Telekom hörte mutmaßliche Hacker ab

Furcht vor "schwerem Angriff auf die Rechnersysteme"

Die Deutsche Telekom hat - offenbar aus Angst vor Hackerangriffen - rund 120 Telefongespräche ihrer Kunden illegal überwacht. Dieser Skandal liegt Jahre zurück, aufgedeckt haben ihn jetzt das ZDF und das Magazin Wirtschaftswoche.

Artikel veröffentlicht am ,

Die Telekom hat gegenüber dem ZDF die Überwachungsaktion aus dem Jahr 1996 eingestanden: "Angesichts eines nach damaliger Einschätzung unmittelbar drohenden schwersten Eingriffs in die Rechnersysteme der Telekom hielt man wegen der besonderen Eilbedürftigkeit eigene Maßnahmen zur Gefahrenabwehr für unerlässlich", heißt es laut ZDF in der Stellungnahme der Telekom. "Es handelte sich nicht um einen 'Lauschangriff'. Es ist in diesem Zusammenhang nicht zum 'Abhören' von Telefonaten gekommen. Vielmehr wurde versucht, aus dem Datenverkehr bestimmte Steuersignale (Hackercodes) zu ermitteln". Zu Details wollte die Telekom sich noch nicht äußern.

Stellenmarkt
  1. IT-Spezialist*in VMware vSphere / ESXi
    Hamburger Hochbahn AG, Hamburg
  2. Informationsmanager (m/w/d)
    Deutsche Leasing AG, Bad Homburg vor der Höhe bei Frankfurt am Main
Detailsuche

Die Verdächtigungen stützen sich auf interne Unterlagen des Konzerns, die dem ZDF und der Wirtschaftswoche vorliegen. Der Vorwurf: Der damalige Vorstand für Technische Dienste, Hagen Hultzsch, soll das illegale Vorgehen genehmigt haben. Mit Verweis auf den "Notwehr"-Paragrafen § 32 (Strafgesetzbuch) habe ein Konzernrechtsanwalt damals die Maßnahmen gerechtfertigt. Personalchef Heinz Klinkhammer habe später versucht, die Aktionen der Konzernsicherheit zu vertuschen.

Im Dezember 1996 begann laut dem Bericht die elektronische Überwachung von vier Telefonnummern im rheinischen Hennef unter dem Decknamen "Bunny". Auch die Gesprächsinhalte seien aufgezeichnet worden. Dabei sollen insgesamt knapp 120 Anrufe erfasst worden sein. Das Material sei als "streng vertraulich" einem externen "Monitoring-Center", der Dienstleistungsfirma Reuter im hessischen Haiger, übergeben worden. Diese habe auch für deutsche Sicherheitsbehörden gearbeitet, so die Wirtschaftswoche.

Im Juni 1997 informierte die Telekom dann selbst das Bundesministerium für Post und Telekommunikation über den Vorfall. Der dortige Staatssekretär Gerhard Pfeffermann soll das Vorgehen zwar als "strafrechtlich in hohem Maße bedenklich" und als "rechtswidrig" bezeichnet haben, abgesehen von einer Rüge blieb die Aktion aber strafrechtlich folgenlos.

Golem Akademie
  1. Cloud Computing mit Amazon Web Services (AWS): virtueller Drei-Tage-Workshop
    14.–16. Februar 2022, virtuell
  2. Penetration Testing Fundamentals: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    17.–18. Januar 2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Bundesdatenschützer Peter Schaar kündigte gegenüber der Wirtschaftswoche an, die Aufzeichnungspraktiken der Telekom bei der Telefonüberwachung genauer zu untersuchen.

Die neuen Vorwürfe kommen für den Konzern zur Unzeit. Seit Mitte Mai 2008 wird die Telekom beschuldigt, unliebsame Journalisten und Konzernaufsichtsräte illegal bespitzelt zu haben. Nach Medienberichten sollen neben Handyverbindungsangaben und Bewegungsdaten auch Bankkonten ausgespäht worden sein.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


e4uhzj 23. Jun 2008

... jemand die Frage gestellt, wie die Telekom die zu untersuchenden Anschlüsse und...

ruferinderwüste 23. Jun 2008

Die Bäume reichen nicht mehr aus, um die ganzen Schweine aufzuhängen.

Crass Spektakel 22. Jun 2008

Ja, ich weis daß der Spruch vorbelastet ist aber ich werde auf passende Zitate nicht...

Youssarian 22. Jun 2008

1996 ... das war im 20. Jahrhundert 1996 ... gehörte die Telekom noch zu 100% dem Staat...

oSu.. 21. Jun 2008

Und bei wem bist Du?



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Pixel 6 und 6 Pro im Test
Google hat es endlich geschafft

Das Pixel 6 und Pixel 6 Pro werden endlich Googles Rang als Android-Macher gerecht: Die Smartphones bieten starke Hardware und sinnvolle Software.
Ein Test von Tobias Költzsch

Pixel 6 und 6 Pro im Test: Google hat es endlich geschafft
Artikel
  1. Apple-Software-Updates: iOS 15.1, iPadOS 15.1, WatchOS 8.1 und TVOS 15.1 verfügbar
    Apple-Software-Updates
    iOS 15.1, iPadOS 15.1, WatchOS 8.1 und TVOS 15.1 verfügbar

    Die ersten größeren Aktualisierungen für iPhone, iPad, Apple Watch und Apple TV sind da. Wer das iPhone 13 verwendet, profitiert besonders.

  2. Desktop-Betriebssystem: Apple MacOS Monterey mit neuem Safari und Fokus-Funktion
    Desktop-Betriebssystem
    Apple MacOS Monterey mit neuem Safari und Fokus-Funktion

    Apple hat die finale Version seines Mac-Betriebssystems MacOS Monterey veröffentlicht. Dabei sind ein neuer Safari-Browser und eine Konzentrationsfunktion.

  3. 20 Jahre Windows XP: Der letzte XP-Fan
    20 Jahre Windows XP
    Der letzte XP-Fan

    Windows XP wird 20 Jahre alt - und nur wenige nutzen es noch täglich. Golem.de hat einen dieser Anwender besucht.
    Ein Interview von Martin Wolf

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Bosch Professional günstiger • Punkte sammeln bei MM für Club-Mitglieder: 1.000 Punkte geschenkt • Alternate (u. a. Apacer 1TB SATA 86,90€ & Team Group 1TB PCIe 4.0 159,90€) • Echo Show 8 (1. Gen.) 64,99€ • Halloween Sale bei Gamesplanet • Smart Home von Eufy günstiger [Werbung]
    •  /