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Neue Photoshop-Versionen setzen auf GPU-Unterstützung

Entwicklerwerkzeug Thermo erlaubt Umsetzung von Photoshop-Dateien in Flash. In einem Analystenmeeting hat Adobe einen Ausblick auf seine kommenden Photoshop-Generationen gezeigt. Neben der Ausnutzung schneller Rechentechniken, die vom Hauptprozessor des Rechners auf den Grafikprozessor (GPU) verlagert werden, sind zahlreiche Funktionen im Bereich 3D-Bildbearbeitung zu erwarten.
/ Andreas Donath
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Die Zukunftsstrategie von Adobe umreißt das Unternehmen mit den drei Worten Produktivität, Integration und Innovation. Indem die Programme immer schneller zu nutzbaren Ergebnissen führen, kann der professionelle Anwender seine Produktivität erhöhen und so mehr Geld verdienen.

Die Integration des Workflows quer über die gesamte Produktpalette soll die bislang hauptsächlich als Einzelprogramme geführten Anwendungen stärker miteinander verzahnen – darunter unter anderem Photoshop mit Flash und Flex. Innovation bedeutet für Adobe vor allem, dass die Software in Zukunft viel mehr Aufgaben selbst erledigen kann, die bislang gar nicht oder nur mit Zusatzprogrammen möglich war. Für alle Bereiche wurden in der Präsentation Beispiele vorgeführt.

In der Demonstration zeigte Adobe eine Entwicklerversion von Photoshop, die ein 650 Megapixel großes Bild so mühelos vergrößern und verkleinern konnte wie heute ein 8 bis 10 Megapixel großes Foto. Die typische Gedenkminute, die bei komplexen Funktionen wie dem Weichzeichner eingelegt werden musste, gehört damit der Vergangenheit ein. Adobe erreicht diesen Performance-Gewinn durch die Einbeziehung der Rechenleistung der GPU.

Außerdem zeigte Adobe, wie sich mit "CS Next", so das Codeword für die künftige Photoshop-Version, aus mehreren Makrobildern mit unterschiedlichen Schärfepunkten ein neues Bilder erstellen lässt, das eine riesige Schärfentiefe aufweist. Dies lässt sich zwar jetzt schon erledigen, beispielsweise mit einer Software Helicon Focus, doch Adobes Photoshop selbst konnte dies bislang nicht.

Mit der erweiterten Panoramafunktion lassen sich 360-Grad-Bilder erstellen, die als dreidimensionale Sphäre dargestellt werden. Der Betrachter sitzt dabei innerhalb der virtuellen Kugel. Die Berechnung dieser Panoramen ist für Zusatzsoftware schon jetzt kein Problem. Neu ist allerdings bei der Realisierung in Photoshop, dass sich die normalen Grafikwerkzeuge auf die 3D-Renderings fast in Echtzeit anwenden lassen. Bei Stitching-Fehlern kann z.B. direkt der Klon-Pinsel eingesetzt werden, um das 3D-Objekt zu korrigieren. Außerdem lässt sich das Panorama als Flash-Datei ausgeben.

Ein neues Entwicklerwerkzeug mit dem Codenamen Thermo stellte Adobe ebenfalls vor. Mit dem Entwicklungswerkzeug lassen sich aus ebenenseparierten Photoshop-Dateien oder anderen Programmen von Adobe Flash/AIR-Anwendungen erstellen.

Der Entwickler hat bei Thermo direkten Zugriff auf die Layer des Designs und kann daraus interaktive Elemente per Mausklick erstellen. So kann zum Beispiel aus Text ein strukturiertes Eingabefeld erzeugt und mit den gewünschten Aktionen versehen werden. Thermo verfolgt anders als Flash Professional keinen Frame-basierten Ansatz. Ohne auch nur eine Zeile Code zu schreiben, lässt sich der Photoshop-Content zu interaktiven Flash-Elementen umwandeln.

Adobe Acrobat Connect soll die Erstellung von mobilen Anwendungen erleichtern, indem die erstellten Inhalte auf unterschiedlichen Geräten mit unterschiedlich großen Displays und Fähigkeiten erzeugt und getestet werden können. Künftig soll das Programm noch mehr leisten. Eine stärkere Integration mit den anderen Adobe-Programmen erlaubt es, mit Adobe After Effects einen Film zu erstellen, wobei Adobe Connect innerhalb von After Effects zeigt, welcher Bildbereich mit den unterschiedlichen Auflösungen der Handys zu sehen ist. Echtzeiteffekte wie ein Comic-Effekt aus Photoshop lassen sich auch in After Effects in Echtzeit einsetzen.

Innerhalb von Adobe Flash Professional wurde mit "Bone" eine Animationstechnik vorgeführt, mit der Fotos animiert werden können. Künftig malt man grob die Knochen und die Gelenke auf das Bild ein, woraufhin das Foto anhand der Bewegungsmöglichkeiten animiert und zum Beispiel der Arm am Ellenbogen gebeugt wird. Das Resultat sieht zwar recht comicartig aus, stellt jedoch gerade für Musikvideos und Websites eine brauchbare und vor allem schnelle Animationstechnik dar. In Flash sollen zudem künftig dreidimensionale Animationspfade möglich sein. In der Demonstration wurde ein einfacher Schriftzug für einige Keyframes im Raum gedreht und gekippt – die restlichen Bewegungsphasen errechnete das Programm allein.

Eine Demonstration, die für "künftige" Flash-Versionen vorgesehen ist, erlaubt die Extraktion von Bildelementen aus einem Video, ohne dass ein Greenscreen benötigt wird. Dazu wird in einem Frame nur grob der Hintergrund und Vordergrund mit einem Pinsel markiert. Das Programm extrahiert daraus eine Maske für die folgenden Frames. Diese Technik war bislang Photoshop vorbehalten und soll bald auch in Videos eingesetzt werden.

Wann die vorgeführten Funktionen in reale Programme einfließen, ließ Adobe offen. Klar ist nur, dass nicht alles Gezeigte schon im neuen Photoshop bzw. Flash integriert sein wird. Ein Veröffentlichungsdatum für CS4 wurde entgegen anderslautenden Berichten nicht genannt.


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