Phorm: Internetwerbung wird noch tiefer gehen

Maßgeschneiderte Anzeigen dank Paketinspektion?

Der Werbedienstleister Phorm will mit seiner OIX-Plattform das lukrative Geschäft mit Onlinewerbung revolutionieren. Verträge mit Internetprovidern erlauben Phorm dazu den direkten Zugriff auf den Klick-Stream der Anwender.

Artikel veröffentlicht am ,

Für die einen klingt es wie ein weiterer Schritt zur totalen Internetüberwachung, für die anderen wie Kassenklingeln: Open Internet Exchange, kurz OIX. Dahinter verbirgt sich ein Vorstoß des Werbedienstleisters Phorm, Internetnutzung und Werbung noch stärker miteinander zu verbinden. Den Schlüssel dazu liefern Abkommen mit Internetprovidern, die Phorm den direkten Zugang zum Klick-Stream der Internetnutzer verschaffen. Eine Umsatzbeteiligung am Werbegeschäft hat die ISPs BT, TalkTalk sowie Virgin Media überzeugt, die zusammen rund 70 Prozent des ISP-Geschäfts in Großbritannien abdecken. Die ersten Werbekunden sind auch schon an Bord: FT.com; iVillage; Universal McCann; MGM OMD und Unanimis.

Stellenmarkt
  1. IT Service Delivery Manager (m/w/d)
    nora systems GmbH, Weinheim
  2. Softwareentwickler für Medizinprodukte (m/w/d)
    Ziehm Imaging GmbH, Nürnberg
Detailsuche

Mittels OIX will Phorm per Paketinspektion ("deep packet inspection") das Verhalten der Nutzer im Internet analysieren. Die IP-Pakete für Port 80 bekommt Phorm in anonymisierter Form von den ISPs geliefert. Innerhalb von OIX werden die Pakete zusammengebaut und auf Schlüsselwörter hin untersucht. "OIX kann die so ermittelte aktuelle Kontextrelevanz mit dem Verhalten in der Vergangenheit abgleichen, um die für den Nutzer am meisten relevante Werbung zu bestimmen und auszuliefern".

Phorm verspricht dabei "einen Durchbruch für Verbraucher und Datenschützer, indem irrelevante Werbung reduziert wird und ein neuer 'Goldstandard' für Datenschutz und Anonymität" geschaffen wird. Nach Aussage von Phorm "speichert OIX keine identifizierbaren personenbezogenen Angaben, IP-Adressen oder Angaben zur Webnutzung". Allerdings kommen persistente Cookies zum Einsatz. Einen Widerspruch zur versprochenen "verhaltensbasierten Zielansprache" sieht Phorm hier offensichtlich nicht. Immerhin soll den Internetnutzern die Möglichkeit eingeräumt werden, OIX "zu beliebiger Zeit aus- oder einzuschalten".

Nach Bekanntwerden von Phorms Plänen Mitte Februar 2008 regt sich in Großbritannien mittlerweile Widerstand. Auf der Website BadPhorm wird dazu aufgerufen, sich beim Internetprovider zu beschweren sowie den Datenschutzbeauftragten und die Abgeordneten zu alarmieren. Phorm weist die Kritik zurück. In der Tageszeitung Guardian - ebenfalls Kunde von OIX - wird Marc Burgess, CIO von Phorm, mit den Worten zitiert: "Unsere Aussagen zum Datenschutz sind von Ernst & Young überprüft worden. Sie haben sich unser ganzes System angesehen und können bestätigen, dass es das tut, was wir sagen." Auch Datenschützer sollen laut Burgess vom Konzept überzeugt worden sein.

Geheime Tests in Zusammenarbeit mit British Telecom (BT) hat es laut Guardian schon im vergangenen Sommer gegeben. BT hatte damals solche Tests abgestritten. Dieser Fakt und Phorms Vergangenheit als Spyware-/Adware-Lieferant mit Namen 121Media dürften die Zweifel in der Öffentlichkeit kaum aus der Welt schaffen. [von Robert A. Gehring]

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Quix0r 28. Apr 2009

Oder Gigabyte-weise Trash-Traffic dort hinsenden, also zwar gueltige HTTP-Anfragen...

cg alt 11. Mär 2008

also ich bin auch bei amazon angemeldet und bestelle einigermassen häufig. hab aber noch...

evliss 11. Mär 2008

Früher, als Werbung noch aus Bildern bestand, funktionierten die Blocker so, dass das...

irgendjemand 11. Mär 2008

Es gibt keine "persönliche" Werbung ohne das Sammeln von persönlichen Daten! Anonymität...

Sharra 10. Mär 2008

Keine Ahnung von Nix aber ne Klappe wie ein Scheunentor. Dumm nur dass P2P per Definition...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Macbook Pro
Apple bestätigt High Power Mode für M1 Max

Käufer des Macbook Pro mit M1 Max können wohl in MacOS Monterey per Klick noch mehr Leistung aus dem Gerät herausholen.

Macbook Pro: Apple bestätigt High Power Mode für M1 Max
Artikel
  1. Bundesregierung: Autobahn App 2.0 im ersten Quartal 2022 geplant
    Bundesregierung
    Autobahn App 2.0 im ersten Quartal 2022 geplant

    Die Opposition kritisiert die massiven Kosten, Nutzer bewerten die App schlecht. Dennoch soll die Autobahn App nun erweitert werden.

  2. Klage: Google soll E-Privacy und Werbemarkt manipuliert haben
    Klage
    Google soll E-Privacy und Werbemarkt manipuliert haben

    Mehrere US-Bundesstaaten haben Klage gegen Google eingereicht. Das Unternehmen rühmt sich derweil, Regulierungen verlangsamt zu haben.

  3. Silence S04: Günstiges Elektroauto mit herausnehmbaren Akku vorgestellt
    Silence S04
    Günstiges Elektroauto mit herausnehmbaren Akku vorgestellt

    Beim Elektroauto Silence S04 kann der Nutzer den Akku selbst wechseln, wenn dieser leergefahren ist.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Saturn-Gutscheinheft mit Direktabzügen und Zugaben • Nur noch heute: Mehrwertsteuer-Aktion bei MediaMarkt • Roccat Suora 43,99€ • Razer Goliathus Extended Chroma Mercury ab 26,99€ • Seagate SSDs & HDDs günstiger • Alternate (u. a. ASUS ROG Strix Z590-A Gaming WIFI 258€) [Werbung]
    •  /