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Spieletest: Boom Blox - Spielberg staunt Bauklötze

Erstes Ergebnis der Kooperation zwischen Star-Regisseur und Electronic Arts. Als Steven Spielberg und Electronic Arts bekannt gegeben haben, gemeinsame Sache zu machen, malten sich viele pompöse Videospiel-Epen voller Bombast und Dramatik aus. Umso überraschender ist der erste Titel der zunächst auf drei Spiele angelegten Kooperation: "Boom Blox", das exklusiv für Nintendo Wii erscheint, bietet keine Dinosaurier, keinen Zweiten Weltkrieg und auch keine Helden mit Peitsche, sondern Bauklötzchen.
/ Thorsten Wiesner
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Im Grunde ist Boom Blox ein Mix aus Geschicklichkeits- und Action-Spiel - eine ruhige Hand ist ebenso nötig wie schnelle Reaktionen. In mehreren hundert Levels wartet eine Aufgabe nach der anderen - die Aktionsmöglichkeiten variieren allerdings deutlich. Ein Teil des Gameplays erinnert an das Gesellschaftsspiel Jenga: Ein Turm aus Bauklötzchen muss Schritt für Schritt abgebaut werden, ohne dass er zusammenbricht. Ständig sucht der Spieler also nach günstig liegenden und Punkte bringenden Steinen, die er dann mit der Wiimote herauszieht. Vor allem in späteren Levels wird das eine durchaus brenzlige Angelegenheit; wer zittert oder an der falschen Stelle ansetzt, bekommt einen nett anzusehenden Einsturz geboten.

BoomBlox - Trailer
BoomBlox - Trailer (01:53)

Andere Aufgaben funktionieren genau anders herum: Beispielsweise müssen Türme absichtlich zum Einsturz gebracht werden - und zwar so, dass die auf ihnen liegenden Edelsteine zu Boden purzeln und das Punktekonto füllen. Die Kunst besteht darin, die neuralgischen Punkte des jeweiligen Gebäudes zu erwischen und es mit möglichst wenigen Attacken zusammenfallen zu lassen. Per A-Taste der Wiimote visiert der Spieler das jeweilige Ziel an, nimmt dann Schwung, als hätte er einen Ball in der Hand, und am Ende des Ausholvorgangs lässt er die A-Taste los, damit der virtuelle Ball losfliegt.

Besondere Bausteine sorgen für Abwechslung und zusätzlichen Gehirnschmalz-Einsatz: Bombensteine explodieren und reißen viel Umland mit. Purpurfarbene Blöcke verschwinden einfach; grüne Chemikalien-Blöcke hingegen lassen sich mit anderen Chemie-Steinen bewerfen - dann entstehen Kettenreaktionen. Überhaupt muss immer wieder nach Möglichkeiten zum Domino-Effekt gesucht werden, um durch den Einsturz eines Gebäudes gleich mehrere niederzureißen.

Die ebenfalls vorhandenen Schuss-Level sind hingegen eher unerfreulich: In Moorhuhn-Manier gilt es hier, immer wieder auf den Bildschirm zu zielen und durch Abfeuern von Bomben die feindliche KI daran zu hindern, die eigenen Edelsteine zu stibitzen. Diese Aufgaben wirken wenig durchdacht, oft chaotisch und zudem nur in den seltensten Fällen wie eine wirkliche Herausforderung, da plumpes Dauerfeuer zum Sieg oft reicht. Überhaupt ist der Schwierigkeitsgrad niedrig: Die Bronze-Medaille dürften auch Einsteiger in fast jedem Level auf Anhieb schaffen, die Gold-Medaille (für die immer so wenig Würfe eingesetzt werden dürfen wie nur möglich) stellt oft ebenfalls keine all zu schwere Herausforderung dar.

Über mangelnde Motivation kann man sich trotzdem nicht beschweren: Im Entdecker-Modus etwa darf jeder Spieler selbst bestimmen, welche Art von Level er spielt, im Erstellen-Modus werden eigene Szenarien geschaffen, im Party-Modus gegen oder kooperativ mit Freunden angetreten. Das Herzstück ist allerdings der Abenteuer-Modus: Hier wechseln die Aufgaben von Level zu Level, außerdem sind sie in ein kleines Story-Korsett gepresst. Eben das wirkt allerdings ziemlich aufgesetzt, da Klötzchen mit Tiergesichtern (die übrigens eher unheimlich denn niedlich wirken) in einer Art Mittelalter-Szenerie Gefechte ausführen und der Spieler das Ganze durch seine Aktionen entscheiden soll.

Überhaupt ist die Präsentation bestenfalls "liebenswürdig": Die Klötzchen-Welten warten zwar mit vielen Farben auf - aber nur mit wenigen Details. Das Design der Spiel-Charaktere, Bausteine und Diamanten ist ebenfalls eher rudimentär, die Hintergrund-Sounds wiederholen sich schnell. Die Bedienung mit der Wiimote hingegen gibt kaum Anlass zur Klage: Wurf- und Zielbewegungen werden fast fehlerfrei erkannt, und auch das Herausziehen der Steine klappt mit etwas Übung hervorragend.

Boom Blox ist exklusiv auf Nintendo Wii erhältlich. Das Programm hat von der USK eine Altersfreigabe "ab 6 Jahren" erhalten.

Fazit:
Inwiefern der Name Spielberg seine Daseinsberechtigung auf der Boom-Blox-Packung besitzt, ist sicherlich diskussionswürdig - schließlich dürfte bei fast jedem die Erwartungshaltung angesichts des Mitwirkens des Star-Regisseurs in eine andere Richtung gehen als in die, die Boom Blox letztendlich einschlägt. Dennoch ist Boom Blox durchaus empfehlenswert: Trotz einiger Durchhänger vor allem in den Schieß-Levels und einer nicht gerade Begeisterungsstürme auslösenden Präsentation ist die Turm-Zerstörerei ebenso leicht zugänglich wie motivierend. Das "nur noch einen Level"-Fieber packt einen jedenfalls schneller als erwartet, und macht aus Boom Blox eines der empfehlenswertesten Puzzle-Programme der letzten Monate.


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