Bunte und fröhliche Rundentaktik für Konsolenspieler unter die Lupe genommen. Sid Meier hat es geschafft: Das erste speziell für Konsolen entwickelte Civilization ist erhältlich und verspricht neben bunter Grafik und Gamepad-kompatibler Steuerung auch taktische Tiefe und den typischen Suchtfaktor der Serie. Golem.de hat am Tag der Veröffentlichung für eine Stunde die Verkaufsversion angespielt.
Gleich nach dem Start begrüßt uns ein gerenderter Caesar im Intro - darunter macht es auch Civilization Revolution nicht. Wie gewohnt in der legendären Reihe von Sid Meier managen Spieler auch auf Xbox 360 und Playstation ihr Völkchen von der frühen Antike bis ins Weltraumzeitalter. Nur: Funktioniert das auch auf Konsole, mit Gamepad und in Bunt? Im Hauptmenü wählen wir wacker Einzelspieler, und dann die einfachste Schwierigkeitsstufe "Häuptling". Nicht, weil wir uns mehr nicht zutrauen, sondern weil im Handbuch steht, dass wir dort ein interaktives Tutorial finden, das Steuerung und die ersten Züge erläutert.
Zuerst müssen wir uns aber für eine Spielfigur entscheiden. 16 sind im Angebot, allesamt historische Persönlichkeiten der Topkategorie wie Napoleon, Kleopatra oder Gandhi. Wir entscheiden uns für Katharina die Große aus Russland, und befinden uns wenig später im eigentlichen Spiel. Für die Tutorial-Erklärungen schiebt sich fortan immer wieder eine professoral aussehende Comicfigur ins Bild, die, wie alle derartigen Charaktere im Spiel, unverständlich brabbelt, während die Informationen auf Deutsch als Text eingeblendet werden.
Ist das hinter der Tutorialfigur wirklich Civ - und nicht aus irgendeinem obskuren Versehen Die Siedler ? So bunt wie Revolution war noch kein Titel der Civilization-Reihe. Die 3D-Landschaft strahlt in saftigem Grün, Bäumchen stehen herum, am azurblauen Ufer schwappt fröhlich das Meer. Rasch bestätigen wir mit der Y-Taste - wir spielen die Xbox-360-Version - noch die Gründung von Moskau, dann materialisiert sich ein dreiköpfiger Krieger-Kampfverband. Und wir machen uns mit der Steuerung vertraut: Wenn wir am rechten Gamepad-Stick rühren, fliegt eine große Lupe über die Landschaft. Wir können das Vergrößerungsglas frei bewegen, und wenn sich darunter eine Stadt, Einheiten oder sonst etwas Relevantes befindet, liefert das Menü am Bildschirmrand weitere Infos. Vorerst allerdings stoßen wir nach wenigen Feldern auf Nebel, weil wir das Gebiet noch nicht erkundet haben.
Jetzt kümmern wir uns aber um unsere Krieger, die übrigens mit ihren dicken Krummsäbeln, den Sandalen und dem römischen Gewand eher putzig aussehen. Mit dem linken Stick bewegen wir die grüne Markierung ein Feld neben sie, und bestätigen dann. Sofort zieht das Trio los. Wenn wir die Markierung weiter weg bewegen, wird sie gelb und das heißt: Bis unsere Soldaten dort angekommen sind, vergehen mehrere Runden. Rote Kreuze bedeuten, dass wir dort nicht hinkönnen, etwa ins Wasser oder auf sehr hohe Berge. Jetzt ist die erste Runde beendet, wir schließen sie mit einem Druck auf B ab und lassen den Computer seinen Zug machen.
Unsere Krieger gehen noch ein paar Felder weiter, dann schiebt sich ein furchterregender Geselle mit langen wilden Haaren und Tarnfarbe im Gesicht vor unseren Tutorial-Professor und schwingt die Keule: Wir sind dem barbarischen Recken von Brennos, dem Mächtigen, begegnet, und der freut sich überhaupt nicht. Krieg! Wir dürfen ziehen, schieben die Markierung über Brennos Männer und am Bildschirmrand zeigt eine dicke Zahl bei uns "2", beim Gegner aber nur "0,65" - das sollte gelingen. Wir greifen an, das Bild zoomt ans Kampfgeschehen und wir sehen, wie sich die Einheiten ein eher witziges denn wüstes Schwertgemetzel liefern, und die Einheiten von Brenno nach und nach mit leichtem Aufleuchten verschwinden. Hurra, gewonnen, und das Dorf des Gegners gehört uns auch!
Nach einigen weiteren kurzen Schlachten verlassen wir die Tutorial-Insel und starten eine neue Kampagne. Diesmal wählen wir Bismarck als unser Alter Ego und gründen Berlin. Wieder schicken wir Krieger in alle Richtungen los, allerdings stoßen diese nicht nur auf größenwahnsinnige Barbaren, sondern auf starke Gegner: Ein paar Felder von uns residiert Caesar in Rom. Allerdings ist der Herr Imperator gut gelaunt und bietet uns per Multiple-Choice-Diplomatiemenü eine friedliche Koexistenz an. Wir wollen zwar im Verlauf der Kampagne auch seine Stadt unterjochen, lassen uns aber vorerst auf die Offerte ein. Zumal ein anderer Trupp unserer Krieger im Südwesten auf Madrid gestoßen ist, und wir keinen Zweifrontenkrieg wollen.
Im weiteren Spielverlauf bauen wir Berlin mit Sehenswürdigkeiten und Gebäuden aus, die dann Auswirkungen auf Kampfmoral, Stärke oder Bevölkerungswachstum haben. Wir produzieren weitere Einheiten und expandieren. Wenig später errichten wir eine weitere Stadt, die wir übrigens München nennen. Das Menü schlägt ein paar deutsche Ortsnamen vor oder wir denken uns selbst was aus.
Eine große Rolle in Civilization Revolution spielen Berater und die anderen Figuren, die sich ähnlich wie der Professor oder Brenno im Vordergrund des Monitors aufhalten. Teilweise geben sich die historischen Persönlichkeiten die Klinke in die Hand: Caesar will uns Kenntnisse über die Reiterei verkaufen, Mao will Frieden, Kleopatra den Krieg und Abraham Lincoln irgendetwas anderes. Dazu kommen noch Berater, die uns auf eine frisch erlernte Fertigkeit, ein Geschenk eines anderen Herrschers oder ein fertiggestelltes Bauwerk hinweisen. Dabei sorgen die Figuren mit ihren flüssigen, abwechslungsreichen und teils lustigen Animationen - einer zieht sich etwa mit Mühe am unteren Bildschirmrand empor - für Lacher und gute Laune.
Die Stunde ist um, jetzt wird es spannend: Legen wir den Controller freiwillig aus der Hand, oder sind wir jetzt auch an der Konsole ein Opfer der berühmt-berüchtigten Civ-Sucht? Wir schieben die Frage ein paar Minuten auf. Und spielen kurz weiter, nur noch eine Runde.
Civilization Revolution macht anfangs tatsächlich richtig Spaß, denn die Steuerung geht erstklassig von der Hand, das Spiel wirkt extrem durchdacht. Ein bisschen zu kämpfen hatten wir lediglich damit, die Übersicht über die Karte zu behalten, weil sich die Umgebungen optisch alle sehr ähneln. Ob das auch langfristig ein Problem ist, und wie es mit der taktischen Tiefe sowie der Intelligenz der Computergegner aussieht, verrät der Golem.de-Test in ein paar Tagen.
In der Rubrik "60 Minuten" nehmen wir aktuelle Titel direkt nach der Veröffentlichung in der offiziellen Verkaufsversion für eine Stunde unter die Lupe - Auspacken und Installieren nicht eingerechnet. Einen Test kann dieser erste Eindruck nicht ersetzen, er gibt aber Aufschluss darüber, was die Spieler nach dem Start erwartet.
Video: Civilization Revolution - Szenen aus den ersten 60 Minuten in HD - erfordert Flash 9 (1:54)