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Wien: Von Linux zu Windows? (Update)

Kindergärten sollen Vista nutzen. Der Wiener Stadtschulrat möchte die Computer der städtischen Kindergärten von Linux auf Windows Vista umstellen. Die Grünen fürchten einen Rückschlag für das Wienux-Projekt. Die Linux-Distribution kommt seit 2005 in der Wiener Verwaltung zum Einsatz.
/ Julius Stiebert
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Am heutigen Mittwoch, dem 4. Juni 2008, berät der Wiener Gemeinderat über den Kauf von Windows-Schullizenzen für das städtische Bildungsnetz. Die eigens entwickelte Linux-Distribution Wienux läuft laut den Wiener Grünen heute auf 1.000 der 32.000 Computer in der Wiener Verwaltung. Dazu gehören auch die pädagogischen Arbeitsplätze in Kindergärten.

Dies könnte sich jetzt ändern, fürchten die Grünen. Auf den Kindergartencomputern soll eine Spracherhebungssoftware eingesetzt werden, die nur mit dem Internet Explorer funktioniert. Die Grünen vermuten, dass der Vista-Kauf bereits beschlossen ist, wie Gemeinderätin Marie Ringler gegenüber der Tageszeitung Standard(öffnet im neuen Fenster) erklärte. Dies sei ein "schwerer Rückschlag für die Linux-Umstellung der Stadt" . Die Lizenzkosten für die 750 Computer betragen über 100.000 Euro, so die Grünen. Nach ihrer Meinung hätte man den Hersteller der Spracherhebungssoftware mit weniger Geld dazu bringen können, sein Produkt schon jetzt für den Firefox-Browser anzupassen. Für das Jahr 2009 ist dies ohnehin geplant.

Schon im Februar 2008 habe die IT-Abteilung der Stadt 7,6 Millionen Euro für Softwarelizenzen beantragt und gleichzeitig verdeutlicht, dass ein Umstieg von Windows 2000 auf Windows Vista geplant sei. Dabei soll laut den Grünen in den kommenden Monaten eine Studie veröffentlicht werden, die die weitere Migration auf freie Software klären soll. Die erste Fassung dieser STOSS-Studie unterstützte bereits den schrittweisen Umstieg auf freie Software. Es bestehe ein Zusammenhang zwischen gestiegener Lobby-Aktivität durch Microsoft und den Plänen, Wienux durch Vista zu ersetzen, sagte Ringler dem Standard.

"Freie Software, freie Standards, offene Systeme – all das ist die Zukunft, sagen unzählige Studien, Länder und die EU. Während München in diesem Bereich zielorientiert und mit den ausreichenden Mitteln vorgeht, ist das Verhalten der Stadt Wien bestenfalls als erratisch zu bezeichnen. Anstatt die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen und Entwicklungen voranzutreiben, werden ein paar Rechner hier und da migriert, nur, um dann in einer Blitzaktion doch wieder auf Windows umgestellt zu werden" , kritisieren die Grünen das Wiener Verhalten in ihrer Mitteilung(öffnet im neuen Fenster) .

In den zwei Jahren und mit den 7,6 Millionen Euro, die für den Vista-Umstieg gebraucht werden, sei es möglich, freie Alternativen zu entwickeln. Damit könnte sich die Stadt langfristig von der Lizenzpolitik eines Konzerns lösen. Statt mit Microsoft solle die Stadt lieber mit einem der über 1.000 Open-Source-Unternehmen in der Region zusammenarbeiten, so die Grünen.

Das Aus für Wienux bedeute eine Rückmigration nicht, so Erwin Gillich, Chef der Wiener IT-Abteilung, gegenüber dem Standard. Es sei aber ein deutlicher Rückschritt.

Nachtrag vom 4. Juni 2008 um 15:25 Uhr:
Der Wiener Gemeinderat hat den Kauf der Vista-Lizenzen beschlossen(öffnet im neuen Fenster) . Durch die Schullizenzen für das gesamte Bildungsnetz entstehen Kosten von "knapp mehr als 400.000 Euro" .


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