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Leck macht geschützte Bürgerdaten frei zugänglich

Auslieferungspasswort in Meso-Software beim Einwohnermeldeamt veröffentlicht. Durch ein Datenleck beim Hersteller HSH waren persönliche Bürgerdaten der Einwohnermeldeämter – Familienstand, Geburtsdatum, Religionszugehörigkeit und Passbild – in 200 Kommunen über das Internet frei zugänglich. Das deckte das ARD-Fernsehmagazin "Report München" auf. Die Anwender hatten das Auslieferungspasswort nicht geändert. Schuld sei "der Faktor Mensch" , entschuldigt sich der Hersteller.
/ Achim Sawall
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Sven Kollmorgen, Unternehmenssprecher bei HSH Soft- und Hardware, bestätigte Golem.de das Problem. "Wir entwickeln die Meso-Software seit 1991" , sagte er. Wer eine Mausbewegung über einen Link zu einer Demoversion der Online-Gewerberegisterauskunft machte, erhielt den voreingestellten Benutzernamen und das Passwort für die Datenbank 'Informationsregister', auf der verschiedene E-Government-Anwendungen des Unternehmens aufsetzen. Schuld an der Sicherheitslücke, die in der Zeit vom 15. März bis zum 20. Juni 2008 klaffte, sei "Unachtsamkeit" gewesen.

Wenn nach der Installation das Auslieferungspasswort und der Benutzername vom Betreiber nicht geändert wurden, war es möglich, mit den voreingestellten Zugangsdaten auf das Informationsregister zuzugreifen und Einwohnerdaten unberechtigt zu lesen, so die Berliner Firma. Von den 40 Betreibern des Informationsregisters seien in den Kommunen aber nur "einige wenige" betroffen. Alle unberechtigten Zugriffe habe HSH protokolliert, sie könnten nun nachvollzogen werden. In drei brandenburgischen Kommunen seien tatsächlich Einwohnerdaten mit dem Auslieferungspasswort illegal abgefragt worden.

Die betroffenen Anwender und Kommunalverwaltungen wurden informiert und gebeten, die Zugangsdaten zum Informationsregister sofort zu ändern. "Ursache für das zeitweise aufgetretene Sicherheitsproblem waren nicht die Onlineanwendungen, sondern letztlich der Faktor Mensch" , erklärt HSH.

Das ARD-Fernsehmagazin geht dagegen davon aus, dass die Bürgerdaten über Jahre hinweg frei zugänglich waren. In welchem Umfang sich in den vergangenen Jahren Privatleute, Werbefirmen und Kriminelle Zugang verschafft hätten, lasse sich nach Meinung von Experten überhaupt nicht abschätzen. In jedem Fall seien die unfreiwillig gelieferten Informationen weit über die Angaben hinausgegangen, die legal in den Stadtadressbüchern zu finden sind.

Matthias Rosche von der EDV-Sicherheitsfirma Integralis, sprach gegenüber Report München von einem Supergau: "Das ist das Schlimmste, was passieren kann. Da werden de facto die Daten öffentlich ins Internet gestellt." Laut Experten des Bayerischen Landeskriminalamtes in München könnten sich kriminelle Passfälscher oder Terroristen in den Dateien bedient haben, um sich die Identitäten unbescholtener Bürger zuzulegen, berichtet das Magazin.

Laut Frankfurter Rundschau(öffnet im neuen Fenster) ist unbefugt auf die Einwohnermeldedaten der Städte Potsdam, Neuhardenberg und Henningsdorf zugegriffen worden. Einsehbar waren nach den Informationen auch die Daten von 15 anderen Kommunen, darunter Rathenow, Plauen und Velbert.


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