iPhone 2.0 bringt Ernst und Spaß aufs Apple-Handy
Mit der Firmware 2.0 für das iPhone und für den iPod touch entwächst nicht nur das dazugehörige SDK den Kinderschuhen. Auch Unternehmensanwendungen und neue Funktionen für Endkunden kommen auf den Markt. Dass die iPhone-Firmware 2.0 Microsoft Exchange unterstützt, war schon vorher bekannt. E-Mails im Push-Verfahren, Gruppenkalender und ein Zugriff aufs Firmenadressbuch sind nur einige der neuen Funktionen, mit denen Apple Unternehmenskunden begeistern will.
Die APIs, mit denen das iPhone angesprochen werden kann, nennen sich getrennt nach ihren Funktionsbereichen Cocoa Touch, Media und Core Services. Das Handy-Betriebssystem CoreOS verwendet den gleichen Kernel wie MacOS X. Das iPhone-Betriebssystem bietet Dienste wie Bonjour und SQLite sowie eine einfache OpenGL-Schnittstelle an.
Applikationen, die im Hintergrund laufen, lässt Apple noch immer nicht zu: dies wirke sich negativ auf die Akkulaufzeit aus. Alternativ will Apple ein Nachrichtensystem anbieten, das Applikationen, die nicht laufen, Informationen zukommen lassen kann. Abgewickelt wird dies serverseitig, das bedeutet, dass die Entwickler ihre Nachrichten über Apples Server auf das iPhone schicken, das so nur eine Verbindung offen halten muss.
Vor September 2008 wird dieses System aber nicht zur Verfügung stehen. In Sachen Instant-Messaging behält Apple beispielsweise weiterhin die Kontrolle, denn kaum ein Nutzer wird seinen IM-Client konstant im Vordergrund laufen lassen.
In einer Demonstration, bei der die einfache Erstellung eines Benutzerinterfaces mit Cocoa Touch gezeigt wurde, konnte in rund 10 Minuten eine Anwendung erstellt werden, die auf einer Karte die Wohnorte der Kontaktpersonen innerhalb eines Radius von rund 15 Kilometern anzeigt. Die Adressen stammten dabei aus dem iPhone-Adressverzeichnis. Die Anwendungen können wie bei SDKs üblich in einem iPhone-Simulator getestet und auf die Hardware übertragen werden.
Doch nicht nur ernste Anwendungen, auch Spiele wird es für das iPhone geben. Sega stellt auf dem WWDC beispielsweise Super Monkey Ball vor, das die Neigungssensoren des Gerätes zur Spielsteuerung nutzt. Die Software müssen die Entwickler und Softwarestudios über iTunes im neu eröffneten App Store vertreiben. Ob sie dafür Geld verlangen oder die Software verschenken, bleibt ihnen allerdings überlassen.
Entwickler können die Preise für ihre Anwendungen selbst festlegen und erhalten 70 Prozent des Umsatzes als Beteiligung. Die kopiergeschützten Applikationen können über WLAN, iTunes oder EDGE heruntergeladen werden: Sind sie größer als 10 MByte, ist der Weg über iTunes oder WLAN allerdings vorgeschrieben. Firmen können einen eingeschränkten Kreis von iPhones registrieren und ihre Software so direkt intern verteilen. Ähnliches gilt für Entwickler, die Testversionen verteilen wollen. Sie verschicken maximal 100 Versionen an ihre Testerschar, die diese direkt installieren kann.
Das Sega-Spiel wird zum Beispiel rund 10 US-Dollar kosten. Pangea bringt gleich zwei iPhone-Games: Das Geschicklichkeitsspiel Enigmo sowie die Rennsimulation Cro-Mag Rally nutzen die Beschleunigungssensoren des Handys.
EBay zeigte mit "Auctions" auf dem WWDC eine vereinfachte Oberfläche seines Angebotes. Loopt vermischt ortsbasierte Dienste und Social-Networking und zeigt die Position der Kontaktpersonen auf einer Karte sowie die von ihnen heraufgeladenen Fotos. Die Nachrichtenagentur AP stellte eine ebenfalls ortsbezogene Nachrichtenanwendung für das iPhone vor. Wer sich am Ort des Geschehens befindet, kann selbst Fotos und Texte einschicken. Mit "Band" wurde eine Musiksoftware gezeigt, die Schlagzeug, Bass, Klavier und diverse andere Instrumente simuliert.
Eine etwas ernstere Anwendung ist die Lernsoftware Modality, mit der Medizinstudenten den Anatomieatlas in einer interaktiven Form anschauen können. MIMvista zeigte einen Bildbetrachter für medizinische Daten beispielsweise aus einem CT.
Die Firmware iPhone 2.0 soll erst Anfang Juli 2008 erscheinen – für iPhone-Besitzer ist sie kostenlos, für den iPod touch kostet sie rund 10 US-Dollar.



