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Grafik-Duell im Juni: Nvidia GTX-280 vs. ATI Radeon 4870

Neue GPU-Generation steht in den Startlöchern. Unbestätigten Informationen zufolge wollen sowohl AMD/ATI als auch Nvidia bereits im Juni 2008 neue Generationen ihrer Grafikprozessoren vorstellen. Die als "RV770" (ATI) und "GT-200" (Nvidia) gehandelten Chips stellen die ersten komplett neuen Designs seit dem GeForce 8800 bzw. Radeon 2900 dar.
/ Nico Ernst
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Während sowohl AMD wie Nvidia in den vergangenen zwölf Monaten nur Modellpflege betrieben haben, stehen nun vollständig neu entworfene Grafikprozessoren an. Nvidia hatte seine Generation der GeForce-8-Grafikkarten mit G80-Architektur bereits im November 2006 vorgestellt und bietet inzwischen als GeForce-9xxx benannte Grafikkarten an, die auf dem nur leicht erweiterten G92-Prozessor basieren. Statt anfangs mit 90 Nanometern sind die G92-GPUs inzwischen in 65 Nanometern Strukturbreite gefertigt.

AMD stellte unter dem nur noch als Markennamen fungierenden Label ATI im Mai 2007 seine GPU " R600 " vor, die ersten Karten hießen Radeon 2900 und fielen vor allem durch enormen Strombedarf auf. Erst als RV630 und RV610 mit einem Wechsel auf 55 Nanometer Strukturbreite bekam AMD dieses Problem in den Griff, und mit dem RV670 auch bei Grafikkarten der Oberklasse. Diese heißen seitdem Radeon HD 3xxx, AMD hat also wie Nvidia in der Namenspolitik zwei Generationen seiner Grafikkarten auf Basis der gleichen Architektur vermarktet.

Nun stehen aber völlig neue Architekturen an, und wie üblich vor dem Marktstart neuer Grafikkarten – zuletzt im Herbst 2007 – kochen die Gerüchteküchen auf Hardware-Webseiten und in Foren über. Selten zuvor waren die Informationen aus diversen Quellen wie von taiwanischen Grafikkartenherstellern aber so umfassend. Während AMD mit dem R600 nach mehrfachen Verschiebungen über ein halbes Jahr nach Nvidias G80 den Markt betrat, steht nach den bisherigen Angaben nun bereits im Juni 2008 ein direktes Duell der Grafikrivalen an. Im Abstand von wenigen Wochen sollen RV770 und GT-200 erscheinen.

AMDs neue GPU RV770 soll, wie unter anderem Theo Valich von TGDaily berichtet(öffnet im neuen Fenster) , aus über 800 Millionen Transistoren bestehen, und nach AMD-Zählweise 480 Stream-Prozessoren beherbergen. Da wie beim R600 aber die Stream-Einheiten in Gruppen zu je vier organisiert sind, sind 120 Shader-Gruppen realistischer. Die Taktfrequenzen des schnellsten Modells Radeon HD 4870 sollen bei rund 850 MHz liegen, als Speicher ist – wie Qimonda bereits bestätigte – für die schnellsten Karten GDDR5 vorgesehen. 512 MByte gelten als Standardausstattung, das Design soll aber auch mit 1 GByte Grafikspeicher umgehen können. AMD-Karten mit 1 GByte boten schon mit der HD 2900 einige Hersteller an.

Für günstigere Karten ist GDDR3 als Speicher geplant, sie sollen unter anderem als Radeon HD 4850 erscheinen. Mit dem RV770 soll auch eine neue Video-Einheit namens "UVD2" Einzug in den Chip halten, fraglich ist nur, was AMD hier verbessert hat: Schon seit der RV630-Generation beherrschen die AMD-GPUs die vollständige Dekodierung von H.264 und VC-1 im Grafikprozessor, einzig eine erweiterte Audio-Einheit mit 7.1-Sound erscheint noch sinnvoll. Ob der UVD2 auch HDMI 1.3 mit erweitertem Farbraum beherrscht, steht noch nicht fest.

Während der RV770 mit 55 Nanometern gefertigt werden soll, bleibt Nvidia inoffiziellen Angaben zufolge beim "GT-200" bei 65 Nanometern. Die neuen Grafikkarten mit dieser GPU sollen auch mit dem bisherigen Namensschema brechen und schlicht "GeForce GTX-280" und "GeForce GTX-260" heißen. Einen "GeForce 10" gibt es somit nicht, wenn sich Nvidia nicht kurzfristig anders entscheidet. Wie schon bei den Karten GTX und GTS der G80-Generation sollen GTX-280 und GTX-260 sich durch die Zahl der Shader-Prozessoren unterscheiden, und zwar durch 240 beziehungsweise 192 Rechenwerke. Da Nvidias GPU-Architektur sich stark von der von AMD unterscheidet, lässt sich die Zahl der Stream-Prozessoren nicht unmittelbar vergleichen. Dass die neue GPU aus rund einer Milliarde Transistoren besteht, hatte Nvidia bereits bestätigt .

Das gilt jedoch nicht für die Speicherbandbreite, wo AMD zumindest theoretisch bisher Nvidia überholen konnte, was sich jedoch in der Praxis nur bei aufwendigen Filterfunktionen wie hoch eingestelltem Anti-Aliasing zeigte. Während AMD bei einem Ringbus von 512 Bit Breite bleiben soll, zieht Nvidia angeblich mit 512 Bit (GTX-280) und 448 Bit (GTX-260) im Vergleich zum Start der G80- und R600-Generationen nach. Und auch beim Speicher will Nvidia dem Vernehmen nach schon zum Start 1-GByte-Karten anbieten, es soll sich jedoch bei allen Modellen nur um GDDR3 handeln.

Beide Unternehmen hatten in den vergangenen Monaten immer wieder angedeutet, mit ihren neuen GPU-Generationen gebe es eine Verdoppelung der Rechenleistung – so wie das lange Zeit im Grafikgeschäft jährlich der Fall war. Das würde jedoch bedeuten, dass die schnellste Grafikkarte mit einer GPU weiterhin von Nvidia kommt und sich am Leistungsverhältnis innerhalb der Klassen weiterhin nichts ändert. Das belegen die bereits durchgesickerten inoffiziellen Preise der AMD-Karten, die sich auch für das Topmodell HD 4870 deutlich unter 300,- US-Dollar bewegen sollen. Nvidias High-End-Karten liegen dagegen stets im Bereich um 500,- US-Dollar, die "Ultra"-Varianten auch darüber.

Neben den bisher genannten Single-GPU-Karten sind auch Karten mit zwei Grafikprozessoren zu erwarten, konkrete Pläne für eine HD 4870 X2, die aber erst weit nach dem Start der ersten RV770-Karten kommen soll, sind jedoch bisher nur von AMD durchgesickert.


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