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Der Herzschrittmacher als tödliche Waffe

US-Wissenschaftler finden Sicherheitslücken in Implantaten. Wissenschaftler aus den USA haben herausgefunden, dass Herzschrittmacher mit einer Funkschnittstelle gehackt werden können – mit tödlichen Folgen.
/ Werner Pluta
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Geräte mit Schnittstellen sind praktisch: Sie stehen nicht mehr alleine da, erlauben den Austausch von Daten oder auch das Aufspielen von Software. Allerdings bieten sie auch einen Angriffspunkt für wenig wohlmeinende Mitmenschen, die über die Schnittstellen in Geräte anderer einzudringen versuchen.

Nach den Erkenntnissen von Wissenschaftlern der Universitäten von Washington und Massachusetts sind auch Herzschrittmacher mit einer Funkschnittstelle bedroht. Sie sind mit einer solchen Schnittstelle ausgerüstet, damit Ärzte die Möglichkeit haben, von außen die Funktion der Implantate zu überwachen, Betriebsdaten auszulesen oder die Geräte nachzujustieren.

Die Forscher jedoch verschafften sich mit einer Hacker-Ausrüstung Zugang zu einem kombinierten Herzschrittmacher und Defibrillator. Sie konnten daraufhin die Patientendaten auslesen, die das Gerät sammelt und an den Arzt funkt. Doch nicht nur das: Es gelang ihnen auch, Einfluss auf den Betrieb des Geräts zu nehmen: Sie konnten zum Beispiel den Herzschrittmacher ausschalten oder den Defibrillator dazu bringen, Stromstöße auszusenden, die für den Träger tödlich sein könnten.

Die Ergebnisse ihrer Tests haben die Wissenschaftler auf der Site des Medical Device Security Center(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht. Den zuständigen Behörden haben sie ihre Forschungsergebnisse vorab zur Verfügung gestellt und diese aufgerufen, sich mit diesem Problem zu befassen.

Noch sei das Risiko für Patienten sehr gering, sagte Tadayoshi Kohno der New York Times(öffnet im neuen Fenster) . Er befürchtet aber, dass es in Zukunft wachsen könnte. Kohno ist ein Spezialist für Computersicherheit von der Universität von Washington in Seattle und hat bereits die Schwachstellen von vernetzten Computern und Wahlmaschinen untersucht.

Das Gerät, mit dem das Forscherteam experimentierte, stammt vom Marktführer Medtronic. Sie wählten es aus, weil es ihrer Meinung nach ein typisches Implantat mit einer Funkschnittstelle ist. Medtronic-Konkurrent Boston Scientific stattet seine Geräte nach eigenen Angaben bereits heute mit Sicherheitsfunktionen wie Verschlüsselung aus.


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