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Interview: "Daten brauchen ein Verfallsdatum"

Golem.de: Datenschutz ist ein gutes Stichwort. Viele Nutzer gehen ja viel zu sorglos mit ihren Daten um, geben viel zu viel über sich im Internet preis. Brauchen wir denn eine neue Medienkompetenz für das Internet?

Mayer-Schönberger: Das ist ein zentrales Element. Das von mir geforderte Ablaufdatum soll die Menschen ständig mit dieser Fragestellung konfrontieren. Das regt an, darüber nachzudenken, welche Daten ein Anbieter warum speichern will.

Dann können wir die Datensammlungen auch zielgerichteter angehen, bei Google etwa. Wenn mich ein Bekannter fragt: "Weißt Du noch, welchen Wodka wir neulich getrunken haben?", und ich suche bei Google danach, dann möchte ich nicht, dass Google diese Suche speichert. Denn sie ist für meine normale Suchstrategie völlig irrelevant. Selbst wenn ich also bewusst zustimme, dass alle meine Suchanfragen gespeichert bleiben, um die Ergebnisse zu verbessern, möchte ich gerade diese Anfrage nicht in der Historie meiner Anfragen sehen, weil sie das Ergebnis verfälscht. Mir als User also die Möglichkeit zu geben, diese bestimmte Anfrage zu löschen, hilft Google sogar, bessere Ergebnisse zu liefern. Insofern ist es falsch, zu glauben, dass die Macht des Einzelnen über seine Daten gleichzeitig eine Ohnmacht des Datenverarbeiters bedeutet.

Golem.de: Wer soll diese Medienkompetenz vermitteln?

Mayer-Schönberger: Sie, die Medien!

Golem.de: Wir?

Mayer-Schönberger: Ja. Diese muss über den öffentlichen Diskurs hergestellt werden. Die Nutzung von Google ist eine Kulturtechnik, und die richtige Verwendung einer Kulturtechnik ist eine Erziehungs- und Bildungsaufgabe, die im öffentlichen Diskurs durchgegangen werden muss.

Golem.de: Was ist mit Schulen und Universitäten?

Mayer-Schönberger: Die sind zweifellos auch gefragt. Aber wir leben in einem Zeitalter, in dem wir Bildung und Ausbildung nicht auf die Zeit zwischen 6 und 24 Jahren beschränken können. Denn das würde bedeuten, dass wir mit 25 Jahren bereits alles gelernt haben - und das stimmt natürlich nicht, gerade bei der Medienkompetenz.

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Golem.de: Wie sieht es mit Gefahren aus? Was kann Nutzern passieren, die allzu sorglos ihre Daten im Internet preisgeben?

Mayer-Schönberger: Ich verdeutliche das immer gern am Beispiel einer amerikanischen Lehrerin, die ein Foto auf ihrer MySpace-Seite veröffentlicht hatte, das sie möglicherweise betrunken zeigte. Sie bekam keine Lehrbefugnis, weil die Universität ihr Benehmen für unmoralisch hielt. Dann gibt es den Fall eines angesehenen kanadischen Psychotherapeuten, der vor einigen Jahren in einem wissenschaftlichen Artikel zugab, in den 60er-Jahren einmal LSD probiert zu haben. Bei der Einreise in die USA wurde er gestoppt, und einer der Grenzbeamten suchte bei Google nach ihm. Er fand den Artikel und fragte den Therapeuten, ob die Aussage stimme. Er bejahte. Der Grenzbeamte sagte daraufhin, das sei ein Verstoß gegen bestehende Gesetze. Bei der letzten Einreise habe der Therapeut aber angegeben, nie gegen Gesetze verstoßen zu haben. Der Kanadier wurde daraufhin zurückgewiesen und darf nur noch mit einer Sondergenehmigung in die USA einreisen. Das ist zwar absurd, aber das amerikanische Konsulat hat das bestätigt.

Grenzbeamte in den USA nutzen Google immer häufiger auf der Suche nach Informationen über Einreisende. Bedenkt man zudem die Tatsache, dass viele Informationen im Internet nicht stimmen oder nicht mehr aktuell sind, dann haben wir das Problem plastisch vor uns.

Golem.de: Zumal es schwierig ist, Daten aus dem Internet wieder zurückzuziehen.

Mayer-Schönberger: Das war auch das Problem der Lehrerin. Sie hatte überlegt, das Foto aus dem Netz zu nehmen. Aber wenn die Daten bereits im Google Cache oder im Internet-Archive erfasst sind, dann ist das gar nicht mehr so einfach. Auch wenn ich Daten selbst ins Internet gestellt habe, kann ich sie nicht mehr herausnehmen. Das ist eine seltsame Situation: Ich kann Informationen zwar hergeben, aber ich kann sie nicht mehr zurücknehmen, weil ich nicht weiß, wo sie schon überall sind.

 Interview: "Daten brauchen ein Verfallsdatum"Interview: "Daten brauchen ein Verfallsdatum" 

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Langzeitleser 12. Jan 2009

Ich, wie man unschwer erkennen kann. Sogar Deinen Kommentar. ;)

raccoon 03. Apr 2008

FULL ACK

raccoon 03. Apr 2008

genau darum geht es, so soll es net sein. auch passiert es schonmal dass man ein...

raccoon 03. Apr 2008

keiner hat lust darauf dass ein Youttubevideo was er mal als spass für seine kolegen...

Jay Äm 03. Apr 2008

Nein, das ist eine deutsche Unart. Wenn ich an die amerikanischen User denke, die ich...


Das Frage-Blog / 04. Apr 2008

maltekuklau.de / 02. Apr 2008

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