Ego-Shooter schickt Spieler in die Savanne. Jede Wette, dass Ubisoft mit dem Ego-Shooter Far Cry 2 2008 noch für Diskussionen und Schlagzeilen sorgt. Das Actionspiel für Windows-PC, Xbox 360 und Playstation 3 versetzt Spieler auf den afrikanischen Kontinent, wo sie mit Schrotflinte und Flammenwerfer einen zwar politisch korrekten, aber nicht ganz geschmackssicheren Ein-Mann-Krieg beginnen. Golem.de hat sich das Programm bei den Ubidays in Paris live angeschaut.
Die Sonne brennt gnadenlos. Knietief stehen wir im ausgedörrten Gras und beobachten mit dem Fernrohr, was sich zwischen den heruntergekommen Strohhütten unterhalb unserer Anhöhe abspielt. Ein paar zerlumpte Wachen mit Maschinenpistolen sind unterwegs, Schwarze wie Weiße, aber von hier oben ist sonst nicht viel zu erkennen. Vorsichtig schleichen wir uns an die Siedlung heran, schneiden ein Loch in den Maschendrahtzaun, robben näher und sammeln für die Zerstörung der Pipeline Informationen, die im Ego-Shooter Far Cry 2 automatisch in die Automap-Karte des Einsatzgebietes eingetragen werden.
Ein paar Minuten später steht der Einsatzplan. Eigentlich würden wir lieber bei Nacht kämpfen – Far Cry 2 wechselt die Tageszeiten dynamisch. Aber noch ist Mittag und die Zeit drängt. Also schleichen wir uns an die Ostseite der Siedlung und nutzen ein weiteres Feature des Spiels: den simulierten Wind. Wir holen noch mal tief Luft, schleudern dann Molotow-Cocktails in Richtung der Siedlung – und sehen zu, wie in der friedlichen Savanne die Hölle losbricht! Blitzschnell breitet sich das Feuer aus, sofort stehen ein paar Hütten in Flammen. Brennende Gegner laufen schreiend durch das Dorf, während wir so schnell, aber auch so unauffällig wie möglich versuchen, ein paar Meter weiter auf einem jetzt unbewachten Weg in die Wellblechhütte in der Dorfmitte zu gelangen. Dort verschanzen wir uns und schicken aus der Deckung heraus in einem wilden Feuergefecht einen Angreifer nach dem anderen ins Jenseits.
In Far Cry 2 kämpft sich der Spieler als Söldner durch Missionen, in denen er fast nie vorgegebenen Pfaden folgt, sondern eigene Entscheidungen trifft und nachdenken muss, wie er seine Ziele erreicht. Mit viel Geduld und einem Scharfschützengewehr aus der Distanz – oder indem er mit dem Truck frontal in ein Dorf kracht und per Flammenwerfer alles niederbrennt? Die Rahmenhandlung: Der Spieler soll einem geheimnisvollen Typen auf die Schliche kommen und den ausschalten, den alle nur "Schakal" nennen, und der gnadenlos die Konflikte zwischen zwei verfeindeten Warlords schürt. Um was es ihm geht – Öl, Geld oder sonst ein schmutziges Geschäft – ist anfangs unklar. Um zumindest ein Stück Linearität in die Story zu bringen, ist das Spielgebiet in zwei Hälften geteilt. Ähnlich wie in GTA 4 wird der Zugang zu allen Orten erst später im Spiel freigeschaltet.
Eigentliches Highlight von Far Cry 2 sind die Landschaften. Rote Lehmpisten ziehen sich über die Hügel, dank der hauseigenen Dunia-Engine gibt es spektakulär aussehende Wasserfälle, riesige Eisenbahnbrücken und schattige Täler. Und allerlei Tiere, etwa Antilopen oder Zebras, die vor allem in der Nähe von Wasserstellen anzutreffen sind. Der Spieler ist mit Vehikeln unterwegs und brettert beispielsweise mit kleinen Buggys übers Gelände, schippert im Boot einen Fluss entlang, oder lässt sich wie im Vorgänger mit dem Paraglider durch die Luft tragen. Auch die Animationen und vor allem die Feuer-Effekte sind eindrucksvoll – so echt sehen Flammen bislang in keinem Spiel aus.
Eine weitere Besonderheit ist das "Buddy-System". Diese Buddys sind computergesteuerte Kumpel der Spielfigur, die sich allerdings mehr oder weniger stark mit den Chefs der Gangsterbanden verbündet haben. Wer für die anderen Söldner ein paar Gefälligkeiten erledigt – und sie nicht einfach erschießt, was möglich ist -, dem helfen sie, wenn er ein paar Kugeln zu viel einstecken musste, als eine Art KI-Mediziner.
Während der Ubidays in Paris hat Far Cry 2 für lebhafte Diskussionen gesorgt. Eigentlich ist das Programm, soweit sich das bislang beurteilen lässt, politisch korrekt – letztlich kämpft der Protagonist für das Gute und die Menschlichkeit. Allerdings könnten es auch erwachsene Spieler angesichts der vergleichsweise realistischen Grafik befremdlich finden, arme Dörfer auf teils brutale Art zu überfallen, alles niederzubrennen und haufenweise schäbig aussehende 3D-Schwarze über den Haufen zu schießen. Wie schlimm das tatsächlich ist, kann jeder Spieler gegen Ende 2008 beurteilen, wenn das Programm auf Xbox 360, Playstation 3 und PC erscheint.