Abo
  • Services:

Open Access für Wissenschaft 2.0?

"Kulturwechsel in der Wissenschaftswelt nötig"

Die Wissenschaftszeitschrift Scientific American sieht Anzeichen für fundamentale Veränderungen in der Wissenschaftswelt. Eine radikale Hinwendung zu Open Access könnte den Fortschritt fördern.

Artikel veröffentlicht am ,

Wissenschaft 1.0: Wissenschaftler arbeiten im akademischen Elfenbeinturm, brüten über ellenlangen Listen von Daten und Literaturverweisen und produzieren daraus am Ende Aufsätze, die in teuren Fachzeitschriften erscheinen. Die Beschreibung stimmt so spätestens seit dem Erscheinen der erster Open-Access-Zeitschrift nicht mehr. Die Nutzung der technischen Möglichkeiten des Web 2.0 könnte die Welt der Wissenschaft noch deutlicher verändern. Die Wissenschaftszeitschrift Scientific American (SCIAM) widmet den jüngsten Entwicklungen auf dem Weg zu "Wissenschaft 2.0" in ihrer Mai-Ausgabe einen umfangreichen Artikel, in dem sowohl Befürworter als auch Skeptiker der neuen Offenheit in der Wissenschaft zu Wort kommen.

Stellenmarkt
  1. MT AG, Großraum Düsseldorf-Köln-Dortmund
  2. TDM Systems GmbH, Tübingen

Als ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Einführung eines offenen Wikis führt SCIAM das OpenWetWare-Projekt des MIT an. OpenWetWare will nach eigener Aussage "das Miteinanderteilen von Information, Know-how und Weisheit von Forschern und Forschungsgruppen auf den Gebieten der Biologie und des Bio-Engineerings fördern". Ein wichtiges Werkzeug dazu sind "elektronische Laborbücher" (Lab Notebooks), in denen die Forscher ihre tägliche Arbeit dokumentieren und für Kollegen sichtbar machen. Fortschritte und Rückschläge werden so allgemein sichtbar. SCIAM zitiert Bill Hooker, einen Postdoktoranden am Shriners Hospital for Children in Portland, der selbst ein offenes Laborbuch führt: "Mein Laborbuch zu öffnen, heißt für mich, den Leuten Einblick in meine tägliche Arbeit zu geben. Das ist ein enormer Forschritt. [...] In einem Aufsatz kann ich lesen, was jemand gemacht hat. Aber ich kann nicht erkennen, wie viele Versuche gescheitert sind. Mit einem offenen Notizbuch werden diese kleinen Details alle sichtbar, die durch unsere anderen Kommunikationsmechanismen verborgen werden."

Jean-Claude Bradley, Chemiker an der Drexel-Universität, betreibt seit Dezember 2005 ein offenes Laborbuch. Er ist ein großer Befürworter dieses Werkzeugs und verweist unter anderem auf den Zeitstempel, den jeder Eintrag in seinem Wiki bekommt. Mit dessen Hilfe ließe sich im Zweifel sehr schnell feststellen, wer eine Idee zuerst geäußert hat. Für Wissenschaftler, deren Ruf auch von der Priorität des Erkenntnisgewinns abhängt, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Bradley sieht allerdings auch Nachteile und Risiken. So lässt der Schutz der Privatsphäre von Patienten eine vollständige Veröffentlichung aller Informationen in einem offenen Laborbuch nicht zu. Auch die Publikationsrichtlinien renommierter Fachzeitschriften verlangen von den Forschern oft Exklusivität, so dass eine Veröffentlichung in einem offenen Laborbuch nicht in Frage kommt. Der Offenheit entgegen steht auch die Absicht zur Patentanmeldung.

Alles in allem werden offene Laborbücher die Welt der Wissenschaft wohl nicht schon morgen erobern. Dazu bedarf es wohl noch eines tiefgreifenderen Kulturwandels in der Wissenschaftswelt, meint SCIAM. Nichtsdestotrotz wird das Web 2.0 wohl auch die Wissenschaft erobern, früher oder später. [von Robert A. Gehring]



Anzeige
Top-Angebote
  1. ab 62,98€ (Release am Freitag, mit Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. 264,00€
  3. ab 479€
  4. ab 219,00€ im PCGH-Preisvergleich

SchrödersKatz 23. Apr 2008

Fünftens: Wer zum Teufel soll denn Tausende Laborbücher lesen? Da bringen mir...

ohmygod 23. Apr 2008

... nur diesmal, ohne dafür gegen bestehendes Recht zu verstoßen. Super! Andererseits mM...

Lebys 23. Apr 2008

Ich bin dagegen, denn ich habe bis heute,nicht einen cent für meine ergebnisse gesehen...

Raven 22. Apr 2008

Dass in Deutschland gegen das Urheberrecht verstoßen wird, ist ja auch vollkommen...


Folgen Sie uns
       


Coup Elektroroller in Berlin - Kurzbericht

Coup lädt bis zu 154 Akkus in Berlin an einer automatischen Ladestation für 1.000 Elektroroller auf.

Coup Elektroroller in Berlin - Kurzbericht Video aufrufen
Gigabit: 5G-Planungen gehen völlig an den Nutzern vorbei
Gigabit
5G-Planungen gehen völlig an den Nutzern vorbei

Fast täglich hören wir Erklärungen aus der Telekommunikationsbranche, was 5G erfüllen müsse und warum sonst das Ende der Welt drohe. Wir haben die Konzerngruppen nach Interessenlage kartografiert.
Ein IMHO von Achim Sawall

  1. Bundesnetzagentur Regierung will gemeinsames 5G-Netz auf dem Land durchsetzen
  2. Mobilfunk Telekom will 5G-Infrastruktur mit anderen gemeinsam nutzen
  3. Fixed Wireless Access Nokia bringt mehrere 100 MBit/s mit LTE ins Festnetz

Probefahrt mit Tesla Model 3: Wie auf Schienen übers Golden Gate
Probefahrt mit Tesla Model 3
Wie auf Schienen übers Golden Gate

Die Produktion des Tesla Model 3 für den europäischen Markt wird gerade vorbereitet. Golem.de hat einen Tag in und um San Francisco getestet, was Käufer von dem Elektroauto erwarten können.
Ein Erfahrungsbericht von Friedhelm Greis

  1. 1.000 Autos pro Tag Tesla baut das hunderttausendste Model 3
  2. Goodwood Festival of Speed Tesla bringt Model 3 erstmals offiziell nach Europa
  3. Elektroauto Produktionsziel des Tesla Model 3 erreicht

Campusnetze: Das teure Versäumnis der Telekom
Campusnetze
Das teure Versäumnis der Telekom

Die Deutsche Telekom muss anderen Konzernen bei 5G-Campusnetzen entgegenkommen. Jahrzehntelang von Funklöchern auf dem Lande geplagt, wollen Siemens und die Automobilindustrie nun selbst Mobilfunknetze aufspannen. Auch der öffentliche Rundfunk will selbst 5G machen.
Eine Analyse von Achim Sawall

  1. Funklöcher Telekom bietet freiwillig hohe 5G-Netzabdeckung an
  2. 5G Telekom hat ihr Mobilfunknetz mit Glasfaser versorgt
  3. Stadtnetzbetreiber 5G-Netz kann auch aus der Box kommen

    •  /