Facetten-Auge: Kamera mit über 12.000 Objektiven
Professor Abbas El Gamal von der Uni Stanford entwickelt mit seinem Team einen Kamera-Chip, auf dem winzige Linsenöffnungen (Blenden) aufgebracht sind, die das auftreffende Licht auf jeweils 256 Pixel bündelt. So entsteht wie bei einem Insekt ein Facetten-Auge. Die hinter den einzelnen Blenden(öffnet im neuen Fenster) liegenden Pixelstrukturen sind ungleich feiner als bei handelsüblichen Digitalkameras - ein Pixel ist nur noch 0,7 Mikrometer groß.
Bei der Aufnahme entstehen sich überlappende Einzelbilder, die jeweils aus einem leicht anderen Blickwinkel aufgenommen wurden - die ähnlich wie das linke und rechte Auge zusammenspielen. Auf dieser Basis lässt sich ein dreidimensionales Bild der Umgebung erstellen.
Die Wissenschaftler sehen die Möglichkeit, die Chips so preiswert zu produzieren, dass sich eines Tages sogar in Handy-Kameras Facetten-Augen finden könnten. Sie würden die Fotografie revolutionieren: Es wäre erstmals möglich, mit Computerhilfe nachträglich auf einzelne Objekte scharf zu stellen. Die erforderlichen Informationen sind durch die Facettenaufnahme mit unterschiedlichen Blendenöffnungen bereits vorhanden.
Zudem ist durch die extreme Nähe der Blenden zum Sensor auch ein Problem lösbar, das derzeit Digitalkamerahersteller und ihre Kunden quält. Der Markt verlangt nach immer höher auflösenden Bildern - die Kameras und damit die Sensoren sollen aber weiterhin so schön kompakt bleiben, wie sie es derzeit sind.
Die optische Qualität der Objektive lässt sich aber nicht unendlich steigern - so kommt es, dass die Bilder von 12-Megapixel-Kameras heute kaum noch mehr Details zeigen als 8-Megapixel-Chips. Wird den Pixeln das Licht durch einzelne Blenden, die direkt vor ihnen sitzen, mundgerecht zugefüttert, entstehen diese Probleme nicht. Durch die überlappenden Bilder könnten auch die Fehler, die durch tote Pixel entstehen, ausgemerzt werden.
Durch die Pixelverkleinerung könnten auch mehr Bildpunkte auf gleicher Sensorfläche untergebracht - und erheblich höhere Auflösungen erzielt werden. Insofern ist die Erwartung von Professor Abbas El Gamal vielleicht nicht einmal zu hoch gegriffen, wenn er seine Entwicklung als einen Baustein zur Gigapixel-Kamera sieht.