Studie: Kinder sind länger online als angenommen
Nach den Ergebnissen des Institute for Public Policy Research(öffnet im neuen Fenster) (ippr) hat damit das Internet den Platz des Fernsehens bei den Jugendlichen eingenommen.
Die meiste Zeit stöbern die Jugendlichen dabei auf Social-Networking-Sites wie Bebo, MySpace und Facebook oder auf dem Videoportal YouTube. Dabei verbringen sie zuweilen auch die halbe Nacht vor dem Computer. Aufsicht oder Kontrolle durch Eltern gibt es dabei kaum. Das liege, so ippr, am fehlenden Wissen und Verständnis der Eltern, die oft keine Ahnung davon haben, was ihre Kinder im Internet machen.
Laut ippr haben vier von fünf Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 15 Jahren in Großbritannien zu Hause Zugang zum Internet. Fast jedes zweite Kind (40 Prozent) zwischen 8 und 11 Jahren sowie mehr als zwei Drittel (71 Prozent) der 12- bis 15-Jährigen gaben an, beim Surfen meistens allein und unbeaufsichtigt vor dem Computer zu sitzen.
Allerdings lassen sich die Jugendlichen auch von Restriktionen nicht beeindrucken. So umgehen sie etwa die Beschränkungen des Internetzugangs auf Schulcomputern, indem sie sich als Administrator anmelden, oder machen sich bei Social-Networking-Sites älter, um das notwendige Mindestalter zu erreichen.
Entsprechend erschreckend waren die Erfahrungen, die die Kinder und Jugendlichen im Internet gemacht haben: Mehr als die Hälfte (57 Prozent) sind bereits, wenn auch meist versehentlich, mit Pornografie in Berührung gekommen, 25 Prozent haben entsprechenden Spam bekommen. Immerhin haben fast die Hälfte der Eltern auf den heimischen Rechnern irgendwelche Blockade-Werkzeuge installiert, die bestimmte Webseiten sperren. Doch nur 7 Prozent von ihnen war bewusst, dass ihr Nachwuchs trotzdem in Kontakt mit sexuellen Inhalten gekommen war.
Anders als im Fernsehen, kritisiert die Studie, gebe es im Internet über die generellen Gesetze hinaus keine Beschränkungen für Internetinhalte. Keine staatliche Stelle sei für potenziell schädliche Inhalte zuständig. Die Studie fordert deshalb die Regierung, aber auch Internetunternehmen auf, mehr für den Jugendschutz zu tun. So solle beispielsweise die Medienaufsichtsbehörde Office of Communications (Ofcom) regelmäßig die Effektivität von Initiativen zum Schutz vor schädlichen Inhalten prüfen. Beliebte Angebote wie MySpace oder YouTube sollten sich zusammentun, um Richtlinien zu erarbeiten, die festlegen, welche Inhalte auf ihren Seiten zu sehen sind und welches Verhalten sie von den Jugendlichen erwarten. Das Familienministerium schließlich soll Programme aufsetzen, um die Medienkompetenz der Eltern zu fördern. Nur dann können diese sicherstellen, dass ihre Kinder in Zukunft das Internet nutzen, ohne dabei Schaden zu nehmen.
"Das Internet bietet großen Nutzen und viele Möglichkeiten für junge Menschen. Aber da die Kinder immer mehr Zeit online verbringen, müssen die Eltern sich darüber vergewissern, was sie sich anschauen", sagt Kay Withers, Autorin der Studie.
Datenschützer warnen immer wieder davor, dass Kinder und Jugendliche sich selbst in Gefahr bringen, indem sie auf Social-Networking-Plattformen zu viele persönlichen Daten von sich preisgeben.
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