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Interview: "Daten brauchen ein Verfallsdatum"

Golem.de: Auch im analogen Zeitalter wurden ja Daten für alle Zeiten gespeichert und stellen heute beispielsweise ein wichtiges Instrument für Forscher dar. Worin unterscheiden sich denn analoge von digitalen Daten? Gibt es qualitative Unterschiede?

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Mayer-Schönberger: Ich bin nicht gegen Archive. Wenn wir als Gesellschaft oder als Einzelperson entscheiden, etwas für lange Zeit oder für immer aufzubewahren, ist dagegen nichts einzuwenden. Ich habe nur primär etwas dagegen, dass wir per Default und ohne die Menschen mit der Frage zu konfrontieren, Informationen aufbewahren.

Aber zum Unterschied zwischen digital und analog: Im digitalen Zeitalter können wir enorme Datenmengen sehr günstig speichern. Die Speicherkosten sind ja sehr gesunken. Eine konventionelle Bibliothek hatte nur beschränkten Platz und musste deshalb jedes Jahr Bücher aussortieren. In der digitalen Welt gibt es so eine Beschränkung nicht. Dann ist der Abruf von Informationen durch Volltext-Indizierung wesentlich einfacher und schneller geworden. Wenn man in einer Bibliothek etwas sucht, muss man erst über den Katalog ein Buch finden und dann über das Stichwortverzeichnis im Buch die Information. Die Information ist also nicht sehr transparent. Das trifft auf digitalisierte und indizierte Informationen nicht zu. Drittens ist der Zugang über das Internet einfacher, man muss nicht mehr vor Ort sein. Diese Merkmale zusammengenommen, machen eine andere Qualität aus.

Golem.de: Es gibt Leute, wie etwa den Internetarchivar Brewster Kahle, die sich Gedanken darüber machen, wie man digitale Informationen dauerhaft speichern kann, damit sie nicht flüchtig sind und damit unser Zeitalter kein dunkles Zeitalter ohne Aufzeichnungen wird. Sie hingegen wollen die Daten noch flüchtiger machen.

Mayer-Schönberger: Nur dort, wo die Nutzer sie flüchtiger machen wollen. Brewster Kahle ist ein begnadeter Archivar, und als solcher muss er natürlich bestrebt sein, alle Informationen festzuhalten und aufzubewahren. Aber über die Menschheitsgeschichte gesehen haben wir immer nur einen Bruchteil der Informationen jedes Abschnittes aufbewahrt. Das Meiste ist in Vergessenheit geraten. Aus verschiedenen Gründen ist das auch ganz gut so.

Das Internet-Archive geht aber immerhin so weit, dass es Daten aus seinen Beständen löscht, die Betroffene löschen wollen. Es macht also seine Aktivitäten transparent und kommt den Menschen entgegen. Das finde ich gut. Mir wäre es aber lieber, wenn wir aktiv entscheiden könnten, dass unsere Daten im Internet-Archive gesammelt werden. Etwa über einen Snapshot-Button: Wenn ich darauf klicke, wird meine Website archiviert. Dann kann ich selbst bestimmen, wie oft meine Seite gespeichert wird. Es ist ein bewusster Akt von mir und nicht der Crawler des Internet-Archive, der meine Seite speichert.

Golem.de: Ihr Anliegen ist also, dass die Nutzer mit ihren Daten bewusst umgehen.

Mayer-Schönberger: Ja. Sie sollen bewusst damit umgehen, sich bewusst erinnern - und im Zweifel vergessen.

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Langzeitleser 12. Jan 2009

Ich, wie man unschwer erkennen kann. Sogar Deinen Kommentar. ;)

raccoon 03. Apr 2008

FULL ACK

raccoon 03. Apr 2008

genau darum geht es, so soll es net sein. auch passiert es schonmal dass man ein...

raccoon 03. Apr 2008

keiner hat lust darauf dass ein Youttubevideo was er mal als spass für seine kolegen...

Jay Äm 03. Apr 2008

Nein, das ist eine deutsche Unart. Wenn ich an die amerikanischen User denke, die ich...


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