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Spieletest: Müllabfuhr-Simulator 2008 - echter Trash

Ein bisschen Wirtschaftssimulation und viel eintöniges Mülleimer-Leeren. Die wahren Abenteuer winken im Alltag – und nicht auf fremden Planeten, in mächtigen Königreichen oder im Auftrag irgendwelcher Majestäten. Und im Müllabführ-Simulator 2008: Wer echte Herausforderungen sucht, findet dort nie gekannte Proben für Geduld und Leidensfähigkeit.
/ Peter Steinlechner
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Das Image der Abfall-Entsorgungsbranche könnte besser sein – aber letztendlich ist dieser Wirtschaftszweig absolut seriös und bietet ebenso interessante wie abwechslungsreiche Jobs mit Zukunft. Warum also sollten aufgeschlossene Computerspieler nicht die Möglichkeit nutzen, ihre Nase zumindest virtuell in den Berufsalltag der Müllmänner zu stecken? In Müllabfuhr-Simulator 2008 managt man eine auf die Beseitigung von Unrat spezialisierte Firma und verrichtet im orangen Anzug den Dienst auf der Straße. Das Programm stammt vom Mönchengladbacher Publisher Astragon, der bereits Preziosen wie Landwirtschafts-Simulator 2008, Schiffs-Simulator 2008 und Bus-Simulator 2008 anbietet.

Bevor es auf die Straße geht, gründen angehende Saubermänner im Müllabfuhr-Simulator 2008 per Menü ihre eigene Firma. Die nimmt einen Kleinkredit auf, kauft ein neues oder gebrauchtes Müllfahrzeug und heuert die Müllmänner Klaus, Martin oder Horst an, von denen die eigentliche Drecksarbeit zu erledigen ist. Geld verdient das Unternehmen mit der Vermietung von Werbeflächen am Lkw, aber vor allem durch die Annahme von Aufträgen. Beispielsweise möchte eine Vorstadtsiedlung, dass jemand sieben Mülltonnen leert, und lobt dafür einen Geldbetrag aus. Die Aufträge laufen zwar ohne eigentliches Zeitlimit ab – aber wer zu lange rumtrödelt, dem fressen die laufenden Kosten für Personal und Zinsen jeden Gewinn auf.

Die meiste Zeit im Müllabfuhr-Simulator 2008 verbringen Computerspieler auf der Straße im 3D-Modus. In Personalunion agieren sie als Fahrer und als Tonnenschieber. Der Mann hinterm Lenkrad steuert nacheinander die Mülltonnen an. Sobald der Wagen neben den vollen Behältern steht, übernimmt sein Kumpel das Kommando. Mit einer erstaunlich langen Reihe von Leertasten- und Enterbefehlen plus den Pfeiltasten läuft er zur Tonne, schiebt sie zum Lkw, leert sie aus, kehrt auf sein Steigplätzchen zurück und gibt an den Fahrer zurück. Das war es – dieser Vorgang wiederholt sich, bis der Auftrag absolviert ist.

Grafisch fährt der Müllabfuhr-Simulator 2008 direkt in die Tonne: Die Landschaft im 3D-Modus ist extrem detailarm und flimmert zudem auf eigenartige Weise – schlimm. Außerdem gibt es so gut wie keine Animationen, und auch sonstige Effekte sind Mangelware. Immerhin: Der Sound kommt ganz gut rüber – allerdings ist so ein tiefes Müllwagenbrummen auch kein sonderlich großer Aufwand.

Der Müllabfuhr-Simulator 2008 ist exklusiv auf Windows-PC für rund 15,- Euro erhältlich. Als minimale PC-Hardware wird ein Rechner mit Windows XP/Vista, 512 MByte RAM sowie einem Prozessor mit 1,7 GHz angegeben. Zudem sollten 2 GByte auf der Festplatte frei sein und eine Grafikkarte mit 128 MByte RAM im Rechner stecken. Das Programm ist von der USK ohne Altersbeschränkung freigegeben.

Fazit:
Die DVD des Müllabfuhr-Simulators 2008 landet am besten im Entsorgungsbehälter beim Computerfachhandel, das Booklet im Altpapier und die Hülle gehört in den normalen Hausmüll – sehr viel Besseres kann man mit diesem Schrott kaum anstellen. Angesichts der eklatanten Mängel in Sachen Bedienung, Grafik und dem eigentlichen Spiel machen selbst aufgeschlossene Fans derartiger Programme – falls es sie gibt – besser einen großen Bogen um den Titel. Insbesondere das stupide Abklappern der Hausmülltonnen im 3D-Modus nervt aufgrund der unfassbar umständlichen Steuerung schon nach wenigen Minuten.


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