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Angespielt: Little Big Planet - die Sackmännchen kommen

Vorabversion beim PlayStation Day in London. Beim PlayStation Day wurde in dieser Woche angekündigt, dass Little Big Planet (LBP) im Oktober 2008 erscheint – und der PlayStation-3-Titel war sogar schon anspielbar. Sony Computer Entertainment will nicht nur ein witziges Geschicklichkeitsspiel, sondern einen vernetzten Spielebaukasten nebst zugehöriger Community liefern.
/ Christian Klaß
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Sony und die Entwickler von Media Molecule versprechen, dass Little Big Planet ein großer, spaßiger Spielkasten für kreative PlayStation-3-Besitzer werden wird. Das Spiel soll kein Ende haben, sondern dazu anregen, eigene Inhalte zu erstellen und mit anderen zu teilen. Der Little Big Planet wird von kleinen Männchen bewohnt, die aus Sackleinen bestehen. Sie können von den Spielern auf vielfältige Weise verkleidet und gesteuert werden.

Die nach offizieller englischer Namensgebung als "Sackboy" bezeichneten Spielfiguren bringen auch ohne pubertäre Hintergedanken zum Grinsen, denn sie tragen nicht nur wilde Verkleidungen, sondern bringen durch entsprechende Steuerung mittels Gamepad auch putzige Mimik und Gestik hervor. Jeder Spieler kann sein eigenes Sackmännchen oder -weibchen erstellen und anderen zur Verfügung stellen, wobei laut Media Molecule sichergestellt wird, dass der Spieler nicht plötzlich lauter Nachahmer im gleichen Netzwerkspiel findet.

Nach der Veröffentlichung von Little Big Planet sollen Stück für Stück weitere Kleidungsstücke und Accessoires dazukommen – etwa zu besonderen Anlässen oder in Form von Erweiterungen. Weil die Kleidungsstücke auch mit Mustern und Bildern von der EyeToy-Kamera "bedruckt" werden können, sollen die Kombinationsmöglichkeiten fast grenzenlos sein. Als Beispiel nannte ein Entwickler gegenüber Golem.de einen an der Jacke seines Sackboys befestigten Kronkorken mit buntem Aufdruck.

"Die Möglichkeiten sind extrem vielfältig. Und man kann eine Ewigkeit damit verbringen, die [Spielfigur] so hinzubekommen, wie man sie haben will" , so der Entwickler weiter. Seiner Erfahrung nach wird zu Spielbeginn erst einmal improvisiert, recht schnell losgelegt und dann im Laufe der Zeit das Aussehen des eigenen Sackmännchens verfeinert.

"Obwohl es nur ein kleiner Junge aus Sackleinen ist, der durch einen Level hüpft, [...] konnte ich mich gleich mit ihm identifizieren" , so der Entwickler bezüglich der Mimikdarstellung. Ärger, Trauer, Furcht oder Freude lassen sich in je drei verschiedenen Stufen ausdrücken, und zwar durch wiederholtes Drücken der entsprechenden Richtungstasten am Steuerkreuz (D-Pad). Spieler können also die jeweils bevorzugte Mimik jederzeit schnell auswählen.

Dadurch, dass die Sackboy-Hände mit dem linken Stick bewegt werden, lassen sich auch einfache Gesten und Posen nutzen. Bei schneller Stick-Bewegung etwa von links unten nach rechts oben können durch die Luft fliegende Fäuste auch den Nachbar treffen, der dann nach kurzem Flug zu Boden geht. Alternativ kann auch mit den kleinen Händen gezogen werden – etwa um alleine oder gemeinsam einen Gegenstand aus dem Weg zu räumen.

Das Knuffen und Zerren nahm beim Anspielen dann auch einen Teil der Zeit in Anspruch. Einerseits weil die vielen Steuermöglichkeiten erst erlernt werden müssen, andererseits weil es einfach Spaß macht, herumzualbern, herumzufuchteln und Grimassen zu schneiden. Trotz des großen Andrangs beim PlayStation Day blieb Zeit, den in früheren Präsentationen bereits gezeigten witzigen Skateboard-Level und ein im Editor erstelltes Reaktions-Minispiel auszuprobieren, einen Blick auf weitere Minispiele zu werfen und in den – wohl noch etwas wackligen – Editor hineinzuschnuppern.

Little Big Planet wartet zwar mit vorgefertigten Levels auf, diese lassen sich aber allesamt verändern und darüber hinaus erlaubt der Editor auch die private oder sogar gemeinsame Erstellung ganz neuer Level oder Spiele. Nach dem Starten des Editors öffnet sich ein riesiges Spielfeld, das wie ein leerer Karton aussieht, von dessen linken zum rechten Rand das Sackmännchen etwa fünf Minuten laufen müsste. Genug Platz für kleine bis größere Ideen also.

Im Editor lassen sich einfach und schnell geometrische, veränderbare Formen, viele verschiedene Materialien, Farben, Muster, Motoren und mechanische Gebilde wie Zahnräder sowie ein großes Sammelsurium an vorgefertigten Gegenständen einsetzen. Während des Editierens ist der Level pausiert, Gegenstände folgen nicht der Schwerkraft, bleiben also in der Luft hängen und bewegen sich ebenso wie die einsetzbaren mechanischen Vorrichtungen nicht.

In Kombination mit der Physik-Engine von Little Big Planet lassen sich Wippen, Fallen, Räder, Karusselle, Katapulte und bewegte Hürden oder sonstige Transportmittel realisieren. Im erwähnten Reaktionsspiel galt es etwa, einer sich immer schneller drehenden Kurbel durch Springen auszuweichen, der Verlierer flog zuerst von der Plattform und riss selbige und damit auch Mitstreiter in die Tiefe. Am Ende gab es eine Auswertung.

Ein anderes mit dem Editor erstelltes Minispiel wurde auf der PS3 nebenan präsentiert: Hier musste man sich abwärts durch ein Gerüst bewegen. Wer zu langsam oder zu schnell ist, kommt in Kontakt mit einer grünen Gaswolke und das Spiel ist vorbei.

Wer Ideen hat, wird mit Little Big Planet einen umfangreichen Baukasten geliefert bekommen – einen vernetzten zudem, denn über das PlayStation Network (PSN) lassen sich die Eigenkreationen weitergeben und gemeinsam erleben. Da ein solches Spiel von einer aktiven Community lebt, soll auch dieser Punkt sehr wichtig sein – man kann Little Big Planet zwar alleine spielen, mehr Spaß dürfte es aber gemeinsam auf dem Sofa oder über das Internet machen.

Für Sony Computer Entertainment ist das in Europa von Media Molecule entwickelte Little Big Planet ein wichtiger PlayStation-3-Titel, der bereits vor der Veröffentlichung große Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Das liegt einerseits am Ideenreichtum des Produkts, anderseits am Entwicklerteam selbst, denn das erste Spiel von Media Molecule ist die Marionettenprügelei Rag Doll Kung Fu, die auch zur Gründung des Studios führte und unter anderem von einem ehemaligen Angestellten von Lionhead Studio stammt.

Das kostenpflichtige Little-Big-Planet-Spiel nebst Editor sowie künftige Erweiterungen werden ab Oktober 2008 zum Download über das PlayStation Network angeboten. Zum Umfang des Downloads wollten Media-Molecule-Mitarbeiter beim PlayStation Day noch nichts sagen. Die Vernetzung über das PSN soll die kreative Vernetzung der Fans fördern, vielleicht weitreichender als mit den privaten Singstar-Auftritten auf der PS3 derzeit. Sony geht es darum, seinem PlayStation Network einen kreativeren Anstrich zu geben. Die Nutzer sollen stärker einbezogen werden, als es derzeit beim Erzrivalen Xbox Live (Xbox 360) möglich ist. Mit Little Big Planet könnte das durchaus gelingen, sofern ständige Erweiterungen durch Sony und die Gamer selbst die weniger kreativen Little-Big-Planet-Spieler bei Laune halten.


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