Bethesda zeigte Golem.de die ersten Schritte in Fallout 3. Vom Kleinkind zum Superhelden – im kommenden Rollenspiel Fallout 3 ist das wörtlich gemeint, denn Spieler starten als Baby in die postnukleare Welt, die ersten Schritte wagen sie im Alter von neun Monaten. Golem.de hat die neue Version des Titels live in Paris bei den Ubidays gesehen und mit Pete Hines gesprochen, dem Vizechef des Entwicklerteams Bethesda Softworks.
Grelles Licht, nichts ist richtig zu erkennen. Eine Figur beugt sich über die virtuellen Augen des Helden von Fallout 3 und grüßt voller Freude: "Na da ist der Kleine ja, duziduzidu. Wie geht es unserem süßen Schreihals?" Und dann will der stolze Papa wissen, ob gerade ein Junge oder ein Mädchen zur postapokalyptischen Welt gekommen ist. Das gibt dem Spieler die Möglichkeit, sich ein paar Augenblicke zu erholen und seine erste Entscheidung im Spiel zu treffen: nämlich ob er als männlicher oder weiblicher Charakter antritt. Gleich darauf schwenkt der 3D-Papa eine Art Hightech-Kamera übers Kinderbett – mit der Begründung, mal schnell herausfinden zu wollen, wie der Knirps als Erwachsener aussehen wird. Hier bekommt der künftige Heroe endlich Gelegenheit, sein Aussehen zu bestimmen, von der Hautfarbe bis zur Frisur. "Die Gesichtszüge verwenden wir dann leicht verändert und gealtert auch für den Vater, damit wir dem Spieler das Gefühl von echter Familie geben können" , erklärt Pete Hines , Vizechef von Bethesda Softworks.
Diese ersten Szenen von Fallout 3 präsentierte Hines während der Ubidays in Paris. Sein Studio arbeitet derzeit an der Fortsetzung der Fallout-Serie von Interplay, allerdings nicht mehr als 2D-Strategierollenspiel, sondern als 3D-Titel auf Basis der hauseigenen Oblivion-Engine.
Nachdem das Baby eingeschlummert ist, vergehen neun Monate. Anschließend wacht der Spieler wieder auf, darf auf Knopfdruck "Papi" sagen und auf wackligen Beinen so lange herumlaufen, bis er ein Bilderbuch findet. "Das ist die nächste wichtige Stufe der Charaktergenerierung" , erklärt Hines. Auf den Seiten des Werkes befinden sich die Felder, mit denen die Werte für Stärke, Beweglichkeit oder Ausdauer bestimmt werden.
Es gibt noch einige weitere, ähnlich interaktive Kindheitsszenen, bei denen der Spieler andere Figuren kennenlernt, immer wieder seinem Vater begegnet und einen kleinen Teil des unterirdischen Vault 101 erkundet, in dem er abgeschottet vom Rest der radioaktiv verseuchten Welt aufwächst. "Eines Tages ist Daddy dann weg. Die großen Fragen sind dann: Wo ist er? Und was hat er herausgefunden, dass er die Grufthöhle als erster Mensch seit Generationen verlassen hat?" , erklärt Pete Hines den weiteren Verlauf der Handlung.
In finsteren Kellergewölben zeigt Hines dann das Kampfsystem. "Gefechte in Fallout 3 funktionieren auf zwei Arten. Entweder man kämpft wie in einem Shooter aus der Ich- oder Schulterperspektive und in Echtzeit" , sagt er und feuert so lange auf einen Mutanten, bis der zusammenbricht. "Oder man friert das Spiel ein und agiert ähnlich wie in den Vorgängern in einer Art Rundenmodus" . Das System heißt VA.T.S. – Vault-tec Assisted Targeting System und ist eingebaut in den Handgelenk-Supercomputer Pip-Boy-Modell 3000, ein weiteres Überbleibsel der Vorgänger. Hines drückt eine Taste auf dem Kontroller – die Präsentation findet auf der Xbox 360 statt -, und schon ist das Bild eingefroren und von grünen Statusbalken überlagert. Mit ein paar kurzen Befehlen verteilt er die verfügbaren Aktionspunkte. Er bestimmt so, wo sein Charakter gleich auf Kopf, Arme, Beine oder Torso des Gegners zielt. Dann löst er die Aktion aus. In einer selbstständig ablaufenden, durch wechselnde Kameras und schick inszenierte Fahrten animierten Sequenz läuft der Kampf ab und der zweite Mutant zerplatzt auf dem Beton. "Sowohl beim Rollenspiel als auch bei den Kampfelementen haben wir so viel wie möglich von den beiden ersten Fallout übernommen" , erklärt Hines.
Wenig später betritt Hines, eingepackt in eine zentimeterdicke Strahlenschutzrüstung, die Oberwelt: graue Ruinen, Bunkerreste, Schutthalden und leere Verteidigungsgänge. Nur noch langsam und mit lautem Scheppern kommt er voran. Das liegt allerdings nicht am Gewicht der Rüstung, sondern daran, dass er sich zu wenig Beweglichkeitspunkte gegeben hat. Wer das jeweilige Gewichtslimit tatsächlich überschreitet, kann sich nur noch in Zeitlupe von der Stelle bewegen. Abhilfe schaffen unter anderem künstliche Trageverstärker. In der Oberwelt greifen deutlich größere Mutanten an – riesige Biester, die aus der Ferne mit Maschinenpistolen attackieren und aus der Nähe mit gewaltigen Stahlhämmern zuschlagen. Ein sonderlich großes Problem sind die allerdings nicht, denn Hines hat sich die Mini-Atombombenwaffe besorgt. Das Gerät schleudert, ähnlich wie ein Mörser, kleine Nukes aus, die in einem fast niedlichen Atompilz explodieren und zuverlässig fast alle Gegner in Reichweite erledigen.
Derzeit befindet sich Fallout 3 im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium. Hines ist zuversichtlich, dass der Titel wie geplant Ende 2008 auf Xbox 360, Playstation 3 und Windows-PC erscheint.