Max-Planck-Forscher: Comcast blockiert dauerhaft BitTorrent

In verschiedenen Anhörungen hat Comcast stets beteuert, den Datenverkehr über das BitTorrent-Protokoll lediglich in Stoßzeiten zu regulieren, nicht aber komplett zu unterbinden. Wie es scheint, hat der Kabelnetzbetreiber aus den USA die Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) belogen: Nach einer Studie(öffnet im neuen Fenster) des Max-Planck-Institutes (MPI) für Softwaresysteme in Saarbrücken blockiert Comcast entgegen den eigenen Angaben den Datenaustausch über BitTorrent systematisch und dauerhaft: "Der Anteil von blockierten Verbindungen ist zu allen Tageszeiten gleichbleibend hoch. Unsere Daten legen nahe, dass die BitTorrent-Blockade nicht von der Tageszeit abhängt." Auch zwischen den Wochentagen gibt es kaum Unterschiede.
Betroffen sind dabei ausschließlich die Kunden von Providern, die Internetzugang über Kabel anbieten. "Wir haben keine Blockade von Datentransfer über BitTorrent von DSL-Hosts in diesen Ländern feststellen können" , schreiben die Saarbrücker. Im Rest der Welt scheint diese Art von Traffic-Management weitgehend unüblich. Nur in drei anderen Ländern fanden die MPI-Wissenschaftler je einen blockierten Host. In Deutschland wurden 377 Hosts und 52 Provider getestet. Das Ergebnis: Hierzulande ist der Datenaustausch über das BitTorrent-Protokoll uneingeschränkt möglich.
Für den Test, der vom 18. März bis zum 15. Mai 2008 stattfand, haben die Forscher eine Software mit dem Namen Glasnost(öffnet im neuen Fenster) entwickelt, die den Datenaustausch über das BitTorrent-Protokoll simuliert. Glasnost achtet besonders darauf, wenn eine Verbindung zwischen zwei Rechner unterbrochen wird, ohne dass einer der beiden ein sogenanntes Reset-Paket (RST) gesendet hat. Mit dieser Methode sperrt Comcast nach den Recherchen der Nachrichtenagentur AP und der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) das BitTorrent-Protokoll. Nach Angaben der Saarbrücker haben über 8.000 Nutzer auf der ganzen Welt die Software auf ihrem Rechner installiert.
Comcast hat bisher stets bestritten, Datentausch über Peer-To-Peer-Protokolle systematisch zu unterdrücken. Stattdessen reklamierte der Kabelnetzbetreiber, er habe lediglich einen Teil des Traffics verlangsamt, was unter das von der Regulierungsbehörde FCC zugebilligte "angemessene Traffic-Management" falle. Nach Beschwerden hatte Comcast BitTorrent Ende März 2008 sogar eine Kooperation angeboten – genau in der Zeit, in der das MPI die Blockade feststellte.
Seit Bekanntwerden der Blockade wird in den USA heftig über Netzneutralität diskutiert. Die Ergebnisse der MPI-Studie dürften hierbei den Verfechtern der Netzneutralität, darunter FCC-Chef Kevin J. Martin und der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama, neue Argumente liefern.



