keine Jugendfreigabe gegeben. Dieser Test bezieht sich nicht auf die Wii- und PS2-Versionen des neuen Alone in the Dark.

Fazit:
Im Großen und Ganzen ist Alone in the Dark seinen Wurzeln treu geblieben und ein faszinierendes Horroradventure mit teils imposanter Präsentation. Das Einsetzen und Kombinieren der Gegenstände ist innovativ und sollte auch bei anderen Genrevertretern Einzug halten. Die Fehler bei der Physikengine, die nicht abbrechbaren Sequenzen und die überfrachtete Steuerung sind die größten Schwachpunkte des Spiels. Sie werden Einsteiger und ungeduldige Zocker frustrieren. Alte Hasen und geduldige Genreliebhaber sehen auch jetzt schon über die Ecken und Kanten von Alone in the Dark hinweg - und hoffen auf einen baldigen Patch.

 
Video: Spieletest Alone in the Dark - Gruseln im Grünen in 720p - benötigt Flash 9 (3:59)

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