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DRM: "Kerntechnologie der digitalen Wirtschaft"

Bitkom wirbt mit Broschüre für Kopierschutz

Der Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hat anlässlich des von der WIPO ausgerufenen "Welttages des geistigen Eigentums" eine Broschüre zu DRM (Digital Rights Management) veröffentlicht. Mit der 40-Seiten-Broschüre will der Bitkom "dazu beitragen, ein vollständigeres Bild der existierenden DRM-Technologie zu zeichnen und ihre Möglichkeiten darzustellen."

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Digitales Rechtemanagement ist nicht sonderlich beliebt. Verbraucher sehen in DRM vor allem ein Instrument der Medienindustrien, mit dem die Nutzung legal erworbener Medieninhalte eingeschränkt wird. Nicht nur gibt es Probleme mit der Interoperabilität von Datenformaten und Abspielgeräten. Auch die Möglichkeit, vom Recht auf die Privatkopie Gebrauch zu machen, wird oft durch DRM eingeschränkt. Das gesetzliche Umgehungsverbot für technische Schutzmaßnahmen hindert die Verbraucher daran, von ihrem Recht Gebrauch zu machen, wollen sie nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen. Sollten die Lieferanten eines DRM-Systems beschließen, die Lizenzverwaltung einzustellen, haben die Verbraucher das Nachsehen, wie zuletzt an den Beispielen von Sony Connect und MSN Music deutlich vor Augen geführt wurde. Und nicht zuletzt haben das XCP-Debakel und andere Vorfälle in der Vergangenheit ernste Sicherheitsrisiken beim Einsatz von DRM und Kopierschutzverfahren aufgezeigt. Der weitgehende Verzicht der Musikindustrie auf DRM und der branchenweite Umstieg auf das interoperable MP3-Format belegen, dass die Industrie zunehmend bereit ist, den Verbraucherbedürfnissen entgegenzukommen.

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In deutlichem Gegensatz dazu macht sich der Bitkom für einen flächendeckenden Ausbau von DRM stark und verweist in der aktuellen Publikation seiner "Schriftenreihe Politik" auf dessen Segnungen. Im Vorwort von August-Wilhelm Scheer heißt es: "DRM-Systeme schützen digitale Inhalte vor der illegalen Nutzung oder Verbreitung. DRM kommt damit eine marktschaffende Funktion zu" und weiter "DRM-Systeme bieten dem Verbraucher eine unausschöpfliche Möglichkeit, digitale Inhalte nach ihren Bedürfnissen zu nutzen." <#netxpage> Verbandschef Scheer macht zugleich deutlich, wo die Interessen der Bitkom-Mitglieder liegen, zu den unter anderem alle großen Hersteller aus der IT-Branche gehören: "Alte Vergütungsmodelle wie die Pauschalabgabe sind für digitale Inhalte unbrauchbar und verhindern Innovationen. Stattdessen sollten 'kluge' DRM-Anwendungen zur Grundlage der Vergütung für Rechteinhaber gemacht werden." Die Gerätehersteller wollen von der Zahlung von Urheberabgaben auf Festplatten, Drucker, DVD-Rohlinge und so weiter befreit werden. Stattdessen soll die individuelle Nutzung von Musik, Filmen und anderen digitalen Medieninhalten der Verbraucher erfasst und der Abrechnung mit Rechteinhabern zugrunde gelegt werden. Genau diese Möglichkeiten soll die Broschüre darstellen.

Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos, steuert ein Grußwort zur Broschüre bei. Glos ist vorsichtiger, was die Ablösung von Pauschalabgaben durch ein rein DRM-basiertes Abrechnungssystem angeht. Für ihn "kann [DRM] eine Alternative und Ergänzung zu den am Markt bisher praktizierten Vergütungs- und Pauschalsystemen sein". Er spricht auch die eingangs erwähnten Probleme existierender DRM-Systeme an, wenn er sagt: "DRM ist ein marktflexibles Instrument und bietet Entwicklungspotenzial für neue Märkte und neue Geschäftsmodelle. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass DRM im Konsens aller Beteiligten entwickelt und praktiziert wird. Die eingesetzten Verfahren und Geräte müssen interoperabel und transparent sein. Freilich darf die Nutzung digitaler Werke nicht in wettbewerblich oder sachlich nicht gerechtfertigter Weise begrenzt werden."

Die Broschüre beschreibt im Anschluss daran die grundlegende Funktionsweise und ökonomische Bedeutung von DRM. Anhand von Beispielen wird verdeutlicht, wie sich Wertschöpfungsketten durch DRM-Einbindung verändern. Es werden Geschäftsmodelle vorgestellt, die sich DRM-Funktionen bedienen, um beispielsweise Abonnements oder Vorschaufunktionen für digitale Inhalte zu realisieren. Auch auf Fragen der Standardisierung und der Interoperabilität wird eingegangen, ohne allerdings die Folgen fehlender Standards hinreichend zu problematisieren.

Im Kapitel "Anwendungsfelder" geht es dann um "Embedded Systems in industriellen Anwendungen", "Anwendungs-Software", "E-Books", "Spiele", "Audio", "Video" und "Fernsehen". Gerade im Audiobereich hat die DRM-Akzeptanz in den vergangenen Jahren große Rückschläge hinnehmen müssen. Branchenkenner reden allerorten davon, dass DRM für Musik praktisch "tot" sei, mit Ausnahme von Musikdownloads für Mobiltelefone. Für den Bitkom "basiert das aktuelle Akzeptanzproblem von DRM-Anwendungen im Musikbereich auf Vorstellungen von Eigentums- und Verwertungsrechten, die durch Geschäftsmodelle des analogen Zeitalters geprägt sind".

Aus Sicht des Verbandes geht es deshalb darum, "das Rechtsverständnis an die digitale Welt anzupassen", wie es in der Zusammenfassung der Broschüre heißt. Durch - "aus analytischer Sicht" - "Rekonfiguration der DRM-Optionen", das heißt "anstelle restriktiver Nutzungsrechte wie Kopierschutz werden Musikdateien zu einem höheren Preis ohne diese Restriktionen verkauft", würde gegenwärtig die Kundenakzeptanz erhöht, stellt der Bitkom fest. Wer die Preisentwicklung bei Musikdownloads seit dem weitgehenden Verzicht der großen Tonträgerhersteller verfolgt hat, wird sich wohl nicht ohne Grund fragen, was der Bitkom hier meint. Ein allgemeiner Preisanstieg durch den DRM-Verzicht ist keineswegs zu beobachten, ganz im Gegenteil. [von Robert A. Gehring]



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2Cent 23. Jul 2008

DRM schützt meine Ohren vor dem Müll, da ich den Mainstream Mist auch nicht versehentlich...

vektor 29. Apr 2008

Selbst bei Patenten werden die Monopolrechte in den meisten Fällen viel zu lange gewährt!

Der Kaiser 29. Apr 2008

*weniger Eigentum! *mehr Versklavung! Viva le WIPO!

kicher_lach_groehl 28. Apr 2008

Letztendlich lassen Deine Papierrollen Herkunft und Authentizitaet bestimmen. Ein...


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