Computerattacken gegen US-Abgeordneten
In insgesamt vier Computer in seinem Büro seien Angreifer eingedrungen, sagte(öffnet im neuen Fenster) Frank Wolf, republikanischer Abgeordneter aus dem US-Bundesstaat Virginia, vor dem US-Repräsentantenhaus. Dort hätten sie Zugang zu Unterlagen unter anderem über seine Arbeit mit politischen Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten auf der ganzen Welt sowie zu E-Mails und Briefen gehabt, sagte Wolf. Außerdem hätten die Angreifer einen Einblick in die Sicherungsmechanismen der Computer bekommen. Neben ihm seien weitere Abgeordnete und ein Ausschuss des Repräsentantenhauses Opfer der Angriffe geworden, die bereits im August 2006 stattfanden.
Wolf machte Cracker aus China verantwortlich. Ermittler des FBI hätten die Angriffe dorthin zurückfolgen können. "Ich habe den Verdacht, dass ich von Chinesen aufs Korn genommen wurde, weil ich seit langem meine Meinung über die miserable Menschenrechtslage in China kundtue" , so der Abgeordnete.
Die USA beschuldigen China seit längerem, Computersysteme in den USA auszuspionieren. Das Pentagon machte beispielsweise im Juni 2007 für Angriffe auf seine Computer das chinesische Militär verantwortlich. Auch Rechner deutscher Regierungsstellen sollen seinerzeit mit Spionagesoftware aus China infiziert worden sein. Im Dezember 2007 soll während eines China-Besuches Spyware auf die Computer von US-Handelsminister Carlos Gutierrez und seiner Delegationsmitglieder eingeschleust worden sein.
Wolf hatte kürzlich Gelegenheit, den als geheim eingestuften Bericht der US-China Economic and Security Review Commission aus dem Jahr 2007 einzusehen, der sich mit Chinas Spionageaktivitäten, Cyberkrieg und Waffenlieferungen beschäftige. Das Fazit der Emittler sei "alarmierend" , sagte er, nannte aber keine Details.
Eine aktuelle Studie macht China für knapp 17 Prozent der Internetangriffe verantwortlich. Die USA selbst landeten mit rund 14 Prozent auf Platz zwei der Rangliste. Unklar ist jedoch, ob hinter den Computerattacken aus China Privatleute oder tatsächlich Cyberkrieger des Geheimdienstes oder des Militärs stecken.
In seiner Rede forderte Wolf einen besseren Schutz von Computern und mobilen Geräten sowie eine öffentliche Diskussion über die digitale Bedrohung, obwohl er nach eigenen Angaben aufgefordert wurde, die Anfällgikeit von US-Computersystemen nicht anzusprechen. Die Gegner wüssten bereits um diese Anfälligkeit. Vorzugeben, nicht anfällig zu sein, sei deshalb ein Fehler. "Massive und koordinierte Cyberattacken gegen die Vereinigten Staaten sind keine Fiktion mehr. Wir müssen uns rüsten und Verfahren entwickeln, um auf diese Bedrohung zu antworten."
Einen Vorschlag dazu unterbreitete kürzlich ein Oberst der US-Luftwaffe: Er forderte als Abschreckung den Aufbau eines Botnetzes, um die Möglichkeit zu haben, im Notfall gegnerische Kommunikationssysteme lahmzulegen.