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Interview: Chris Taylor über Space Siege und Weinen am PC

Spieldesigner spricht über Emotionen und technischen Fortschritt. Spieldesigner Chris Taylor (u.a. Total Annihilation, Dungeon Siege) hat sich mit Golem.de über sein neues Spiel Space Siege unterhalten. Und nebenbei erklärt, dass Weinen am PC in Ordnung ist und warum er den PC für die Spieleplattform der Zukunft hält.
/ Peter Steinlechner
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Golem.de: Was genau ist deine Aufgabe bei der Entwicklung von Space Siege ?

Chris Taylor: Bei Space Siege bin ich sowas wie der Creative Director, vor allem am Anfang der Entwicklung war das so. Da habe ich die Handlung entworfen, mir das mit den kybernetischen Modifikationen ausgedacht, und überhaupt, dass wir diese Art von Rollenspiel im Weltraum ansiedeln. Während der Entwicklung war ich oft bei den Meetings mit dabei, aber im letzten halben Jahr bin ich wieder verstärkt im Team und helfe mit, Space Siege fertigzustellen.

Golem.de: Worauf bist du bei Space Siege besonders stolz?

Taylor: Ganz klar die Story, und eben die moralischen Dilemmata, die Entscheidungen, vor die wir den Spieler stellen.

 
Audio: Weinen am PC – Space Siege kommt (3:11)

Golem.de: Was hat es mit diesen moralischen Dilemmata auf sich?

Taylor: Der Spieler muss sich entscheiden, ob er seine Menschlichkeit behalten oder sich fast komplett zum Roboter entwickeln möchte.

Golem.de: Diese Art von Entscheidungen ist ja derzeit schwer angesagt in Spielen. Warum?

Taylor: Es macht die Spiele spannender und emotionaler. Das ist besser, als nur durch die Gegend zu laufen, Gegner umzulegen und sich über schicke Grafiken zu freuen.

Golem.de: Wie wichtig findest du Emotionen in Spielen?

Taylor: Jahrelang haben uns Spiele wütend gemacht, erschreckt oder erfreut. Jetzt wird es Zeit, dass wir beim Spielen mehr Lachen und Weinen.

Golem.de: Glaubst du wirklich, dass typische Hardcorespieler darauf warten, endlich vor ihrem Rechner sitzen und weinen zu dürfen?

Taylor: Ich fände es schon cool, wenn sie das ab und zu tun würden. Es geht ja nicht darum, dass sie den ganzen Tag heulen, aber ab und zu schon. Das wäre schon sehr in Ordnung.

Golem.de: Führt das nicht schnell dazu, dass Liebeskitsch à la Hollywoodfilme in Spiele Einzug hält?

Taylor: Ein bisschen fände ich okay. Außerdem muss ja nicht jeder gleich weinen, wenn es in solchen Filmen mal kitschig wird. Aber wer es mag, sich gehen zu lassen – warum nicht?

Golem.de: Multiplayer spielt keine große Rolle in Space Siege. Warum eigentlich nicht?

Taylor: Der Markt polarisiert sich. Entweder du hast ein richtiges Onlinerollenspiel, oder eben einen Singleplayertitel. Bioshock oder Mass Effect etwa hatte auch keinen Multiplayer-Modus. Wir haben immerhin den Koop-Modus, der richtig gut wird.

Golem.de: Space Siege erscheint auf PC. Was hältst du vom PC als Spieleplattform?

Taylor: Dass Space Siege auf dem PC erscheint, hat sich eigentlich einfach so ergeben. Der PC als Spieleplattform hat ein Problem, etwa die Piraterie. Trotzdem ist es die Plattform der Zukunft, sobald die Sache mit der digitalen Distribution und dem Rechtemanagement geklärt ist. In 20 Jahren wird der PC der absolute Gewinner sein. Weil es die Plattform ist, auf die wirklich jeder Mensch in der Welt Zugriff hat. Konsolen werden es schwer haben. Sie sind ganz schön kostenintensiv, wegen der Gebühren der Hersteller, und weil es für die Kunden so umständlich ist, all die Systeme zu besitzen. Bei mir zu Hause stehen drei Next-Generation-Konsolen unter dem Fernseher.

Golem.de: Gibt es eigentlich technische Entwicklungen, die demnächst Einfluss auf das Design von Spielen haben?

Taylor: Ich habe neulich ein paar tolle neue grafische Visualisierungsmethoden bei Nvidia gesehen, die ich sehr spannend finde. Aber insgesamt verlangsamt sich der technische Fortschritt. Klar wird es immer größere Festplatten, mehr Speicher und schnellere Computer- und Grafikchips geben. Aber eigentlich habe ich davon genug. Wir können uns jetzt darauf konzentrieren, gute Handlungen und Charaktere zu entwickeln.


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