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Interview: Computerspiele, die emotionalste Form von Medien

Golem.de: Aber ist nicht auch die Verbindung zur Industrie wichtig, um das Medium besser zu verstehen?

Prof. Kaminski: Die Wirtschaft, insbesondere Electronic Arts, ist hier an der FH Köln für uns deshalb wichtig, weil wir erst durch das Sponsoring eine solche Tagung ausrichten können. Das ermöglicht mir, einen Mitarbeiter für ein halbes Jahr einzustellen, der mir bei der Planung der Tagung hilft. Es hat aber auch den Vorteil, dass wir zum Teil unsere Fragen - und ich meine nicht nur unsere Bedenken, sondern auch das, was wir an Chancen sehen - in die Geschäftswelt zurücktragen können. Mit der Wirtschaft habe ich ja ansonsten nichts zu tun. Aber es ist spannend zu hören, was dort von unseren Fragen, Vorschlägen oder Vorstellungen dann doch ankommt.

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Golem.de: Fallen Ihnen da Beispiele ein?

Prof. Kaminski: Es gibt kaum ein Spiel, das nicht lokalisiert ist. Aus verschiedenen Gründen. Aus sprachlichen, aber auch aus kulturellen und juristischen. Natürlich fragt sich eine Firma wie EA, warum sie in Deutschland anders als in England, und in England anders als in den USA agieren muss. Wir können dann in Gesprächen, aber eben auch mit einer solchen Konferenz klarmachen, dass sie nicht einfach darüber hinwegsehen können, dass es jeweils soziale und politische Aneignungsweisen gibt. Genauso gibt es bestimmte Verhältnisse zur Tradition des Spielens. Für England sind solche Themen wie in "Dungeons and Dragons" tief verankert. Da muss man nur nach York fahren und kann quasi nach realen Dungeons und Dragons suchen. Während dieses Szenario für uns in Deutschland zu Beginn eher ungewöhnlich war. Wir können diese kulturellen Differenzen, die natürlich auch Handlungsunterschiede im Alltag erzeugen, vergegenwärtigen und klarmachen. Dies gilt allerdings genauso gegenüber der Politik wie der Wirtschaft, um etwaige vorschnelle Entscheidungen zu verhindern. Das ist meines Erachtens unsere Aufgabe.

Golem.de: Was sagen Sie zu der Kritik, die ja ab und zu aus der akademischen Landschaft kommt, dass mit einem kommerziellen Sponsor eine wissenschaftliche Konferenz unter dem Verdacht direkter Einflussnahme steht?

Prof. Kaminski: Ja, diese Kritik gab es vereinzelt. Aber sie müssen sehen, dass wir hier an einer Fachhochschule mit dominant ingenieurwissenschaftlichen Anteilen sind. Von daher ist die Angst, es mit Industrie und Wirtschaft zu tun zu haben, nicht so groß. Wir beschäftigen uns bei unseren Forschungen mit Computerspielen aus pädagogisch dominanter Sicht, klar. Aber wir müssen doch auch wissen, wer dahintersteckt. Und dann die Frage der Einflussnahme. Kann man mit diesem Geld eine Hochschule kaufen? Der Betrag, über den wir reden, nimmt 0,005 Prozent des Hochschulbudgets ein. Das ist doch absurd. Das Geld wird von uns in den FH-Haushalt eingespeist und dort öffentlich verwaltet. Damit bezahlen wir einen Mitarbeiter. Fertig. Alle anderen Dinge, die für EA eventuell praktisch interessant wären, wie Werbung für Produkte im engsten Sinne, machen wir nicht. Dass EA natürlich mit dem realisierten und deutlich nach außen getragenen gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein auch egoistische Interessen hat - wer will ihnen das verdenken? Man sollte dagegen vielleicht mal überlegen, wie es solchen Forschern und Hochschulkollegen geht, die von der Volkswagen-Stiftung gefördert werden oder von der Telekom-Stiftung Geld bekommen. Da sollte man zweimal hinschauen. Der Vorwurf ist leicht erhoben, aber trifft nicht zu. Wir haben ohnehin nicht vor zu sagen, dass Produkte von EA per se besser seien als die von konkurrierenden Unternehmen. Das ist doch geschenkt. Das interessiert sie auch gar nicht. Das machen sie viel besser ohne uns. Dafür braucht EA uns nicht.

Golem.de: Nun hat die Kölnmesse es geschafft, die Games Convention (GC) von Leipzig nach Köln zu holen. Wäre es eine gute Idee, die Clash of Realities mit der GC zu verbinden?

Prof. Kaminski: Nein, eher nicht, obwohl ich mich jetzt noch nicht wirklich traue, dazu eine konkrete Position zu haben. Ich kann im Grunde nicht absehen, was das für Schwierigkeiten mit sich brächte. Mit der GC kommt etwas Großes nach Köln. Da versammelt sich auf einmal die geballte Macht dieser Branche. Wir hatten es bisher mit einzelnen Personen in ausgewählten Betrieben zu tun. Das waren persönlich klare Verabredungen. Wenn sie aber auf einmal mit einem nationalen oder gar internationalen Verband verhandeln müssen, wo 80 weitere Stimmen ebenso eine Rolle spielen und jedes Blatt von allen abgestimmt werden muss... Also das macht mir im Moment Bauchweh. Wir werden es zwar nicht verhindern können, dass die Games Convention hierher kommt, aber ich würde eine zeitliche Nähe nicht so gerne sehen.

Golem.de: Welche Bedeutung hat die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Computerspielen für die deutsche Spielentwicklung?

Prof. Kaminski: Bezogen auf uns, haben wir leider noch zu wenig Kontakt mit der praktischen Spielentwicklung. Wovon ich mir allerdings mehr Bedeutung verspreche, ist das Vorhaben, hier in Köln so etwas wie ein Cologne Game Lab einzurichten. Die Idee kursiert hier im Hause schon länger, und es gibt bereits Verbindungen mit Designern, mit der Filmschule und Informatikern. Das ist vielleicht im Bezug auf die GC eine gute Gelegenheit für uns. Wenn in Zukunft hier die Wirtschaft die Rolle als Macher und Verbreiter einnimmt, dann müsste sie auch bereit sein, für die Entfaltung der Spielidee-Leute ein positives Umfeld anzubieten. Da wird sich dann sicherlich auch etwas Fruchtbares in Richtung Ausbildung bzw. Masterstudiengang Game Studies ergeben. Das ist etwas, worüber ich mich mehr freuen würde, wenn wir das in diesem Kontext hinbekommen würden, als so eine Art Anhängsel der Games Convention zu werden. [von Michael Liebe]

 Interview: Computerspiele, die emotionalste Form von Medien

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Supporter 16. Mär 2008

Ergänzung: Ok die Ausraster gingen nicht ganz soweit aber das hängt auch immer mit den...

Felinenfoerderer 14. Mär 2008

Empathieverluste, kaputte Konzentrationsfähigkeit, Islamismus, Imaginismus künstlicher...

Stonk 13. Mär 2008

Was hast du gegen Homos? Die machen doch keinem was.

Hotohori 13. Mär 2008

"Sie haben eine Meinung darüber, was gut oder schlecht ist - aber sie lassen sich gar...



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