Bedrohung durch Cyber-Mobbing gering
Lehrergewerkschaft rät zu Gelassenheit und professioneller Reaktion
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt vor Dramatisierung bei Internetmobbing und Überreaktionen. Eine eigene Studie habe gezeigt, dass Mobbing ohne technische Hilfsmittel etwa zehn Mal so häufig vorkommt.
"Schülerstreiche und Mobbing sind ein 'altes Thema', das nun im Internetzeitalter angekommen ist", so Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule. Lehrkräfte müssten lernen, gelassen und professionell damit umzugehen.
Eine für die GEW-Mitglieder repräsentative Studie habe gezeigt, dass acht Prozent der Lehrkräfte direkt von Schmähungen über das Internet betroffen waren. Knapp 31 Prozent der Befragten gaben an, von Fällen aus dem Kollegen- und Bekanntenkreis gehört zu haben. "Jede Altersstufe, Männer und Frauen und jede Schulform sind ähnlich stark betroffen. Lediglich an Gymnasien ist die Zahl der Fälle leicht erhöht", sagte Demmer. In einem Drittel der Fälle sind laut GEW die Schüler selbst Opfer.
Jungen und junge Männer griffen deutlich häufiger zu Handy und PC als Mädchen und junge Frauen, um andere Schüler oder Lehrkräfte unter Druck zu setzen oder sich zu rächen, sagte die GEW-Sprecherin. Die Täter seien in drei Viertel der Fälle Schüler, jeweils fünf Prozent sind Vorgesetzte und Eltern, knapp drei Prozent sind sogar selbst Lehrer.
Hinnehmen müsse man die persönlichen Angriffe im Internet dagegen nicht: So hätten Lehrkräfte mit Erfolg die Täter zur Rede gestellt sowie das Gespräch mit Kollegen, Vorgesetzten und Eltern gesucht. In Einzelfällen seien Schüler vom Unterricht suspendiert, der Schule verwiesen oder verurteilt worden. Für ein Drittel der Täter habe ihr Verhalten aber keine Konsequenzen gehabt.
Zu den Gegenmaßnahmen gehöre, dass Handys während des Unterrichts ausgeschaltet sind und ebenso wie das Internet nicht für Mobbingzwecke oder Gewaltdarstellungen genutzt werden dürften. "Wer sich nicht an die Abmachungen hält, dessen Geräte können einkassiert und den Eltern übergeben werden", sagte die Schulexpertin.
Der Deutsche Philologenverband (DPhV) schlägt dagegen Alarm, weil sich Diffamierungen und Bloßstellungen von Lehrern auf Internetplattformen, Videobörsen und in Chatforen "weiter verstärkt" hätten. Verbandschef Heinz-Peter Meidinger schätzt, dass es inzwischen an fast jeder weiterführenden Schule zu solchen Vorfällen kommt. Rund 60.000 Lehrer seien mindestens einmal Opfer solcher Attacken gewesen, weiß Meidinger. Die Fallzahlen, in denen sich Betroffene an die Rechtsschutzreferate des Verbandes gewandt hätten, seien deutlich gestiegen. "Offensichtlich stehen wir erst am Beginn einer Entwicklung wie in England und den USA, wo inzwischen ein Viertel der Lehrerschaft von solchen Vorfällen betroffen ist", sagte der DPhV-Vorsitzende. Meidinger betonte aber auch, dass die Vorfälle nur von einer verschwindend kleinen Minderheit von Schülern ausgingen.
Er wiederholte seine Forderung, das deutsche Telemediengesetz zu verschärfen: Wer die Internet-Plattform-Betreiber von einer Mithaftung freistelle, leiste damit dem Rechtsmissbrauch Vorschub.
Der GEW gehörten laut heutigen Angaben gegenüber Golem.de Ende 2007 rund 250.000 Mitglieder an. Der DPhV weist 89.000 Einzelmitglieder aus.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
- ohne Werbung
- mit ausgeschaltetem Javascript
- mit RSS-Volltext-Feed






Mal so am Rande: Auch wenn es sehr ist, so ist Fachliteratur zitieren oder die Meinung...
Sehr interessant, hier noch was in Bezug auf Schule Eine weitere Maßnahme wäre es, die...
Vorweg... zu meiner Zeit wurden keine Lehrer gemobbt. Auch würde ich derartiges nicht...
In dem Artikel steht nicht, dass es auf Gymnasien im Allgemeinen mehr Mobbing gibt...