Abo
  • IT-Karriere:

Interview: Computerspiele, die emotionalste Form von Medien

Clash of Realities - Golem.de im Gespräch mit Prof. Winfried Kaminski

Anfang März 2008 fand in Köln die zweite "Clash of Realities" statt - eine Tagung, die sich aus akademischer Sicht mit Computer- und Videospielen beschäftigt. Golem.de sprach mit Prof. Winfried Kaminski, dem Programmdirektor und Co-Organisator der Veranstaltung.

Artikel veröffentlicht am ,

Prof. Winfried Kaminski, Programmdirektor und Co-Organisator der 'Clash of Realities' (Foto: Jürgen Sleegers)
Prof. Winfried Kaminski, Programmdirektor und Co-Organisator der 'Clash of Realities' (Foto: Jürgen Sleegers)
Die alte Domstadt Köln stand zwei Tage lang im Mittelpunkt der hochmodernen Computerspielbranche - auch ein Zusammenstoß von Welten. Vom 5. bis 7. März fand dort die Clash of Realities statt. Auf der Konferenz - die von Electronic Arts gesponsert wird - trafen sich renommierte nationale und internationale Redner. Gleich am Eröffnungsabend sprach der bekannteste Teilnehmer, Jesper Juul vom Massachusetts Institute of Technology, über Computerspiele als "the most emotional of all media". Aber auch Aggressionsforscherinnen wie Prof. Dr. Maria von der Salisch Leuphana Universität Lüneburg oder Lernanalysten wie James Paul Gee von der Arizona State University waren vor Ort.

Golem.de unterhielt sich mit Prof. Winfried Kaminski, dem Leiter des Instituts für Medienforschung und Medienpädagogik der FH Köln, der zugleich Programmdirektor und Co-Organisator der Clash of Realities ist.

Golem.de: Was ist für Sie das Besondere an Computerspielen?

Prof. Kaminski: Einmal, dass sie einen so durchschlagenden Erfolg bei Kindern und Jugendlichen haben. Sie stellen das heutige Alltagsmedium in dieser Gruppe und sind kaum zu toppen von anderen Medien, die vielleicht den Eltern oder Pädagogen lieber wären. Zweitens hat jedes neue Medium auch insofern einen Neugierigkeits- und Neuigkeitswert, weil es interessant ist zu wissen, weshalb es etwa zu dieser Diskussion um die Sorgen der Eltern und Erzieher kommt, wie sie hier in Deutschland besonders bemüht geführt wird. Das hat uns - da wir hier an der Fakultät überwiegend Sozialarbeiter und Sozialpädagogen ausbilden - natürlich auch bewogen, nachzufragen. Unsere Studierenden kommen mit Kindern oder Jugendlichen und deren Eltern zusammen und erleben auf der einen Seite diesen Enthusiasmus und die Selbstverständlichkeit der Nutzung bei den Jüngeren. Und auf der anderen Seite die Skepsis, die Klagen und Entsetzensschreie der Eltern: Was wird da mit unseren Kindern gemacht?

Stellenmarkt
  1. ALDI International Services GmbH & Co. oHG, Mülheim an der Ruhr
  2. Joyson Safety Systems Aschaffenburg GmbH, Aschaffenburg

Golem.de: Was schlagen Sie vor?

Prof. Kaminski: Unser Prinzip ist es, den Eltern, den Verantwortlichen in der Schule und der Öffentlichkeit klarzumachen, dass die Kinder und Jugendlichen etwas mit den Medien machen - nicht umgekehrt. Sie sind Subjekte ihres Tuns, sie sind nicht irgendwelche per se medienabhängigen Schreckensbündel, sondern sie tun etwas, wenn sie sich ihre Medien aneignen. Sie haben durchaus - vielleicht nicht immer systematische - unterschiedliche Zugangswege. Und: Der Variantenreichtum beim Umgang mit den jeweils neueren Medien ist bei der jüngeren Generation viel größer. Zu wissen, welche Spiele angesagt sind, das ist im Selbstverständnis der Kinder und Jugendlichen etwas, worüber sie sich sofort verständigen können. Da fallen Namen, da fallen Hersteller, da fallen Titel, da kann man als Außenstehender nur sagen: Wovon reden die eigentlich? Aber nur weil ich nicht verstehe, wovon sie reden, reden sie keinen Unsinn! Das ist leider das manchmal auftretende autoritative Gefälle. Wo im Grunde eigene Unkenntnis auf die vermeintliche Inkompetenz anderer projiziert wird.

Golem.de: Interpretieren Sie diesen variantenreichen Umgang auch als kreativ?

Prof. Kaminski: Ja, natürlich - das meine ich damit! Und zwar nicht nur wegen der Interaktivität. Es ist das Besondere der Spiele: Wie alle Spiele funktionieren auch Computerspiele nur, wenn ich sie mache - wenn der Spieler etwas tut. Auch wenn ich mich sozusagen brav - und das ist jetzt nicht negativ gemeint - den Regeln unterwerfe.

Golem.de: Welche Entwicklungen finden Sie besonders wichtig?

Prof. Kaminski: Es wird immer deutlicher, dass die Spieler bei der Gestaltung der Spiele und beim Aufbau der Spielwelten selber beteiligt sein wollen. Man kann ja den unglaublichen Erfolg der Onlinespiele nur damit erklären, dass dem Bedürfnis einzuwirken voll entsprochen wird. Ich baue meine Horde, meine Gilde, meinen Clan und entwickele meine Welt gemeinsam mit anderen Leuten, sei es in lokalen Zusammenhängen oder auf internationaler Ebene. Das ist etwas, was ältere Spielmodelle technisch und dinglich bedingt nie konnten. Ich kann zwar eine Spielgemeinschaft "Mensch Ärgere Dich Nicht" haben, aber eben nicht in dieser unglaublichen Ausweitung. Sie ist auch nicht nötig, um den vollen Umfang des Spiels zu genießen.

Interview: Computerspiele, die emotionalste Form von Medien 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5.  


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 98,99€ (Bestpreis!)
  2. täglich neue Deals bei Alternate.de
  3. 334,00€

Supporter 16. Mär 2008

Ergänzung: Ok die Ausraster gingen nicht ganz soweit aber das hängt auch immer mit den...

Felinenfoerderer 14. Mär 2008

Empathieverluste, kaputte Konzentrationsfähigkeit, Islamismus, Imaginismus künstlicher...

Stonk 13. Mär 2008

Was hast du gegen Homos? Die machen doch keinem was.

Hotohori 13. Mär 2008

"Sie haben eine Meinung darüber, was gut oder schlecht ist - aber sie lassen sich gar...


Folgen Sie uns
       


Oneplus 7 Pro - Hands On

Das Oneplus 7 Pro ist das neue Oberklasse-Smartphone des chinesischen Startups. Es verfügt über drei Kameras auf der Rückseite und eine ausfahrbare Frontkamera. Das Smartphone erscheint im Mai zu Preisen ab 710 Euro.

Oneplus 7 Pro - Hands On Video aufrufen
Sicherheitslücken: Zombieload in Intel-Prozessoren
Sicherheitslücken
Zombieload in Intel-Prozessoren

Forscher haben weitere Seitenkanalangriffe auf Intel-Prozessoren entdeckt, die sie Microarchitectural Data Sampling alias Zombieload nennen. Der Hersteller wusste davon und reagiert mit CPU-Revisionen. Apple rät dazu, Hyperthreading abzuschalten - was 40 Prozent Performance kosten kann.
Ein Bericht von Marc Sauter und Sebastian Grüner

  1. Open-Source Technology Summit Intel will moderne Firmware und Rust-VMM für Server
  2. Ice Lake plus Xe-GPGPU Intel erläutert 10-nm- und 7-nm-Zukunft
  3. GPU-Architektur Intels Xe beschleunigt Raytracing in Hardware

Bundestagsanhörung: Beim NetzDG drohen erste Bußgelder
Bundestagsanhörung
Beim NetzDG drohen erste Bußgelder

Aufgrund des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes laufen mittlerweile über 70 Verfahren gegen Betreiber sozialer Netzwerke. Das erklärte der zuständige Behördenchef bei einer Anhörung im Bundestag. Die Regeln gegen Hass und Hetze auf Facebook & Co. entzweien nach wie vor die Expertenwelt.
Ein Bericht von Justus Staufburg

  1. NetzDG Grüne halten Löschberichte für "trügerisch unspektakulär"
  2. NetzDG Justizministerium sieht Gesetz gegen Hass im Netz als Erfolg
  3. Virtuelles Hausrecht Facebook muss beim Löschen Meinungsfreiheit beachten

Kontist, N26, Holvi: Neue Banking-Apps machen gute Angebote für Freelancer
Kontist, N26, Holvi
Neue Banking-Apps machen gute Angebote für Freelancer

Ein mobiles und dazu noch kostenloses Geschäftskonto für Freiberufler versprechen Startups wie Kontist, N26 oder Holvi. Doch sind die Newcomer eine Alternative zu den Freelancer-Konten der großen Filialbanken? Ja, sind sie - mit einer kleinen Einschränkung.
Von Björn König


      •  /