Spieletest: Metal Gear Solid 4 - schleichender Senior

Deswegen spielt es auch keine größere Rolle, dass er bei jeder sich bietenden Gelegenheit Zigaretten qualmt, was die Kämpferlunge hergibt – mit dem aktuellen Teil 4 soll die Reihe ihren Abschluss finden. Darin kämpft sich der Spieler in Stealth-Manier durch packend aufgebaute Missionen, weicht in Herzklopfeinsätzen ganzen Hundertschaften von Gegnern aus, erledigt feindliche Wachen auf möglichst leise Art und plant mit Hilfe von High- wie Lowtech-Gadgets das Erreichen der Missionsziele. Wer es krachen lassen will, kann das allerdings auch: Metal Gear Solid 4 lässt sich theoretisch wie ein Actionspiel spielen, in dem Solid die Feinde einfach umlegt. Allerdings wird das Ganze dann mörderisch schwierig und macht keinen Spaß.

Auf den ersten Blick wirkt die Handlung von Metal Gear Solid 4 wie das, was wir aus Hollywood-Actionfilmen kennen. Auf den zweiten entpuppt sich die Story als typisch japanischer Mix aus unfassbar vielen Einzelteilen. Anfangs scheint es um Liquid Snake zu gehen, den bösen Bruder von Old beziehungsweise Solid, der die Welt unterjochen möchte. Gleichzeitig spielen die Gene der Snake-Familie eine mysteriöse Rolle, ebenso wie die Nanoteilchen im Blut quasi aller Beteiligten. Plus diverse Beziehungen und Frauengeschichten aus früheren Teilen der Serie, wobei man die nicht kennen muss, um der Geschichte folgen zu können.
Ein Großteil der Story wird auf mystisch-epische Weise erzählt, verfügt über doppelte Böden und allerlei Brechungen. Und dann gibt es, ebenfalls typisch für den japanischen Stil, auch mal ganz ordinäre Running Gags über einen jungen Soldaten, der sich vor Angst immer wieder in die Hose macht. Immerhin: Die Haupthandlung wird in teils sehr langen, aufwendig animierten und spannenden Zwischensequenzen mit Stil und Anspruch erzählt, die tatsächlich motivieren, sich durch die Missionen zu kämpfen.
Sein zweites neues Hilfsmittel ist der neue Anzug: Der passt sich wie ein Chamäleon dem Untergrund an, auf dem Snake liegt. Das sorgt zwar bei entsprechenden Texturen auch mal dafür, dass der Held wie ein Designer-Handtäschchen aussieht, tarnt aber zuverlässig. Es gibt nach kurzer Spielzeit kaum ein angenehmeres Geräusch als das leise Pfeifen, mit dem sich die Hightech-Garderobe in brenzligen Situationen an den Boden anpasst und Snake unsichtbarer macht.
Deutlich wertvoller sind neue Fähigkeiten, die Snake erlernt hat. Mit einem Druck auf die Dreieckstaste kann er sich beispielsweise tot stellen. Darauf fällt nicht jeder misstrauische Wachmann rein, aber gelegentlich rettet es dem Spieler das virtuelle Leben. Außerdem kann sich Snake, wenn er auf dem Boden liegend entdeckt wird, auf den Rücken drehen und Angreifer sofort ins Visier nehmen. Was Snake immer noch nicht kann: etwas höhere Hindernisse selbstständig überwinden. Das geht nur, wenn es in den Levelaufbau passt, an speziellen Stellen mit Hilfe eines eigenen Gamepad-Knopfs, der dann eingeblendet wird.
Ärgerlich: In den meisten Levels schickt das Programm unbegrenzt Truppennachschub an die Front, die sich zudem an logisch unmöglichen Orten materialisieren. Es kann sogar passieren, dass Snake mit dem Rücken zu einer Sackgasse vermeintlich in Sicherheit liegt, und dann plötzlich ein Feind hinter ihm steht und Alarm auslöst.
Metal Gear Solid 4 erscheint exklusiv auf der Playstation 3 und kostet rund 60 Euro. Das Programm erscheint hierzulande mit englischer Sprachausgabe und Untertiteln sowie deutschen Bildschirmtexten, etwa in Menüs. Während die Sprachausgabe erstklassig ist, hat Konami bei den Untertiteln geschlampt. Es gibt immer wieder grammatikalisch holprige Sätze, die den Sinn des Gesprochenen nur unzureichend wiedergeben. Die Multiplayer-Eigenschaften der PS3 unterstützt das Spiel mit einem Onlinemodus, in dem bis zu 16 Spieler in Deathmatch oder Team-Deathmatch antreten dürfen. Das Programm hat von der USK keine Jugendfreigabe erhalten und ist nur für Erwachsene geeignet.
Fazit:
Was für ein Finale! Metal Gear Solid 4 liefert genau das, was diese grandiose, richtungweisende Serie verdient hat. Eine packende Handlung, die viele lose Enden früherer Spiele auflöst und trotzdem auch für Einsteiger jederzeit verständlich ist. Und Missionen, die sich dank neuer Ideen frisch spielen, aber trotzdem die nervenzerfetzende Spannung alter Tage wieder aufleben lassen. Es gibt wenig bessere Spielmomenten als die, wenn Snake durch schwer bewachtes Gebiet endlich dem Missionsziel entgegenkrabbelt. Ein Highlight ist die Grafik: Die PS3 hat schon spektakulärere Effekte gesehen, aber alles ist stimmig und wirkt glaubwürdig.
Wirkliche Schwachpunkte hat das Programm kaum. Die Respawn-Gegner gehören ganz oben auf die Negativliste – keine Ahnung, was sich die Entwickler dabei gedacht haben. Ebenso nervt gelegentlich, dass Speicherpunkte knapp gesät sind. Zwischendurch eine flotte Runde MGS 4 geht nicht, auch wegen der langen Zwischensequenzen ist das Spiel ein abendfüllendes Vergnügen. Abgesehen davon schleicht Snake durch den bislang spannendsten Stealth-Shooter der Konsolenspielegeschichte.
| |
| Video: Metal Gear Solid 4 – Spielszenen in 720p – benötigt Flash 9 (2:13) |