Computerspiel soll US-Jugendliche zu mündigen Bürgern machen
Sandra Day O’Connor, pensionierte Richterin des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten, ist beunruhigt. Ein großer Teil amerikanischer Jugendlicher kenne sich besser in der Populärkultur aus als mit dem politischen System der USA. Sie hat deshalb mit Mitgliedern der Arizona State University und der Georgetown Law School das Projekt Our Courts(öffnet im neuen Fenster) ins Leben gerufen. Dessen Ziel ist es, bis zum Jahr 2009 eine "interaktive und problembasierte Onlinelernumgebung für Gemeinschaftskunde" zu entwickeln, um Jugendlichen Kenntnisse zu vermitteln, die sie brauchen, um als mündige Bürger zu handeln.
Jugendliche verbrächten jede Woche etwa 40 Stunden vor dem Fernseher, dem Computer oder anderen elektronischen Medien, sagte O'Connor laut einem Bericht der New York Times(öffnet im neuen Fenster) dieser Tage auf der Konferenz Games For Change(öffnet im neuen Fenster) (G4C). Ihr Ziel sei es, die Schüler dazu zu bringen, "statt Ballerspiele zu spielen einen kleinen Teil dieser Zeit über die Regierung und staatsbürgerliches Engagement nachzudenken" .
Dazu entwickelt Our Courts digitales Lehrmaterial, das die Schüler auf ihre mobilen Geräte oder Computer herunterladen sollen, sowie ein Rollenspiel. Das soll Jugendliche mit dem Justizsystem vertraut machen. Wie in einer realen Verhandlung werden die Spieler verschiedene Rollen einnehmen und argumentieren, beschrieb O'Connor. Das Spiel können gegen Computer gespielt werden, aber auch als Rollenspiel mit anderen Spielern zusammen. O'Connor ist überzeugt, die Jugendlichen auf diese Weise für die juristischen Institutionen des Landes interessieren zu können: "Wir werden unser Wissen über die Freude der jungen Menschen am Argumentieren, am Lösen von Problemen und am Spielen nutzen, um sie an diese Welt heranzuführen."
Der erste Teil werde sich mit dem ersten Zusatzartikel zur US-Verfassung befassen, der die Meinungsfreiheit der Bürger sichert. Dargestellt wird das an einem lebensnahen Beispiel: an einem T-Shirt, dessen Aufdruck als anstößig empfunden wird. In den USA sind bereits mehrfach Schüler wegen Aufdrucken auf ihrer Kleidung bestraft worden. Ein späterer Teil des Spiels solle sich mit dem zweiten Zusatzartikel befassen. Auch dies ist ein brisantes Thema: Der Artikel garantiert das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen. Außerdem plant die Richtern weitere Spiele, in denen Schüler auch die Legislative und die Exekutive kennenlernen.
Richterin O'Cononor arbeitet selbst aktiv an der Entwicklung des Spiels mit: Sie entwerfe das T-Shirt, das Gegenstand der ersten Verhandlung sein wird, bekannte sie auf der Games For Change. Die Konferenz wurde 2004 ins Leben gerufen und bietet Autoren ein Forum, deren Spiele sich mit sozialen und politischen Themen befassen.