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Spieletest: Lost - Abenteuer auf der TV-Insel

Umsetzung der Fernsehserie mit bislang unbekanntem Absturzopfer. Seit Ende Januar 2008 läuft die vierte Staffel der kultigen Serie Lost im amerikanischen Fernsehen, während hierzulande Lost-Fans noch warten müssen, bis es weitergeht. Die hiesige Lost-Pause können Spieler nun überbrücken: Sie besuchen in der Umsetzung von Ubisoft die mysteriöse Südseeinsel – und forschen als Elliott Maslow nach Erinnerungen.
/ Peter Steinlechner
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Dass Flug Oceanic Flug 815 abstürzt, weiß jeder Fan von Lost - schließlich ist es dieses Ereignis, mit dem die Serie ihre Figuren auf die mysteriöse Insel im Pazifik verschlägt. Was bislang unbekannt war: An Bord befand sich auch der Reporter Elliott Maslow. Im Computerspiel Lost ist er die Hauptfigur, den Spieler auf Windows-PC, Xbox 360 und PlayStation 3 über das Eiland steuern. Direkt nach dem Absturz erinnert sich Elliott allerdings weder an seinen Beruf noch an seine Vergangenheit - er hat sich am Kopf verletzt und leidet unter einem Erinnerungsverlust.

Das Computerspiel Lost erzählt die Geschichte des Elliott Maslow als linear angelegte Verkettung von Minispielen, Actionsequenzen und sonstigen Aufgaben. Während die spielerische Freiheit gegen null geht, häufen sich die Ladebildschirme und damit die Wartezeiten. Immerhin geht es schön abwechslungsreich zu. Beispielsweise muss Elliott dem aus der Serie bekannten tödlichen schwarzen Nebel ausweichen und dabei ebenso reaktionsschnell wie geschickt agieren, einem Hund durch den Urwald folgen oder in einer Art Denkspiel die Treibstoffleitung des abgestürzten Flugzeugs kappen. Dazu kommen noch Gespräche mit anderen Lost-Figuren - und ein einfaches, aber herzlich überflüssiges Handelssystem, mit dem Elliott etwa im Tausch gegen herumliegende Kokosnüsse seine Vorräte an Fackeln aufstockt.

Eine besondere Rolle haben die sogenannten "Erinnerungspiele", die einen Großteil von Elliotts Story erzählen. In den blauweiß eingefärbten 3D-Sequenzen muss er als Fotoreporter mit einem Kamerasucher vorgegebene Bilder knipsen, von denen er vorher nur einen unzusammenhängenden Ausschnitt kennt. Beispielsweise sieht Elliott zuerst eine zerstörte Fotografie seiner Freundin und muss dann dieses Bild in seiner Erinnerung noch einmal neu aufnehmen. Klingt interessant - allerdings ist das Spiel in diesen Abschnitten manchmal sehr pingelig und will, dass sowohl das Timing als auch die Bildschärfe genau stimmen. Gesteuert wird Elliott in den meisten Fällen aus der Beobachterperspektive - was im Großen und Ganzen gut funktioniert, aber doch komfortabler sein könnte.

Die Grafik von Lost orientiert sich an der Fernsehserie: Die Insel wirkt detailreich und oftmals fast schon beängstigend echt - insbesondere der dichte Dschungel. Allerdings sind die Abschnitte sehr klein, meist läuft der Spieler nach wenigen Metern an sichtbare oder unsichtbare Levelgrenzen. Im Spiel tauchen auch einige der wichtigsten Figuren aus der TV-Serie auf. Die virtuellen Abbilder von John Locke, Hurley, Kate Austen und andere sind aufwendig modelliert und sehen beeindruckend echt aus; auch die Synchronsprecher der Serie leihen der deutschen Version des Spiels ihre Stimmen.

Lost ist in weitgehend identischen Versionen für PlayStation 3, Xbox 360 und Windows-PCs erhältlich und kostet um die 40,- Euro. Als minimale PC-Hardware wird ein Rechner mit Windows XP/Vista mit 1 GByte RAM sowie einem Prozessor mit 2,4 GHz angegeben. Zudem sollten 3 GByte auf der Festplatte frei sein und eine Grafikkarte mit mindestens 128 MByte im Rechner stecken.

Fazit
Immerhin - es gibt nicht viele Filmumsetzungen, die so aufwendig sind und die Atmosphäre des Originals so gekonnt einfangen. Die Story von Lost ist klasse und mit ihrem Mix aus Rückblenden, Videos und Gesprächsinformationen gekonnt erzählt. Trotzdem springt der Funke nicht über. Das liegt auch an den sich ständig abwechselnden Spielmodi - alle paar Augenblicke kommt der nächste Ladebildschirm und man muss sich auf ein komplett neues Gameplay einstellen. Ein mitreißender Spielfluss kommt da kaum auf und ein wirkliches Abtauchen in die Lost-Welt ist so gut wie unmöglich. Dazu gesellen sich ärgerliche Kleinigkeiten: die arg lineare Handlung, die begrenzten Umgebungen und die teils nervigen Minispiele. Wer Lost im Fernsehen liebt, kann zugreifen - wer mit Lost nichts anfangen kann, sucht sein Abenteuer lieber woanders.


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