• IT-Karriere:
  • Services:

Fachleute warnen vor verlängerten EU-Schutzfristen für Musik

Weniger Wettbewerb und höhere Preise als Folge

Urheberrechtsspezialisten aus mehreren europäischen Ländern haben sich gegen die von EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy angekündigte Verlängerung der urheberrechtlichen Schutzfrist für Musikaufnahmen ausgesprochen. Sie schrieben an EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Artikel veröffentlicht am , Meike Dülffer

Juristen, Musiker und Ökonomen aus mehreren EU-Mitgliedsstaaten haben sich in einem Brief an José Manuel Barroso gewandt. Sie warnen davor, dass die EU-Kommission "in einem spektakulären Kotau vor einer einzelnen Interessengruppe, der multinationalen Plattenindustrie (Universal, Sony/BMG, Warner und EMI)" die Schutzfrist für Musikaufnahmen von derzeit 50 auf 95 Jahre verlängert. Eine solche Fristverlängerung hatte der irische EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy noch für dieses Jahr in Aussicht gestellt.

Stellenmarkt
  1. ekom21 - KGRZ Hessen, Darmstadt, Gießen, Kassel
  2. Deutsche Rentenversicherung Bund, Berlin

In den Augen der Unterzeichner würde eine solche Maßnahme "das Ansehen der Kommission erheblich beschädigen". Die Fachleute, von denen die meisten Jura und Medienökonomie an angesehenen europäischen Hochschulen unterrichten, sind sich einig: "Die vorgeschlagene Richtlinie zur Verlängerung der Schutzfrist wird Kreativität und Innovation in Europa irreparablen Schaden zufügen." Zum einen würden von der Verlängerung überwiegend die wenigen, den Markt dominierenden Plattenfirmen mit ihren umfangreichen Katalogen profitieren. Zugleich würde die Verfügbarkeit historischer Musikaufnahmen deutlich einbrechen. Im Ergebnis würde der Wettbewerb eingeschränkt und die Endverbraucherpreise für Musik steigen. Die durch die Fristverlängerung erzwungenen, höheren Lizenzgebühren, die zu einem großen Teil an Rechteinhaber in den USA fließen, würden zudem die Handelsbilanz der EU verschlechtern.

Um ihrer Argumentation Nachdruck zu verleihen, haben die Fachleute ein Kurzgutachten über die zu erwartenden Auswirkungen der von McCreevy geforderten Fristverlängerung erstellt. Anhand der verfügbaren Zahlen kommen sie darin zu dem Schluss, dass die Künstler, in deren Namen McCreevy die Fristverlängerung fordert, keine nennenswerten Mehreinnahmen erzielen würden. Der größte Anteil der neuen Einnahmen würde wenigen Superstars und Rechteinhabern zufließen. Zur Illustration wird auf Schweden verwiesen. Anhand der Statistiken der schwedischen Verwertungsgesellschaften lasse sich zeigen, dass der Anteil der "Zahlungen an tote Komponisten durch die 1995 erfolgte Verlängerung der Schutzfrist um 20 Jahre von 2,4 auf 14,1 Prozent gestiegen ist".

Bereits 2006 hatte der sogenannte Gowers-Bericht eine Verlängerung der Schutzfrist für Musikaufnahmen für ökonomisch nicht wünschenswert erklärt. Im Juli des vergangenen Jahres hatte sich die britische Regierung dem angeschlossen. Daraufhin hatten Vertreter der Musikindustrie angekündigt, für ihre Sache nach Europa zu gehen.

Auch in Deutschland machen sich namhafte Veteranen des Musikgeschäfts für längere Schutzfristen stark und sind damit bei Politikern auf offene Ohren gestoßen. So hatte Kulturstaatsminister Bernd Neumann anlässlich des von der WIPO für den 26. April ausgerufenen "Welttags des geistigen Eigentums" eine Pressemitteilung herausgegeben, in der er neben Internetsperren bei Urheberrechtsverletzungen auch eine Verlängerung der Schutzfrist für Musikaufnahmen forderte: "Zusammen mit meiner französischen Kollegin Christine Albanel habe ich daher den zuständigen EU-Kommissar Charles McCreevy gebeten, das Thema auf EU-Ebene anzusprechen. Er hat angekündigt, noch vor der Sommerpause 2008 der EU-Kommission einen Vorschlag zu diesem Thema zu unterbreiten." [von Robert A. Gehring]

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. (u. a. 970 Evo 1 TB für 149,90€, 970 Evo 500 GB für 77,90€)

Ehrlicher Kunde 19. Jun 2008

Wenn sie damit durchkommen, gibt es eigentlich nur eines: Keine Musik mehr von diesen...

NurUserin 19. Jun 2008

Kostenlos? Es entstehen keine Kosten? Für Saalmiete, zahlreiche Löhne, Bühnenmaterial...

zuz 19. Jun 2008

Falls ihr es noch nicht gemerkt habt. MUSIK IST KOSTENLOS FÜR JEDEN ! Ja, es ist zwar...

Java 19. Jun 2008

DAFÜR WIRD ES SCHON LANGE ZEIT ! Leider sind die Deutschen viel zu brav. Deswegen wählen...

JTR 19. Jun 2008

Darum nein Danke zur EU Mitgliedschaft der Schweiz. Dieser korrupte und bürokratische...


Folgen Sie uns
       


DJI Robomaster S1 - Test

Was fährt da auf dem Flur entlang? Der Robomaster S1 ist ein flinker Roboter, mit dem wir Rennen fahren oder gegen andere Robomaster im Duell antreten können. Das macht einen Riesenspaß und ist auch ein guter Einstieg ins Programmieren.

DJI Robomaster S1 - Test Video aufrufen
Radeon RX 5600 XT im Test: AMDs Schneller als erwartet-Grafikkarte
Radeon RX 5600 XT im Test
AMDs "Schneller als erwartet"-Grafikkarte

Für 300 Euro ist die Radeon RX 5600 XT interessant - trotz Konkurrenz durch Nvidia und AMD selbst. Wie sehr die Navi-Grafikkarte empfehlenswert ist, hängt davon ab, ob Nutzer sich einen Flash-Vorgang zutrauen.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Grafikkarte AMD bringt RX 5600 XT im Januar
  2. Grafikkarte Radeon RX 5600 XT hat 2.304 Shader und 6 GByte Speicher
  3. Radeon RX 5500 XT (8GB) im Test Selbst mehr Speicher hilft AMD nicht

Lovot im Hands-on: Knuddeliger geht ein Roboter kaum
Lovot im Hands-on
Knuddeliger geht ein Roboter kaum

CES 2020 Lovot ist ein Kofferwort aus Love und Robot: Der knuffige japanische Roboter soll positive Emotionen auslösen - und tut das auch. Selten haben wir so oft "Ohhhhhhh!" gehört.
Ein Hands on von Tobias Költzsch

  1. Orcam Hear Die Audiobrille für Hörgeschädigte
  2. Schräges von der CES 2020 Die Connected-Kartoffel
  3. Viola angeschaut Cherry präsentiert preiswerten mechanischen Switch

Arbeit: Warum anderswo mehr Frauen IT-Berufe ergreifen
Arbeit
Warum anderswo mehr Frauen IT-Berufe ergreifen

In Deutschland ist die Zahl der Frauen in IT-Studiengängen und -Berufen viel niedriger als die der Männer. Doch in anderen Ländern sieht es ganz anders aus, etwa im arabischen Raum. Warum?
Von Valerie Lux

  1. Arbeit Was IT-Recruiting von der Bundesliga lernen kann
  2. Arbeit Wer ein Helfersyndrom hat, ist im IT-Support richtig
  3. Bewerber für IT-Jobs Unzureichend qualifiziert, zu wenig erfahren oder zu teuer

    •  /