Zum Hauptinhalt Zur Navigation

60 Minuten: Mass Effect in der PC-Version

Die ersten Schritte in der PC-Umsetzung des Bioware-Rollenspiels. Ab sofort reisen auch PC-Spieler in die Zukunft: Gut ein halbes Jahr, nachdem die Xbox-360-Version erschienen ist, steht nun auch die PC-Variante in den Läden. Golem.de hat sich in der Verkaufsfassung des Bioware-Rollenspiels für eine Stunde in die Zukunft begeben.
/ Peter Steinlechner
150 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Gut eine halbe Stunde lang dauert es, bis die Daten von den beiden DVDs auf die Festplatte geschaufelt sind, dann kommt der erste spannende Moment: Wie sieht wohl die neue Zwangsonlineregistrierung von Electronic Arts aus? Ziemlich unspektakulär. Man gibt, wie auch sonst üblich, einen individuellen Code von der Handbuchrückseite ein, und – wer dabei wie die Redaktion von Golem.de online ist – merkt und sieht nichts davon. Die Installation ist einfach abgeschlossen, wir legen die DVDs in die Box und starten das Spiel.

Mass Effect – Launch-Trailer auf Englisch
Mass Effect – Launch-Trailer auf Englisch (01:50)

In Mass Effect tritt der Spieler entweder als Commander Shepard mit vom Programm festgelegten Aussehen an, oder mit eigenem Vornamen, als männlicher oder weiblicher Hauptdarsteller mit weitgehend selbstbestimmtem Aussehen. Wir entscheiden uns für Letzteres und lassen rollenspieltypisch mal wieder Augenbrauen schrumpfen, Wangenknochen durch unser Polygongesicht wandern und probieren am Alter Ego diverse Haarfarben aus – die Möglichkeiten in Mass Effect sind groß. Außerdem bestimmen wir, mit welcher Klasse unser individueller Shepard antritt. Sechs sind im Angebot, das vom Krieger (schwer gepanzert und bewaffnet) über den Techniker (schaltet feindliche Waffen oder Schilde aus) bis zum Bioniker (Gedankenkraft) reicht.

Wenig später sehen wir die erste Zwischensequenz und stehen dann im unserem Raumschiff Normandy, das in Richtung des friedlichen Kolonieplaneten Eden Prime unterwegs ist. Wir probieren die Steuerung aus und sind konsterniert, denn toll fühlt die sich nicht an. Zwar funktioniert sie mit der vertrauten Kombination aus "W-A-S-D" für Richtungsbewegungen und der Maus zum Umschauen, allerdings wirkt das Ganze überempfindlich und wackelig – ganz so, wie es oft bei Konsolenumsetzungen der Fall ist. Nervig: Wer eine andere Person anschaut, bekommt zwar die Option "Sprechen" eingeblendet, kann die Unterhaltung aber nicht mit einem linken Mausklick starten, sondern muss seine linke Hand über die Tastatur schieben und auf "Enter" drücken; um einzelne Dialogzeilen zu überspringen, wird die "Leertaste" verwendet.

Wir sprechen mit einigen Crewmitgliedern und erfahren: An Bord der Normandy befindet sich ein gewisser Nihlus, der eine Art außerirdischer Abgesandter der Regierung ist und nebenbei über die Kampfkraft einer kleinen Armee verfügt. Wenig später treffen wir den mysteriösen Alien, der dezent an einen Predator erinnert, und erfahren mehr über die Mission: Auf Eden Prime wurde ein Sender einer alten, vor Urzeiten aus mysteriösen Gründen verschwundenen Rasse gefunden. Die Zivilisationen der bekannten Galaxie erhoffen sich revolutionäre neue Techniken. Deshalb sollen wir das Gerät bergen.

In den Unterhaltungen, auf die wir per Multiple-Choice-Dialog Einfluss nehmen, und in den kurzen Zwischensequenzen offenbart Mass Effect die gleichen Stärken wie auf der Xbox 360: Vom ersten Moment an baut das Programm gnadenlos Spannung auf. Die Dialoge sind perfekt geschrieben, durch erstklassige Sprecher vertont und schick in Szene gesetzt. Es gibt toll animierte, detailreiche Gesichter, gute Schnitte und immer wieder kleine Überraschungen. Schon in den ersten Minuten schafft Bioware, dass wir wissen möchten: Was steckt hinter dem Ganzen, und wie finde ich das heraus?

Dann stehen wir endlich mit zwei Begleitern auf Eden Prime in einer etwas düsteren, rotbraunen Gebirgsgegend. Die Übersichtskarte hilft uns wenig bei der Orientierung, aber der Level lässt eigentlich nur die Fortbewegung in einer Richtung zu, also folgen wir dem Weg. Und stehen wenig später in der ersten Schießerei, in der einer unserer Kameraden in einer Zwischensequenz gleich fällt. Wir haben mit den billigen Drohnen weniger Probleme: Die Dinger sind dick mit roten Umrandungen markiert, ein paar Schüsse ungefähr in ihre Richtung reichen, schon ist das Problem gelöst. Wir marschieren weiter und stoßen auf fiese Überraschungen: Offenbar ist die halbe Galaxie hinter dem Sender her. Unter anderem auch ein Robotervolk, das einst als Arbeitsdrohne begann, sich dann verselbstständigt hat und seitdem eigentlich in einem eigenen Bereich des Universums existiert – Gruß ans Raumschiff Galactica.

Die Steuerung im Kampf wirkt, wie schon auf dem Schiff, überempfindlich, macht aber keine echten Probleme. Unserem Shepard blicken wir dabei über die Schulter und visieren Feinde mit der Maus an, ein linker Klick feuert die jeweilige Waffe ab. An einem großen Felsen dürfen wir später das erste Mal üben, in Deckung zu gehen – einfach hinstellen, der Commander lehnt sich dann selbstständig an den Brocken. Gegner lassen sich weiterhin ins Visier nehmen, mit "S" verlassen wir den Schutz, mit der "Leertaste" sprinten wir – was dank eines Verwischeffekts richtig spektakulär aussieht – und mit "F" heilen wir unsere angeschlagene Gesundheit. Zwischendurch dürfen wir nach Levelaufstiegen außerdem unsere Fähigkeiten, etwa in Sachen Waffenumgang, steigern. Dabei können wir auch die Skills der Begleiter verbessern, oder wir überlassen das einfach dem Programm.

Ein paar Schritte, eine kleine Denksportaufgabe und wenige Feuergefechte später stehen wir dann vor dem Fundort des Senders. Aber, die Überraschung hält sich in Grenzen, das Gerät ist weg. Dafür sehen wir den mysteriösen Nihlus wieder. Aber das ist eine andere Geschichte, der wir im eigentlichen Spieletest folgen.

Unser vorläufiges Fazit: Spannung und Story sind am PC erstklassig. Auch die Grafik wirkt mit ihren feinen Texturen, vielen Spezialeffekten und fast perfekten Animationen toll; die Grafik sieht auf den ersten Blick besser aus als auf Xbox 360, allerdings wird noch stärker mit Glow-Effekten gespielt. Die Steuerung hätten wir uns etwas anders gewünscht, doch angesichts der Stärken des Titels werden wir uns wohl damit abfinden.

In der Rubrik "60 Minuten" nehmen wir aktuelle Titel direkt nach der Veröffentlichung in der offiziellen Verkaufsversion für eine Stunde unter die Lupe – Auspacken und Installieren nicht eingerechnet. Einen Test kann dieser erste Eindruck zwar nicht ersetzen, er gibt aber schon einmal Aufschluss darüber, was die Spieler nach dem Start erwartet.


Relevante Themen