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Spieletest: Haze - besser ballern dank Drogen

Ego-Shooter für die Playstation 3 von Free Radical. Am PC lockt ein neuer Shooter kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervor, auf der PS3 sieht das ganz anders aus. Wenn da ein Entwickler wie Free Radical (Timepslitters) verkündet, einen Action-Titel exklusiv für die aktuelle Sony-Konsole zu veröffentlichen, macht man sich wegen der spärlichen Konkurrenz zumindest Hoffnung auf ein Highlight. Im Falle von Haze allerdings leider vergeblich.
/ Thorsten Wiesner
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Schon bei der Story von Haze kommt wenig Freude auf: Ein Szenario in naher Zukunft (wir schreiben das Jahr 2048), ein Held, der zunächst für eine böse Organisation und kurze Zeit später für die sie bekämpfende Rebellentruppe antritt, Kämpfe im südamerikanischen Dschungel – es gab durchaus schon aufregendere Ausgangssituationen als hier. Allerdings wäre es unfair, den Entwicklern neue Ideen abzusprechen; zumindest der Einsatz von Drogen hat bisher in Shootern eine eher untergeordnete Rolle gespielt.

Haze
Haze (02:26)

In Haze hingegen ist das "Nectar" – so der Name der bewusstseinserweiternden Substanz – äußerst relevant für den Spielablauf. Zu Beginn, wenn man in der Rolle von Sergeant Jake Carpenter noch für die mächtige Mantel-Organisation Global Industries antritt, hat man eben nicht nur Zugriff auf modernste Waffen, Rüstungen und Fahrzeuge, sondern eben auch auf diesen Nectar – und der wirkt sich im Spiel auf vielerlei Art und Weise aus. So sind die Angriffe mächtiger, Feinde besser ortbar und die Abschussquote generell höher, da Kontrahenten farblich markiert werden. Allerdings kann das Ganze auch nach hinten losgehen: Die Wirkung des Nectar hält nur begrenzt, für kontinuierlichen Nachschub muss also gesorgt werden. Aber Vorsicht, bei Überdosis droht Kontrollverlust und der Held kann Freund nicht mehr von Feind unterscheiden. Das führt leicht zu erheblichen Kollateralschäden in den eigenen Reihen. Werden einige Zeit später dann die Seiten gewechselt, kann sich der Spieler das allerdings zunutze machen: Auf Seiten der Rebellen lassen sich Granaten mit Nectar aufrüsten und den ehemaligen Kollegen so gezielte Überdosen verpassen.

Auch sonst gibt es nette Überraschungen: verschiedene Fahrzeuge etwa, wechselnde Schauplätze und die Möglichkeit, neben typischen Online-Multipalyer-Modi die Kampagne auch im Koop-Modus zu absolvieren. Das alles täuscht nicht darüber hinweg, dass zwischen den zweifellos guten Momenten viel Leerlauf herrscht. Über weite Strecken ist Haze vor allem dank der vorhersehbaren KI ein sehr stereotyper Shooter.

Das größte Problem von Haze ist allerdings die enttäuschende Technik: Texturen und Details sind weitgehend nicht mal ansatzweise auf PS3-Niveau; viele Level hätte auch die Vorgängerkonsole problemlos geschafft. Vor allem die Innenareale sind fast erschreckend grobkörnig – für eine PS3-Eigenentwicklung vollkommen unverständlich.

Haze ist exklusiv für die Playstation 3 erhältlich, kostet etwa 70 Euro und hat von der USK keine Jugendfreigabe erhalten.

Fazit:
Haze hat seine guten Momente. Die Idee mit der Droge Nectar ist schlüssig in den Spielablauf integriert, einige Missionen sind angenehm abwechslungsreich, die Fahrzeuge bringen trotz leicht schwammiger Steuerung Spielspaß. In Sachen KI und Technik wurde allerdings massiv gepatzt, denn Haze sieht über weite Strecken einfach nicht wie ein PS3-Spiel aus. Insgesamt sind die Highlights im Verhältnis zum dumpfen Dauergeballer doch etwas rar gesät.


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