Computerchip soll Blinde wieder sehen lassen
Der etwa 2 cm lange Chip wird in das Auge des Patienten implantiert und mit dem Sehnerv gekoppelt. Er empfängt drahtlos Bilder von einer Kamera, die auf einer Brille angebracht ist. Seine Energie, nur wenige Milliampere, bezieht der Chip dabei aus den Funkwellen.
Allerdings, so schränkt Peter Walter, Direktor der Aachener Augenklinik, ein, würden die Patienten mit dem Epiret-System nicht ihr volles Sehvermögen wiedererlangen. So werden die Patienten dann zwar Hindernisse erkennen, nicht aber ein Buch lesen können.
Das liegt auch an der Auflösung des Chips: Die aktuelle Version hat gerade mal 25 Bildpunkte. Kommende Versionen werden da leistungsfähiger sein. So soll der Nachfolger bereits über 64 Bildpunkte verfügen. Als Ziel geben die Forscher 200 bis 400 Pixel an. Mehr werden es aber voraussichtlich nicht werden.
Eine Schwierigkeit ist, dass das Sehzentrum jedes Menschen anders arbeitet. Deshalb müssen die Wissenschaftler einen so genannten Encoder entwickeln, der Bildinformationen in elektrische Signale umwandelt, die die Nerven verstehen.
Die Prothese wurde für Patienten entwickelt, die an Retinopathia pigmentosa(öffnet im neuen Fenster) leiden. Bei dieser Augenkrankheit sterben die lichtempfindlichen Zellen im Auge langsam ab, der Patient erblindet langsam. Der Sehnerv bleibt allerdings erhalten. Diese Tatsache macht sich Epiret3 zunutze. In Deutschland leiden etwa 10.000 Menschen an dieser Erbkrankheit. Weltweit sind es rund 3 Millionen. Ein weiteres Einsatzgebiet ist die Makula-Degeneration(öffnet im neuen Fenster), die die Hauptursache für Altersblindheit darstellt.
Das deutsche Retina-Implantat ist nicht das einzige, auch Forscher in anderen Ländern entwickeln seit längerem an solchen Systemen. Sie setzen dabei jedoch auf drahtgebundene Datenübertragung. Vorteil der Funktechnik ist, dass das Infektionsrisiko für die Patienten deutlich niedriger ist.
Die Entwicklung des Epiret3, die vom Bundesforschungsministerium unterstützt wurde, begann 1995. Nun haben mehrere Medizintechnikunternehmen das Unternehmen EpiRet(öffnet im neuen Fenster) gegründet, das den Chip bis in etwa drei Jahren marktreif machen soll.



