Gartner: Markt für Betriebssysteme ist im Umbruch
"Die Verdrängung von Unix durch Linux, das Nutzerverhalten, technologische Umwälzungen sowie Maßnahmen gegen Produktpiraterie werden weiterhin den Markt bestimmen und seine Dynamik verändern" , sagt Matthew Cheung, Senior Research Analyst bei Gartner. Laut Cheung ist das Linux-Segment der am stärksten wachsende Server-Betriebssystembereich. Linux wird Unix dort weiter verdrängen, vor allem aufgrund seines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses, der hohen Verfügbarkeit von Support-Angeboten sowie der konsequent niedrigen Betriebskosten.
Mittel- bis langfristige Umbrüche in der OS-Welt würden durch Technologien wie Virtualisierung und Multicore-Prozessoren bewirkt. Embedding Applications und Betriebssysteme in virtuelle Maschinen könnten das Betriebssystem von seinem angestammten Platz als Infrastruktur-Schicht verdrängen, während Mehrkernprozessoren zu Umwälzungen des gegenwärtigen Lizenz-Vertriebsmodells führen. Die Welt der "eigenen, im Unternehmen installierten Software" wird zudem durch Utility- oder Cloud-Computing in Frage gestellt.
Ein Ende der Lebensspanne für Windows XP und die Herausgabe des ersten Windows Vista Service Packs könnten den Umsatz für Microsofts neues Betriebssystem steigern, so der Gartner-Vordenker weiter. Dazu wirkten sich Erfolge im Kampf gegen Produktpiraterie des Weltmarktführers positiv aus. In den Schwellenländern setzen immer mehr Regierungen auf Open Source, was dort langfristig das Pendel für Linux ausschlagen lässt.
Bei fallenden Hardwarepreisen steigt der Trend zu Angeboten mit vorinstallierten OEM-Betriebssystemen. Kurzfristigen Einfluss auf den OS-Markt nimmt die wirtschaftliche Rezession in den USA.
Auf lange Sicht bewirkt die Virtualisierung, dass die Unternehmen ihre Ressourcen besser verwalten können, was die Nachfrage für Betriebssysteme schwächen könnte. Softwarehersteller täten gut daran, ihre Produkte kompatibel für virtualisierte Umgebungen zu gestalten. Zudem müssen sie sich auf die Änderungen durch Software as a Service (SaaS) einstellen, Strategien für Open Source und Cloud Computing entwerfen und neue Preismodelle für Multicore-Rechner aufstellen, rät der Analyst.