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Studie: Journalisten schreiben zu oft voneinander ab

Journalistische Onlinerecherche auf dem Prüfstand

Die Qualität der journalistischen Recherche muss verbessert werden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen (LfM). Journalisten schreiben zu viel voneinander ab, statt sich mit Primärquellen auseinanderzusetzen. Und sie verlassen sich zu sehr auf Google.

Artikel veröffentlicht am ,

Die Recherche im Internet liefert schnell eine große Vielfalt an Informationen und bietet Journalisten erhebliche Vorteile. Doch veränderte Rahmenbedingungen in Redaktionen bergen Risiken und führen zu Qualitätsmängeln, mahnt die LfM anlässlich der Vorstellung der Studie "Journalistische Recherche im Internet". Eine Überprüfung von Onlinequellen finde nur selten statt.

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Dabei greifen Journalisten bei ihrer Recherche im Netz vornehmlich auf andere journalistische Erzeugnisse zurück, und nicht auf Primärquellen wie Websites von politischen, wissenschaftlichen oder kulturellen Einrichtungen: "Man schreibt also sprichwörtlich voneinander ab", kommentiert die LfM die Studienergebnisse.

Marcel Machill von der Universität Leipzig, der die Studie im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) geleitet hat, beobachtet in diesem Zusammenhang eine gesteigerte Selbstreferenzialität im Journalismus: "Computergestützte Recherche macht es den Medienschaffenden noch einfacher, schnell nachzuschauen, was die Kollegen zu einem aktuellen Thema erarbeitet haben."

Untersucht wurden 34 Medienangebote, darunter Tageszeitungen, öffentlich-rechtliche und private Hörfunk- und TV-Sender sowie redaktionelle Onlineangebote. Rund 600 Journalisten wurden für die Studie bundesweit schriftlich befragt und 235 Journalisten bei ihrer Arbeit beobachtet.

Nach wie vor ist das Telefon das wichtigste Rechercheinstrument von Journalisten. Doch gerade bei der Ermittlung von Zusatzquellen - wenn Journalisten also das auf ihren Schreibtisch eingehende Material erweitern wollen - kommen die Suchmaschinen im Internet zum Einsatz. Und hier dominiert auch bei den Medienschaffenden eindeutig Google den Markt. Wer bei Google beispielsweise zu einem aktuellen journalistischen Thema als Experte unter den ersten zehn Treffern gelistet wird, hat größte Chancen, wiederum von Journalisten interviewt zu werden. Die Suchmaschine kanalisiert also auch bei den professionellen Kommunikatoren die Aufmerksamkeit, so die Autoren der Studie.

Die befragten Redakteure sehen indes die Dominanz des privaten Suchmaschinenanbieters Google überwiegend pragmatisch: Sie sind sich möglicher Probleme bewusst, greifen aber weiterhin auf die marktführenden Angebote zurück, statt alternativ in Eigeninitiative unabhängige Quellen zu recherchieren. Dafür werden hauptsächlich strukturelle Gründe wie personelle Engpässe und Zeitmangel im Redaktionsalltag verantwortlich gemacht.

"Unsere Pilotstudie 'Journalistische Recherche im Internet' verweist auf einen prekären Sachverhalt", sagt LfM-Direktor Norbert Schneider: "Die Medienunternehmen müssen ein hohes Eigeninteresse daran haben, dass ihre Nachrichten sauber recherchiert sind - auch wenn sie auf Onlinerecherche beruhen. Schließlich geht es hier um ein hohes Gut der Medien: nämlich ihre Glaubwürdigkeit, die man in der Regel nur einmal verlieren kann."

Die LfM-Studie formuliert vor diesem Hintergrund spezielle Handlungsempfehlungen, darunter das Berufsbild des Dokumentationsjournalisten zu fördern. Im anglo-amerikanischen Bereich sind die sogenannten "fact-checkers" in vielen Redaktionen Standard. Bei der journalistischen Aus- und Fortbildung, so eine weitere Empfehlung der Studie, müsse Recherchekompetenz verstärkt in den Fokus gerückt werden. Auch Überlegungen, selbst eine genossenschaftlich finanzierte, verlässliche und unparteiische Suchmaschine zu entwickeln, bringt die LfM ins Gespräch.

Die Studie (ISBN 978-3-89158-480-4) ist in der Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen erschienen und kann für 23 Euro bestellt werden. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse ist unter lfm-nrw.de zu finden.

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