Office Open XML ist ISO-Norm (Update)
Die International Organization for Standardization (ISO) selbst will sich erst am morgigen 2. April 2008 zum Ergebnis der zweiten Abstimmung über OOXML-Standard äußern. Doch die Normungsorganisation ECMA International hat nun bereits offiziell bestätigt, dass OOXML von der ISO und der International Electrotechnical Commission (IEC) als Standard ISO/IEC DIS 29500 angenommen wurde. Bereits zuvor waren Dokumente im Internet aufgetaucht , die das Ergebnis der Abstimmung enthielten und von Experten wie Andy Updegrove als glaubwürdig eingestuft wurden.
Die darin genannten Zahlen bestätigt nun auch die ECMA: OOXML erhielt 75 Prozent Ja-Stimmen und nur 14 Prozent der nationalen Gremien stimmten gegen eine Standardisierung. Nötig war eine Zweidrittelmehrheit (also 66,66 Prozent) bei nicht mehr als einem Viertel (also 25 Prozent) Gegenstimmen. Microsoft selbst hatte nach Auftauchen der Informationen bereits kundgetan, dass alles auf eine erfolgreiche Standardisierung hindeuten würde und man zuversichtlich sei – die Sektflaschen in Redmond dürften nun endgültig geöffnet werden.
Die ECMA hatte OOXML bereits 2006 als Standard verabschiedet , womit der Weg frei wurde, um das Format auch bei der ISO einzureichen. Damals gingen etwa die Analysten bei Gartner noch davon aus, dass das Dateiformat kaum eine Chance auf Standardisierung hätte. Die ISO würde nicht mehrere XML-Dateiformate anerkennen und das von der Organisation OASIS entwickelte Konkurrenzformat OpenDocument (ODF) war bereits als ISO-Standard verabschiedet .
Auch deshalb reichte Microsoft sein Format gleich für das sogenannte "Fast Track"-Verfahren ein, das zu einer schnelleren Standardisierung führen soll. Viele Beobachter gingen mit der Zeit dann auch davon aus, dass OOXML zum Standard ernannt werden würde. "Ich befürchte, dass wir uns auf mehrere Standards einrichten müssen und sollten" , hieß es etwa im August 2007 vom ersten Vorsitzenden des Linux-Verbandes, Elmar Geese. Nur wenig später wurde OOXML von der ISO abgelehnt . Microsoft besserte basierend auf den technischen Kommentaren der nationalen Gremien nach und je näher die zweite Abstimmungsrunde rückte, desto besser schienen die Chancen für das Format.
Nicht zuletzt bei der am 29. März 2008 beendeten zweiten Abstimmung gab es einige Berichte über Unregelmäßigkeiten in den nationalen Normungsgremien. So sollen sich vielerorts Microsoft positiv gesinnte Teilnehmer, wie Microsoft-Gold-Partner, an den nationalen Abstimmungen beteiligt haben. In Norwegen läuft gerade eine offizielle Beschwerde gegen die aktuell erfolgte Stimmabgabe. In dem Land sollen nur zwei Teilnehmer für OOXML und 21 dagegen gestimmt haben – das Ergebnis lautete dennoch "Ja". Ähnliche Vorwürfe pflasterten den gesamten Weg hin zur Normung.
Bemängelt wird an OOXML vor allem sein Umfang. Über 6.000 Seiten umfassen die Spezifikationen, weshalb Kritiker es als unmöglich für Konkurrenten ansehen, das Format korrekt zu implementieren. Office Open XML wird bereits in Microsoft Office 2007 als Dateiformat verwendet, doch diese Version des Dokumentenformates soll nicht vollständig zu der von der ECMA, und jetzt von der ISO, standardisierten Fassung kompatibel sein. Selbst eine vollständige Umsetzung dieser Spezifikationen in Software von Microsoft-Konkurrenten würde also nicht garantieren, dass sich Dateien mit Microsofts Büropaket austauschen lassen. Unter anderem deshalb wird befürchtet, dass OOXML Microsofts Quasimonopol weiteren Vorschub leistet. Insbesondere bei Regierungen, die nur auf ISO-zertifizierte Formate setzen und somit wieder bei Microsoft-Software landen würden.
Die Befürworter der Standardisierung sehen das freilich anders: Als wichtigen Schritt sieht beispielsweise Adam Farquhar, Leiter der Digitalabteilung bei der British Library, die Standardisierung an. Der British Library erleichtere dies, Dokumente für kommende Generationen zu archivieren.
Beendet ist das Kapitel OOXML aber ganz sicher noch nicht.
Nachtrag vom 2. April 2008 um 10:16 Uhr:
Die ISO hat das Abstimmungsergebnis nun ebenfalls offiziell bestätigt – ISO/IEC DIS 29500 wurde angenommen, heißt es aus Genf.