IDF: 5 Atome ab 0,6 Watt, Details zur Architektur

Wie bei neuen CPU-Designs üblich, gibt Intel auch beim Atom (früher als "Silverthorne" bekannt) die Informationen über die Architektur und die darum gebaute Plattform nur scheibchenweise bekannt. Die Grundzüge der Atom-Architektur hatte Intel bereits im Februar 2008 zur Konferenz ISSCC erklärt. Im Wesentlichen handelt es sich um einen sehr einfach gestrickten In-Order-Prozessor, dessen Funktionseinheiten per HyperThreading verschiedene Aufgaben erfüllen können.
Negativ an In-Order-Prozessoren wirken sich wüste Multi-Threading-Betriebssysteme wie Windows Vista und deren Anwendungen aus. Die Ausführung eines Threads wird ständig unterbrochen, was für fehlerhafte Sprungvorhersagen und ungültige Daten in Caches sorgt. Letzteres ist auch der Grund, warum Intel dem Atom mit 512 KByte einen für Handheld-CPUs sehr großen L2-Cache spendiert hat. Nicht umsonst favorisiert Intel neben Windows auch Linux für die "Mobile Internet Devices" (MID). Hier kann der Code über einen speziellen Compiler – und solche stellt Intel bekanntlich ja auch her – an die CPU angepasst werden. Ein für Atoms kompiliertes Linux dürfte auf dem Prozessor-Zwerg um ein Mehrfaches schneller laufen als ein Windows aus Closed-Source-Anweisungen.
| Prozessor | Takt | TDP |
| Z500 | 800 MHz | 0,6-0,7 Watt |
| Z510 | 1,1 GHz | 2 Watt |
| Z520 | 1,33 GHz | 2 Watt* |
| Z530 | 1,6 GHz | 2 Watt* |
| Z540 | 1,86 GHz | 2,4 Watt* |
| * Hyperthreading kann die Leistungsaufnahme um weitere 200mW steigern, sofern eine Anwendung ausgeführt wird, die von Hyperthreading Gebrauch macht | ||
Die Pipeline des Atom ist mit 16 Stufen kurz gehalten, die Hälfte davon braucht der Prozessor allein bis zum Cache-Zugriff auf Daten. Wenn hier ein Thread dazwischenfunkt, bremst das für viele Takte – denn die Pipeline hat sich dann umsonst bemüht und kann von vorne anfangen. Anders als noch beim Pentium III soll sie aber von 800 MHz bis 2,5 GHz noch sehr gut skalieren. Die Spannung steigt aber in diesem Bereich von unter 0,7 bis 2,5 Volt an.
Diese TDP-Angabe von 2 Watt kann Intel bis zum Z530 mit 1,6 GHz halten, dabei sind die 20 Prozent mehr Strombedarf für HyperThreading aber noch nicht eingerechnet. Erst das bisherige Spitzenmodell mit 1,86 GHz braucht dann – ohne HT – schon 2,4 Watt. Die "Thermal Design Power" sollte man aber gerade bei mobilen Geräten nicht überbewerten, sie ist in diesem Fall mehr noch als bei Notebooks ein Richtwert für das Kühlsystem.
1 Watt will Intel erst 2009 mit dem Atom-Nachfolger "Lincroft" erreichen, in diesem System-on-a-Chip (Soc) sind bereits Grafik und Speichercontroller integriert. Diese Funktionen muss für Atom bisher noch der Chipsatz "Poulsbo" erledigen. Dieser braucht aber weitere 600 bis 800 Milliwatt, je nachdem, welche seiner Einheiten wirklich benötigt werden. Die beiden x1-Ports für PCI-Express kann man ihm beispielsweise dauerhaft abknapsen, um Strom zu sparen.
Ein HDMI-Interface hat Poulsbo jedenfalls nicht. Dafür kommt er über einen einzelnen Speicherkanal für DDR2-Bausteine mit bis zu 1 GByte bei bis zu effektiv 533 MHz klar. Alle anderen Schnittstellen wie theoretisch acht USB-2.0-Ports, paralleles IDE und drei Ports für SD-Karten – einer dürfte für lokalen Flash-Speicher verwendet werden – bringt er jedenfalls auch mit.
Die Ausstattung ist damit ziemlich komplett – wären da nicht die Netzwerke. Für alles, vom GSM oder UMTS über WLAN oder GPS, braucht eine Atom-Plattform Zusatzbausteine. Die hat Intel aber immerhin auch bis auf das in den USA weitgehend unbekannte UMTS auf einer Platine als Referenz-Design von 74 x 143 Millimetern schon integriert.
Nun fehlen nur noch die attraktiven Geräte aus diesen Bausteinen von Intel. Dass sich Steve Jobs mit einem atombetriebenen iPhone in Schanghai blicken lässt, was damit auch sein erster IDF-Auftritt wäre, darf bezweifelt werden. Zeit wäre es: Den Intel-CEO Paul Otellini ließ Apple schon zwei Mal auf seinen Veranstaltungen auftreten.