Spieletest: Race Driver Grid - ohne DTM, aber mit Zeit
Codemasters hat erfolgreiche Rennspielreihe generalüberholt. Bisher war das Spielejahr 2008 arm an Rennspiel-Highlights. Mit Race Driver Grid bringt Codemasters jetzt einen vielversprechenden Titel des Genres in die Läden, übertrifft die hohen Erwartungen deutlich – und lässt das Element "Zeit" mit ins Cockpit.
Gleich der neue Name mit dem "Grid" macht klar: Bei der Race-Driver-Reihe hat sich einiges getan. Das Kürzel DTM etwa fehlt nicht ohne Grund, denn die offizielle Deutsche Tourenwagenmeisterschaft ist nicht mehr mit dabei. Mehr als ausreichend Spielmodi in Japan, den USA und Europa gibt es aber trotzdem. Anhänger offiziell lizenzierter Events weichen auf die 24 Stunden von Le Mans aus, alle anderen fahren die größtenteils fiktiven Turniere um die Wette. Da beliebte Strecken wie der Nürburgring trotzdem mit dabei sind, sollte das aber nicht allzu sehr stören.
Die Veränderungen gehen aber noch viel weiter: Die zu DTM-Zeiten ebenso kitschigen wie unterhaltsamen Hintergrundgeschichten gehören der Vergangenheit an, der Karrieremodus, der im Zentrum des Spiels steht, kommt deutlich nüchterner daher. Diesmal geht es darum, einen eigenen Rennstall anzuwerben und zum Erfolg zu führen: Wer solo die ersten Siege eingeheimst hat, darf sich auf dem Markt nach passenden Kollegen umsehen und sie anheuern. Je nach Stil können diese früher oder später durchaus zu Konkurrenten werden. Wer schnelle und aggressive Mitarbeiter anwirbt, muss allerdings auch damit rechen, dass sie Fahrfehler begehen. Wirkliche Aufträge können den Rennstallmitgliedern auf der Piste allerdings nicht erteilt werden. Per Boxenfunk melden sie sich zwar immer mal wieder zu Wort, die Auswirkungen auf die eigene Platzierung sind trotzdem begrenzt.
Ergänzt wird der Karrieremodus durch einen rudimentären Management-Teil, in dem der Spieler unter anderem Gespräche mit Sponsoren führt. Je großzügiger die sind, desto höher fallen auch ihre Erwartungen an den Rennerfolg aus. Allzu viel sollte man von diesen Verhandlungen mit potenziellen Teammitgliedern und Geldgebern nicht erwarten, die Tiefe eines echten Rennsport-Managers wird dabei nicht ansatzweise erreicht.
Auch auf den Strecken hat sich einiges getan: Stellenweise entsteht der Eindruck, Codemasters wolle der Need-for-Speed-Reihe von Electronic Arts Konkurrenz machen. So geht es nicht mehr nur um Geld und Ansehen, sondern auch in den unterschiedlichsten Wettbewerben zur Sache. Da warten klassische Platzierungsrennen ebenso auf den virtuellen Pedalero wie Zerstörungsduelle oder Driftwettbewerbe, in denen man – wie bei der Konkurrenz – gekonnt durch Kurven schlittern muss. Dank der feinfühligen Steuerung, die einen guten Mittelweg aus Arcade und Simulation findet, und der äußerst breiten Palette unterstützter Eingabegeräte ist das eine spannende Angelegenheit.
Auf der Strecke bietet Grid kaum Ansätze für Kritik: Die Wagenmodelle sehen traumhaft aus, sie lassen sich dank umfangreicher Schadensmodelle auch Stück für Stück zerlegen. Das geschieht übrigens nicht nur dem eigenen Gefährt, sondern auch der Konkurrenz. Die fährt vor allem in höheren Schwierigkeitsgraden angenehm fordernd, verpasst eben deshalb in der Kurve aber auch mal den perfekten Bremspunkt und verabschiedet sich ins Kiesbett. Insbesondere aus der gelungenen Cockpit-Perspektive ist das Zuschauen da ein ganz besonderes Vergnügen. Eigenes Missgeschick kann übrigens stellenweise wieder ausgeglichen werden: Fast wie in Prince Of Persia kann die Zeit ein paar Sekunden zurückgedreht werden. Wie lange, das hängt vom Schwierigkeitsgrad ab – je höher der ist, desto seltener ist die Option verfügbar. Außerdem gibt es Abzug beim Preisgeld. Damit ist das Extra zwar insgesamt nur begrenzt verfügbar, aber insgesamt durchaus nützlich.
Die Fahrzeuge, vom Ford Mustang über aktuelle BMW bis hin zu den Japan-Importen, sehen extrem schick aus, die Strecken glänzen mit zahllosen bewegten Details, die Motorensounds dröhnen überzeugend aus den Boxen. Das gilt vor allem für die von uns getestete PC-Version, die Umsetzungen für Xbox 360 und Playstation 3 lagen uns leider nicht zum Test vor.
Einzig Rennspielprofis könnte die Einsteigerfreundlichkeit von Grid stören: Die zahlreichen Fahrhilfen lassen sich ab-, fehlende Einstellungs- und Tuning-Optionen aber natürlich nicht einschalten. Codemasters hat sich voll und ganz auf das Geschehen auf der Piste konzentriert; wer eine Simulation sucht, ist hier nur begrenzt gut aufgehoben.
Race Grider Grid kostet auf Xbox 360 und Playstation 3 rund 60 Euro. Die PC-Fassung schlägt mit gut 45 Euro zu Buche. Dort benötigt das Programm Windows XP oder Vista, einen Hauptprozessor mit mindestens 3 GHz, 1 GByte RAM sowie 12,5 GByte Festplattenplatz. Der Titel hat von der USK eine Altersfreigabe von sechs Jahren bekommen.
Fazit: Codemasters hat der Race-Driver-Reihe mit Grid ein deutliches, in fast allen Punkten gelungenes Facelift verpasst. Der Mix aus Action und Fahrkönnen, die Vielfalt von Strecken und Autos, die Traumgrafik und das Schadensmodell: Wer damit leben kann, dass Race Driver einen guten Schritt in Richtung Need For Speed gemacht hat, bekommt hier das bis dato kurzweiligste, schönste und unterhaltsamste Rennspiel 2008 geboten.