Spieletest: Goin' Downtown - Rätseln im Rotlichtbezirk
Neuer Titel von Silver Style schickt Spieler in eine düstere Zukunft. Adventures wollen nicht nur durch Rätseldesign und gute Storys, sondern auch mit Humor beim Spieler punkten: Die größten Hits des Genres kommen mit trotteligem Haupthelden, bizarren Schauplätzen oder sinnlos-unterhaltsamen Kombinationsrätseln daher. Goin' Downtown vom Berliner Entwickler Silver Style wählt einen anderen Weg für sein Windows-PC-Abenteuer: Hier ist alles düster, erwachsen und alles andere als gemütlich.
Wir schreiben das Jahr 2072 - und die Zeit war nicht gerade nett zur Menschheit. Die Welt hat sich zu einem Schauplatz entwickelt, der Schreckensszenarien aus Literatur und Kino ähnelt; vor allem Blade Runner scheint die Berliner Entwickler beim Erstellen des futuristischen Szenarios beeinflusst zu haben. Auch Hauptperson Jack ist eher ein Typ aus der Kategorie Antiheld: heruntergekommen, frustriert vom Polizistenjob, wohnhaft in einer Art Wohnklo - so richtig identifizieren will man sich mit diesem Typen zu Beginn nicht.
Allerdings ist der Einstieg in die Geschichte spannend: Jack findet eines Tages eine ohnmächtige Prostituierte, nimmt sie bei sich auf, muss aber am nächsten Tag feststellen, dass sie nicht mehr in seinem Apartment, sondern auf dem Bordstein liegt, ein paar Stockwerke tiefer. Den Kollegen bei der Polizei ist das alles herzlich egal, schließlich handelt es sich bei der Toten um eine Dirne, und für die Cops bringt die Aufklärung ihrer Todesumstände keinerlei finanziellen Zugewinn. Also muss Jack alleine ran und nach und nach aufdecken, mit welcher Dame er es eigentlich zu tun hatte und was ihr zugestoßen ist.
Spielerisch präsentiert sich das als relativ stereotypes Point-and-Click-Adventure: Es gilt Gespräche zu führen und Objekte einzusammeln, die kurz darauf eingesetzt werden müssen. Schwierigkeitsgrad und Abwechslung halten sich dabei in engen Grenzen; allerdings gibt es die eine oder andere Idee, die das Ganze etwas abwechslungsreicher gestaltet.
So darf der Spieler selbst zwischen Tag und Nacht wechseln - einfach per Knopfdruck. Bestimmte Personen sind nur zu speziellen Uhrzeiten unterwegs, so dass der Zeitenwechsel für manche Aufgaben unabdingbar ist. Dazu kommen gelegentliche Actioneinlagen: Zwar muss in der Rolle von Jack nicht wirklich geprügelt werden, allerdings beeinflusst man durch eine geschickte Dialogauswahl den Ausgang eines Faustkampfes; Monkey Island und die Fechtduelle lassen grüßen.
Zu guter Letzt gibt es auch eine futuristische Apparatur, die Jack nutzen kann, um in die Vergangenheit zu reisen. In grünlichen Umgebungen wühlt er dann, mit gewissen Einschränkungen, in zurückliegenden Ereignissen. Zu viel virtuelle Unruhe sollte Jack dabei allerdings nicht verursachen und seinen Handlungsspielraum nicht überschreiten, sonst findet er sich schnell im Hier und Jetzt wieder; weitergehende Folgen muss er allerdings keine fürchten.
So gut diese Ideen zu Beginn klingen, so schnell verlieren viele von ihnen ihren Reiz: Die Story legt spannend los, verliert dann aber schnell an Tempo. Die Wortduelle sind rasch durchschaut, die Vergangenheitsreisen längst nicht so spannend umgesetzt wie man sich wünschen würde, und die gesamte Atmosphäre ist längst nicht so beklemmend und düster, wie es das Thema erwarten lassen würde. Da kann auch die Toon-Shading-Technologie, die für einen interessanten Comic-Look sorgt, nur begrenzt helfen.
Goin' Downtown erscheint exklusiv für PC und kostet rund 30 Euro. Das Programm benötigt Windows XP oder Vista sowie mindestens einen Pentium mit 2,0 GHz, 512 MByte RAM sowie 2 GByte freien Festplattenspeicher. Die USK-Altersfreigabe liegt bei zwölf Jahren.
Fazit: Goin' Downtown ist ein solides Adventure geworden, enttäuscht aber trotzdem, weil aus den vielen spannenden Ansätzen wenig gemacht wurde. Story, Gameplay und Atmosphäre werden nach gutem Beginn zu schnell zu standardisierter Genrekost, ein paar Logikfehler drücken den Spielspaß zusätzlich. Für eine Topplatzierung unter den besten Adventures 2008 wird es am Ende des Jahres ganz sicher nicht reichen.