Zweifel an Unabhängigkeit von Studie zu Handystrahlung
Das Deutsche Mobilfunkforschungsprogramm wurde jeweils mit 8,5 Millionen Euro vom Bundesumweltministerium und den Betreibern der Mobilfunknetze finanziert. Eine Tumorgefahr durch das Telefonieren mit dem Handy lasse sich nicht nachweisen, so das Ergebnis . Forschungsbedarf bestehe aber weiter zu Risiken für Nutzungszeiten von mehr als zehn Jahren und bei Kindern, die möglicherweise empfindlicher auf Handystrahlung reagieren als Erwachsene.
Die großen Unterschiede zwischen den Wirkungen auf Kinder und Erwachsene fänden bisher weder in den Messvorschriften noch in den daraus abgeleiteten Schutzempfehlungen Berücksichtigung, wendet Bernd Rainer Müller, Mobilfunkexperte des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), ein: "Solange es keine kindgerechten Schutzstandards für die Nutzung von Mobiltelefonen gibt, fordern wir deshalb für Kinder ein Verbot der Nutzung von Handys."
Ein erster Schritt zu mehr Fakten und weniger Hysterie sei durch den heutigen "positiven Bericht" gemacht worden, räumte Horst Meierhofer, Strahlenschutzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, ein. Dennoch warnte er: "Die weitere Forschung darf nicht zu einer Art Ablasshandel und Dauersubventionierung für Forschungsinstitute durch die Mobilfunkbranche verkommen." Meierhofer sprach sich für eine Beteiligung des Bundes bei der Erforschung von Mobilfunkrisiken für Kinder und Jugendliche aus. Gabriel will die Forschung zwar fortsetzen, die Mittel aber auf jährlich 500.000 Euro zusammenstreichen.
Die Beteiligung der Mobilfunkindustrie an dem Forschungsprogramm sei ein Fehler, wandte Lutz Heilmann, der naturschutzpolitische Sprecher der Linksfraktion, ein. "Hier wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Unabhängige Forschungen belegen seit Jahren, dass große Gefahren von der Funktechnik ausgehen." Die Forschung zu den Gesundheitsgefahren der Mobilfunkstrahlung müsse weitergehen und die Grenzwerte gesenkt werden, forderte Heilmann.
Eine Weiterführung des DMF durch unabhängige Wissenschaftler und Ärzte sei daher zwingend. Nötig seien auch schärfere Grenzwerte, sendefreie Zonen in und um Krankenhäuser, Schulen, Kindergärten und Altenheimen sowie strengere Genehmigungsverfahren für Mobilfunkanlagen.