Abo
  • Services:
Anzeige

Musikindustrie soll Zugriff auf Kommunikationsdaten erhalten

Bundesregierung will Auskunftsanspruch bei Urheberrechtsverletzungen

Am Freitag, dem 11. April 2008, wird der Bundestag über den Entwurf der Bundesregierung für das "Gesetz zur Verbesserung der Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums" abstimmen. Damit will die Bundesregierung bei Urheberrechtsverletzungen einen Auskunftsanspruch für Rechteinhaber gegenüber Dritten einführen, so dass z.B. die Musikindustrie Namen und Anschrift von Tauschbörsennutzern direkt bei den Providern abfragen kann, ohne hierfür den Weg über Polizei und Staatsanwaltschaft gehen zu müssen.

Wollen Rechteinhaber derzeit gegen P2P-Nutzer vorgehen, die gegen ihre Rechte verstoßen, erstatten sie Anzeige gegen unbekannt unter Angabe der IP-Adresse und dem Zeitpunkt der unerlaubten Handlung. Die Staatsanwaltschaft leitet daraufhin ggf. ein Verfahren ein, erwirkt einen richterlichen Beschluss und fordert den jeweiligen Provider auf, die Daten des Anschlussinhabers herauszugeben, sofern diese noch gespeichert sind. Durch Einsicht in die Ermittlungsakten erhält so auch der Rechteinhaber die Daten des Nutzers und kann gegen diesen zivilrechtlich vorgehen.

Anzeige

Dieses Verfahren belastet die Staatsanwaltschaften aufgrund der großen Zahl an Verfahren, kostet Zeit und bringt oft wenig, da die Daten der Nutzer bei den Providern mitunter schon gelöscht sind. Letzteres ändert sich aber durch die Anfang 2008 eingeführte Vorratsdatenspeicherung.

Mit dem "Gesetz zur Verbesserung der Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums" soll sich dies nun ändern. Eigentlich soll das Gesetz die Durchsetzungsrichtlinie der EU umsetzen, geht allerdings über die geforderten Regelungen hinaus.

So heißt es im Entwurf des § 101 Absatz 2, der in das Urheberrecht eingeführt werden soll: "In Fällen offensichtlicher Rechtsverletzung oder in Fällen, in denen der Verletzte gegen den Verletzer Klage erhoben hat, besteht der Anspruch unbeschadet von Absatz 1 auch gegen eine Person, die in gewerblichem Ausmaß 1. rechtsverletzende Vervielfältigungsstücke in ihrem Besitz hatte, 2. rechtsverletzende Dienstleistungen in Anspruch nahm, 3. für rechtsverletzende Tätigkeiten genutzte Dienstleistungen erbrachte oder 4. nach den Angaben einer in Nummer 1, 2 oder Nummer 3 genannten Person an der Herstellung, Erzeugung oder am Vertrieb solcher Vervielfältigungsstücke, sonstigen Erzeugnisse oder Dienstleistungen beteiligt war, es sei denn, die Person wäre nach den §§ 383 bis 385 der Zivilprozessordnung im Prozess gegen den Verletzer zur Zeugnisverweigerung berechtigt."

Diese Regelung betrifft direkt Nutzer von Tauschbörsen, merkt der Grünen-Abgeordnete Jerzy Montag an: "Die Union hat außerdem die Regelung durchgesetzt, wonach der Urheberrechtsverletzer in gewerblichem Ausmaß gehandelt haben muss. Das klingt zwar nach einer Einschränkung, ist aber keine: Denn in gewerblichem Ausmaß ist die Rechtsverletzungen schon dann, wenn sie zwecks Erlangung eines un- oder mittelbaren wirtschaftlichen oder kommerziellen Vorteils vorgenommen wurde. Wer also beim privaten Runterladen Kosten für einen Songtitel sparen will, fällt unter die Regelung!"

Zwar stehe in der Gesetzesbegründung, dass Handlungen, die Endverbraucher in gutem Glauben vorgenommen haben, in der Regel ausgeschlossen sind, doch die Koalition weigere sich, diese Gutgläubigkeit auch in den Gesetzestext hineinzuschreiben. Damit besteht die Gefahr fort, dass künftig jede noch so kleine Urheberrechtsverletzung unter Verwendung personenbezogener Daten verfolgbar sein wird, so Montag.

Ein solcher Drittauskunftsanspruch ist im deutschen Recht ein absolutes Novum, denn "bisher kann niemand seinen Nachbarn auf Auskunft verklagen, wenn dieser behauptet gesehen zu haben, wer das eigene Fahrrad beschädigt hat", kritisiert Montag und steht damit nicht allein da.

Anders als von der Musikindustrie gefordert bedarf es allerdings einer richterlichen Verfügung, wenn auf Verkehrsdaten zugegriffen werden soll.

Bei privaten Nutzern will die Bundesregierung zudem die Abmahnkosten deckeln: "Der Ersatz der erforderlichen Aufwendungen für die Inanspruchnahme anwaltlicher Dienstleistungen für die erstmalige Abmahnung beschränkt sich in einfach gelagerten Fällen mit einer nur unerheblichen Rechtsverletzung außerhalb des geschäftlichen Verkehrs auf 50 Euro", soll es in § 97 Absatz 2 des Urheberrechtsgesetzes heißen.

Wer Tauschbörsen nutzt, kann aber schnell als gewerblicher Nutzer eingestuft werden, wie Jerzy Montag ausführt.


eye home zur Startseite
HeavyMetalManiac 10. Apr 2008

hallo falls noch einer hier liest, bitte meldet euch bei euren abgeordneten und schickt...

Musiker 10. Apr 2008

Yokott und so! Ist klar! Als ob dieses träge Volk den Arsch hoch kriegen würde etwas zu...

Anti-Trill 10. Apr 2008

Bitte Deinen Text nochmal selbst lesen -> totaler Unsinn.

Meaper 10. Apr 2008

Ich sehe die Gefahr auch. Das ist der erste Schritt auf dem Weg zur Selbstjustiz der...

don pfiff 09. Apr 2008

Revolution!


Ich Blog Dich! / 08. Apr 2008

Ich Link Dich! (05/2008)

Compyblog / 08. Apr 2008

die sind doch schon tot

blog@netplanet / 08. Apr 2008

Haste 'nen Recht, machste es recht!

blariog.net / 08. Apr 2008

FileSharer sind Schwerverbrecher

Verstand in Gefahr?! / 08. Apr 2008

Arbeitsentlastung für die Justiz

kopfueber / 08. Apr 2008



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Sattel Business Solutions GmbH, Langenau
  2. Robert Bosch GmbH, Stuttgart-Feuerbach
  3. European XFEL GmbH, Hamburg
  4. Daimler AG, Stuttgart


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 8,99€
  2. 119,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  3. 7,49€

Folgen Sie uns
       


  1. Interview auf Youtube

    Merkel verteidigt Ziel von 1 Million Elektroautos bis 2020

  2. Ransomware

    Not-Petya-Angriff kostet Maersk 200 Millionen US-Dollar

  3. Spielebranche

    Mikrotransaktionen boomen zulasten der Kaufspiele

  4. Autonomes Fahren

    Fiat Chrysler kooperiert mit BMW und Intel

  5. Auto

    Toyota will Fahrzeugsäulen unsichtbar machen

  6. Amazon Channels

    Prime-Kunden erhalten Fußball-Bundesliga für 5 Euro im Monat

  7. Dex-Bytecode

    Google zeigt Vorschau auf neuen Android-Compiler

  8. Prozessor

    Intels Ice Lake wird in 10+ nm gefertigt

  9. Callya Flex

    Vodafone eifert dem Congstar-Prepaid-Tarif nach

  10. Datenbank

    MongoDB bereitet offenbar Börsengang vor



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Sysadmin Day 2017: Zum Admin-Sein fehlen mir die Superkräfte
Sysadmin Day 2017
Zum Admin-Sein fehlen mir die Superkräfte

Orange Pi 2G IoT ausprobiert: Wir bauen uns ein 20-Euro-Smartphone
Orange Pi 2G IoT ausprobiert
Wir bauen uns ein 20-Euro-Smartphone
  1. Odroid HC-1 Bastelrechner besser stapeln im NAS
  2. Bastelrechner Nano Pi im Test Klein, aber nicht unbedingt oho

Mitmachprojekt: HTTPS vermiest uns den Wetterbericht
Mitmachprojekt
HTTPS vermiest uns den Wetterbericht

  1. Re: TPM >= 2.0 geht nicht

    MarioWario | 02:10

  2. Re: Hört sich für mich wie eine riesen...

    Proctrap | 02:00

  3. Re: Bundesliga möchte ich nicht mal geschenkt haben.

    zacha | 01:59

  4. Re: Dankeschön, wie großzügig

    zacha | 01:56

  5. Re: traurige entwicklung

    Umaru | 01:48


  1. 16:57

  2. 16:25

  3. 16:15

  4. 15:32

  5. 15:30

  6. 15:02

  7. 14:49

  8. 13:50


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel