Berners-Lee: Beim Einsatz von Phorm den Provider wechseln
17 Jahre nach der Vorstellung(öffnet im neuen Fenster) des World Wide Web ist Tim Berners-Lee stolz auf die Entwicklung des Internets. "Im Großen und Ganzen ist es ein großer Vorteil" , sagte er dem britischen Fernsehsender BBC. Er schätzt vor allem die große Kreativität, die sich in den unterschiedlichen Websites und -diensten ausdrückt. Er lobte auch die Social Networks, die seiner Ansicht nach gerade junge Leute dazu motivieren, sich am Internet zu beteiligen. Für die nächsten Jahre verspricht er zudem einige bahnbrechende Fortschritte.
Aber der inzwischen geadelte Berners-Lee sieht auch Probleme: Immer wieder gebe es unerwartete Schwierigkeiten, die die Entwicklung des Internets hemmten. Das beste Beispiel sei der Spam, der E-Mail schwer belaste.
Ein anderes Problem sei der unbedachte Umgang mit Daten. Hier wandte er sich vor allem an die jungen Nutzer. "Denkt daran, dass alles, was Ihr schreibt, von demjenigen gelesen wird, bei dem Ihr Euch um Euren ersten Job bewerbt. Und denkt daran, dass Eure Eltern, Eure Großeltern und Eure Enkelkinder es lesen können" , warnte er vor der unbedachten Preisgabe persönlicher Daten.
Große Sorge bereitet Berners-Lee vor allem das zunehmende Webtracking zu Werbezwecken. Nutzungsdaten und Surfverhalten gehörten dem Anwender, und niemand dürfe sie einfach so bekommen, stellte Berners-Lee klar. Ein Unternehmen dürfe diese Daten ohne Zustimmung der Nutzer nicht sammeln und zu Werbezwecken nutzen. "Ich muss zustimmen und verstehen, was ich im Gegenzug dafür bekomme."
Er wandte sich damit gegen die Pläne einiger großer britischer Internetprovider, die mit dem Unternehmen Phorm zusammenarbeiten wollen. Phorm will das Surfverhalten protokollieren, um den Nutzer mit personalisierter Werbung zu versorgen. Berners-Lee sieht hier große Gefahren für die Nutzer: "Wenn ich nach einer Reihe Bücher über eine bestimmte Krebsart suche, will ich nicht, dass meine Krankenversicherung davon etwas erfährt und mir, weil ich nach diesen Büchern gesucht habe, die Beiträge um 5 Prozent erhöht."
Eine solche Nutzung von Daten hält er für unredlich. Ein Provider sei seinem Verständnis nach ein Dienstleister wie ein Wasserbetrieb. "Er stellt mir einen Internetanschluss zur Verfügung, ohne Bedingungen daran zu knüpfen. Mein Provider beeinflusst nicht, welche Websites ich besuche und er überwacht auch nicht, welche Websites ich besuche." Würde sein Provider Phorm einsetzen, gäbe es für Berners-Lee denn auch nur eine Konsequenz: den Provider zu wechseln.
Einen Dienst, wie Phorm ihn anbietet, dürfe der Provider nach Ansicht von Berners-Lee nur nach ausdrücklicher Zustimmung des Nutzer ("opt-in") einsetzen. So macht es Talk Talk, während die Konkurrenten Virgin und British Telecom noch überlegen, ob sie die Zustimmung der Nutzer einholen oder ihnen lediglich das Recht einräumen, den Dienst abzulehnen ("opt-out").
Das Video des Interviews kann auf der BBC-Website(öffnet im neuen Fenster) abgerufen werden.